Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / b) Benutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel (Mischfälle)
 

Rz. 70

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Werden die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowohl mit dem Kraftwagen als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, gilt Folgendes (vgl BMF vom 31.10.2013 Tz 1.6, BStBl 2013 I, 1376; BFH/NV 2009, 1619), und zwar für Fälle,

- in denen eine Teilstrecke mit dem Kraftwagen und eine weitere Teilstrecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden (vgl Beispiele 5 bis 8), aber auch
- wenn für einen Teil eines VZ nur ein Kraftwagen und für den anderen Teil nur öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden (> Beispiel ;9).

Zur Ermittlung der maßgebenden Entfernungspauschale ist zu beachten, dass in Mischfällen die Entfernungspauschale aus der Summe zweier getrennt berechneter Teilpauschalen besteht, weil

für die Benutzung des eigenen oder zur Nutzung überlassenen Kraftwagens kein Höchstbetrag gilt (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 HS 2 EStG; > Rz 67);
für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein Höchstbetrag von 4 500 EUR gilt (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 HS 1 EStG; > Rz 66), wenn nicht im Einzelfall höhere Aufwendungen nachgewiesen werden, die den als Entfernungspauschale für den VZ abziehbaren Betrag übersteigen (vgl § 9 Abs 2 Satz 2 EStG; > Rz 80).

Diese Regelung führt dazu, dass die mit dem Kraftwagen zurückgelegten Fahrtstrecken unbeschränkt berücksichtigt werden und auch in Mischfällen ein höherer Betrag als 4 500 EUR angesetzt werden kann. Beide Teilpauschalen ergeben die insgesamt anzusetzende Entfernungspauschale.

Für die Ermittlung der individuellen Entfernungspauschale ist zunächst die sich für die Wegstrecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ergebende kürzeste Straßenverbindung (> Rz 60 – 64/2) als maßgebende Entfernung zu ermitteln; sie ist unabhängig von tatsächlichen Entfernungen (zB Bahn-km) die Grundlage der Berechnung.

 

Beispiel 5:

Der ArbN E wohnt in Dortmund und hat sein Büro in Düsseldorf. Er fährt arbeitstäglich von seiner Wohnung aus mit dem PKW zum Bahnhof in Dortmund, wo er den PKW abstellt und auf die Bahn umsteigt. Mit der Bahn fährt E von Dortmund nach Düsseldorf Hbf und hat dann nur noch einen zehnminütigen Fußmarsch bis zum Büro (erste Tätigkeitsstätte). Nach Büroschluss gelangt er auf die gleiche Weise wieder zu seiner Wohnung zurück. Die maßgebende Wegstrecke – einfache Entfernung der kürzesten Straßenverbindung – betrage insgesamt 55 km. Zurückgelegt werden 2 km zu Fuß, mit dem PKW 5 km, 48 km mit der Bahn. E hat an 217 Arbeitstagen seine erste Tätigkeitsstätte aufgesucht. Seine Entfernungspauschale berechnet sich so:

Für die gesamte Wegstrecke ist eine maßgebende Entfernung von 55 km ermittelt worden. Darauf entfallen für die mit dem Kraftwagen zurückgelegte Teilstrecke von 5 Entfernungs-km ein Betrag von (5 km × 0,30 EUR × 217 Tage =) 325,50 EUR. Auf die mit der Bahn und zu Fuß zurückgelegten Teilstrecken von (48 + 2 =) 50 km. entfällt eine Entfernungspauschale von 3 255 EUR, die den Höchstbetrag von 4 500 EUR nicht übersteigt. Insgesamt ergibt sich – unter Berücksichtigung der Höchstbetragsregelung – für E eine Entfernungspauschale von (abgerundet) 3 580 EUR, die in dieser Höhe angesetzt wird.

 

Beispiel 6:

Der ArbN F wohnt in einem Vorort von Köln und hat sein Büro in Dortmund. Er fährt arbeitstäglich von seiner Wohnung aus mit dem PKW zum Bahnhof in Köln, wo er den PKW abstellt und auf die Bahn umsteigt. Mit der Bahn fährt F von Köln nach Dortmund Hbf und hat dann nur noch einen viertelstündigen Fußmarsch bis zum Büro. Nach Büroschluss gelangt er auf die gleiche Weise wieder zu seiner Wohnung zurück. Seine Entfernungspauschale berechnet sich so:

Die maßgebende Wegstrecke – einfache Entfernung der kürzesten Straßenverbindung – betrage insgesamt 95 km. Zurückgelegt werden mit dem PKW 18 km, 75 km mit der Bahn und 2 km zu Fuß. F hat an 217 Arbeitstagen seine erste Tätigkeitsstätte aufgesucht. Für die Benutzung des PKW werden (18 km × 0,30 EUR × 217 Tage =) 1 171,80 EUR ermittelt, die in voller Höhe berücksichtigt werden. Zusätzlich ergibt sich für die mit der Bahn und zu Fuß zurückgelegte Teilstrecke von 77 km ein Betrag von (77 km × 0,30 EUR × 217 Tage =) 5 012,70 EUR, für die der Höchstbetrag von 4 500 EUR gilt. Für die beiden Teilstrecken ergibt sich eine anzusetzende Entfernungspauschale von (1 171,80 EUR + 4 500 EUR =) 5 671,80 EUR, die auf 5 671 EUR abgerundet wird.

 

Beispiel 7:

Der ArbN G fährt an 220 Arbeitstagen im Jahr mit dem eigenen Kraftwagen 90 km bis an den Rand der Großstadt, in der seine erste Tätigkeitsstätte liegt. Von einem großen Parkplatz am Stadtrand, auf dem er den PKW abstellt (park & ride), fährt er mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu seinem Büro. Die maßgebende Entfernung (kürzeste Straßenverbindung) beträgt 100 km, davon entfallen 10 km auf die Teilstrecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Auszugehen ist von der maßgebenden Gesamtentfernung von 100 km. Für die mit dem PKW gefahrene Teilstrecke von 90 km ergibt sich eine (Teil-)Entfernungspauschale von (90 km...

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