Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 1. Grundsatz: Kürzeste Straßenverbindung
 

Rz. 60

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Für die Bestimmung der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ist grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung maßgebend (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 4 EStG), auch soweit sie mautpflichtig ist (BFH/NV 2014, 681). Insoweit ist auch eine Fährverbindung einzubeziehen (BFH 237, 446 = BStBl 2012 II, 802; Einzelheiten zur Fährverbindung > Rz 84). Die Entfernungsbestimmung folgt stets der Straßenverbindung und zB nicht den Tarifentfernungen öffentlicher Verkehrsmittel (EFG 2009, 926). Das gilt unabhängig von dem Beförderungsmittel, das tatsächlich für den Weg zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte benutzt wird (BFH 243, 219 = BStBl 2014 II, 259). Für die Anwendung der Entfernungspauschale wird grundsätzlich die einfache Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte angesetzt.

Gemessen wird die Wegstrecke von der Wohnung in Richtung erste Tätigkeitsstätte und nicht etwa vom Mittelpunkt des Wohnorts aus bis zur ersten Tätigkeitsstätte (anders bei doppelter Haushaltsführung > Rz 103/2). Dabei sind nur volle Km der Entfernung anzusetzen, angefangene Km bleiben unberücksichtigt; die Entfernung wird also abgerundet (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 EStG: "für jeden vollen Kilometer").

 

Beispiel 1:

Ein ArbN A fährt mit dem ÖPNV zur ersten Tätigkeitsstätte. Einschließlich der Fußwege und der Fahrtstrecke des öffentlichen Personennahverkehrs beträgt die zurückgelegte Entfernung 15,7 km. Die kürzeste Straßenverbindung beträgt 10,4 km.

Für die Ermittlung der Entfernungspauschale ist von einer Entfernung von 10 km auszugehen.

Ermittelt wird die Entfernung entweder mit Hilfe einer Straßenkarte oder von Routenplanern, wie sie zB im Internet verfügbar sind (www.maps.google.de;www.routenplaner.t-online.de; www.viamichelin.ch). Die einmal festgestellte Entfernung kann so lange zugrunde gelegt werden, wie keine wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse eintritt, zB bei Umzug oder Änderung der Verkehrsführung (glA Goydke, Stbg 2001, 311 [314]).

 

Rz. 60/1

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Abgerundet wird aber nur einmal für die gesamte Wegstrecke. Das wird besonders dann praktisch, wenn eine Aufteilung der Wegstrecke erforderlich ist, um die Entfernungspauschale zB bei Benutzung von PKW und ÖPNV getrennt zu berechnen (> Rz 70 ff).

 

Beispiel 2:

Der ArbN B hat von seiner Wohnung aus einen Fußweg von 500 m bis zum Bahnhof. Von dort benutzt er den Zug bis zum 99,3 km entfernten Bahnhof des Zielorts (maßgebend kürzeste Straßenverbindung). Dort hat er auf dem park & ride-Parkplatz seinen Firmenwagen abgestellt, mit dem er die restlichen 8,4 km bis zum Büro zurücklegt. B hat sein Büro an 195 Arbeitstagen aufgesucht. Seine Entfernungspauschale berechnet sich so:

Seine Wegstrecke beträgt insgesamt (0,5 + 99,3 + 8,4 =) 108,2 km, auszugehen ist von – abgerundet – 108 km. Die nicht mit dem PKW zurückgelegte Teilstrecke von (0,5 + 99,3 =) 99,8 km ist zunächst um 0,2 km (betroffen ist hier der Fußweg) wegen der Abrundung zu kürzen. Dann ergibt sich ein der Begrenzung durch den Höchstbetrag von 4 500 EUR unterliegender Teilbetrag von (99,6 km × 0,30 EUR × 195 Tage) = 5 826,60 EUR. Für die auf die PKW-Nutzung entfallenden 8,4 km ergibt sich ein weiterer Teilbetrag von (8,4 km × 0,30 EUR × 195 Tage =) 491,40 EUR, insgesamt also 6 318 EUR. Der auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und den Fußweg entfallende Teilbetrag von 5 827 EUR überschreitet den Höchstbetrag von 4 500 EUR. Mithin beträgt die Entfernungspauschale für B (4 500 EUR + 491,40 EUR =) 4 992 EUR.

Weil der ArbN B aber für 99,3 km öffentliche Verkehrsmittel benutzt hat, ist zusätzlich zu prüfen, inwieweit die hierfür entstandenen Kosten die für B ermittelte Entfernungspauschale von 4 992 EUR übersteigen (vgl § 9 Abs 2 Satz 2 EStG). Ergänzend > Rz 68.

 

Rz. 61

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Fallen Hin- und Rückweg zur ersten Tätigkeitsstätte zB bei Nachtschicht auf verschiedene Kalendertage, so kann aus Vereinfachungsgründen unterstellt werden, dass die Wege an einem Arbeitstag zurückgelegt werden. Legt der ArbN nur einen Hin- oder Rückweg zurück, zB wenn sich an den Hinweg eine Dienstreise anschließt, die an der Wohnung des ArbN endet, so ist die Entfernungspauschale nur zur Hälfte anzusetzen (BFH 125, 561 = BStBl 1978 II, 661; EFG 2013, 114). Das gilt auch, wenn sich Hin- und Rückweg auf unterschiedliche Tätigkeitsstätten beziehen (> Rz 56, 58).

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