Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 1. Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel
 

Rz. 80

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel wird grundsätzlich nur die Entfernungspauschale angesetzt, die durch den Höchstbetrag von 4 500 EUR begrenzt wird – auch bei Benutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel (FG Münster vom 02.04.2014, HaufeIndex 6930666). Höhere Aufwendungen werden aber abgezogen, soweit die tatsächlichen Aufwendungen den als Entfernungspauschale errechneten Betrag übersteigen (§ 9 Abs 2 Satz 2 EStG). Zum Inhalt des Begriffs > Öffentliche Verkehrsmittel; zur Benutzung eines Flugzeugs > Rz 70/1. Auch für Schwerbehinderte gelten Besonderheiten (> Rz 105 ff).

 

Rz. 81

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Die besondere Regelung in § 9 Abs 2 Satz 2 EStG kommt für längere Wegstrecken in Betracht, wenn anstelle der auf den Höchstbetrag des § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 HS 1 EStG begrenzten Entfernungspauschale höhere tatsächliche Aufwendungen entstehen. Sie wird aber auch dann praktisch, wenn öffentliche Verkehrsmittel für Kurzstrecken benutzt werden. Der ArbN muss seine tatsächlichen Aufwendungen allerdings nachweisen oder glaubhaft machen (> Glaubhaftmachung), zB durch Vorlage des Job-Tickets oder der Fahrscheine beim FA. Vgl dazu > Rz 68.

Maßstab dafür, inwieweit die tatsächlichen Aufwendungen für öffentliche Verkehrsmittel berücksichtigt werden dürfen, ist ein auf den Arbeitstag bezogener Vergleich dieser Aufwendungen mit dem für die gesamte Wegstrecke als individuelle Entfernungspauschale ermittelten Betrag (vgl § 9 Abs 2 Satz 2 EStG). Auf die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegte Teilstrecke kommt es nicht allein an (so bereits BT-Drs 14/4631). Verglichen werden also die für die Gesamtstrecke errechnete und ggf durch den Höchstbetrag begrenzte Entfernungspauschale und der tatsächliche Aufwand für öffentliche Verkehrsmittel.

 

Beispiel 1:

Der ArbN A wohnt in unmittelbarer Nähe von Bonn-Hbf und hat sein Büro in Essen. Er fährt arbeitstäglich von seiner Wohnung aus mit der Bahn von Bonn-Hbf nach Essen Hbf und hat dann noch einen viertelstündigen Fußmarsch zum Büro. Nach Büroschluss kehrt er auf die gleiche Weise zu seiner Wohnung zurück. Die maßgebende Wegstrecke – einfache Entfernung – betrage 100 km. Davon werden 98 km mit der Bahn und 2 km zu Fuß zurückgelegt. A hat an 217 Arbeitstagen seine erste Tätigkeitsstätte in Essen aufgesucht. Das Bahnticket soll monatlich 500 EUR kosten. Seine Werbungskosten berechnen sich so:

Für die 100 Entfernungs-km ergibt sich ein Betrag von (100 km × 0,30 EUR × 217 Tage =) 6 510 EUR. Unter Beachtung des Höchstbetrags beträgt die Entfernungspauschale 4 500 EUR.

Seine tatsächlichen Aufwendungen haben aber (12 Monate × 500 EUR =) 6 000 EUR betragen. Dieser Betrag übersteigt den Höchstbetrag von 4 500 EUR um 1 500 EUR. Insgesamt werden bei A mithin (4 500 EUR + 1 500 EUR =) 6 000 EUR als WK berücksichtigt.

 

Beispiel 2:

Der ArbN B wohnt in Hamburg am Bahnhof Dammtor. Sein Arbeitsplatz liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Sternschanze. Die kürzeste Straßenverbindung betrage 1,9 km – abgerundet 1 km. B fährt an 220 Tagen mit der U-Bahn zu seinem Arbeitsplatz. Seine WK berechnen sich so:

Die Entfernungspauschale beträgt (1 km × 0,30 EUR × 220 Tage =) 66 EUR. Die Aufwendungen für die Monatskarte sollen 45 EUR betragen. Das sind im VZ (12 Monate × 45 EUR =) 540 EUR. Die tatsächlichen Aufwendungen übersteigen also deutlich die für B errechnete Entfernungspauschale. Sie werden als WK abgezogen, soweit sie die Entfernungspauschale von 66 EUR übersteigen (vgl § 9 Abs 2 Satz 2 EStG). Insgesamt kann B also WK 540 EUR abziehen. Sollte die U-Bahnkarte auch für andere Fahrtstrecken nutzbar sein, bleibt das für die Höhe der WK unerheblich (> Rz 82).

 

Rz. 82

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Der WK-Abzug ist nicht auf die preiswerteste Beförderungsklasse beschränkt, ggf kann der ArbN die Fahrtkosten für die von ihm benutzte 1. Klasse ansetzen. Der abziehbare Betrag wird nicht deshalb gekürzt, weil der ArbN eine mögliche Tarifermäßigung nicht genutzt hat. So werden dem Abzug nicht die Kosten einer Zeitkarte (Monats- oder Jahresfahrkarte) zugrunde gelegt, wenn der ArbN nachweist oder glaubhaft macht, dass er Einzelfahrscheine gelöst hat. Umgekehrt kann ein ArbN, der regelmäßig längere Strecken – auch bei doppelter Haushaltsführung (> Rz 103) zurücklegt, die Aufwendungen für eine >  Jahresnetzkarte der Bahn abziehen, wenn dies wirtschaftlicher ist als der Erwerb von Einzelfahrkarten. Nebennutzungen sind unschädlich; deshalb kann der ArbN die für die Teilstrecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte erforderliche Fahrkarte ohne Kürzung der WK auch an Sonn- und Feiertagen oder für weitere private Fahrten benutzen; insoweit wird die eher theoretische Anwendbarkeit von § 12 Nr 1 Satz 2 EStG aus Vereinfachungsgründen ausgeschlossen.

 

Rz. 83

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Die Entfernungspauschale ist arbeitstagbezogen, denn sie ist für jeden Arbeitstag, an dem der ArbN seine erste Tätigkeitsstätte aufsucht, anzusetzen (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 EStG). Es werde...

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