Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 4. Fahrgemeinschaften (einschließlich Ehegattenfälle)
 

Rz. 90

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Jeder Teilnehmer an der Fahrgemeinschaft hat Anspruch auf die Entfernungspauschale. Dies gilt unabhängig von der Art der Fahrgemeinschaft und auch für Fahrgemeinschaften von Ehegatten/Lebenspartner (> Rz 94). Die Entfernungspauschale ist mithin unabhängig davon, ob die Teilnehmer abwechselnd den eigenen PKW einsetzen, ob der PKW den Teilnehmern gemeinsam gehört oder ob nur einer mit seinem PKW ständig die anderen Teilnehmer mitnimmt. Das ist das eigentlich Besondere an der nicht mehr vom Aufwand abhängigen Entfernungspauschale, dass sie eine rechtmäßige Steuerermäßigung auch solchen ArbN gewährt, die vordem zwar dem FA gegenüber die Benutzung des eigenen Kfz erklärt, tatsächlich aber wegen der Beteiligung an einer Fahrgemeinschaft mutmaßlich keinen oder geringeren Aufwand gehabt haben; sie werden entkriminalisiert.

 

Rz. 91

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Maßgebend für die Entfernungsbestimmung ist für jeden Teilnehmer der Fahrgemeinschaft die Entfernung zwischen seiner Wohnung und seiner ersten Tätigkeitsstätte.

 

Beispiel 1:

Bei einer aus drei ArbN bestehenden wechselseitigen Fahrgemeinschaft beträgt die Entfernung für den ArbN A 80 km, für ArbN B 90 km und für ArbN C 95 km. Wegen der Abholfahrten legt A tatsächlich 100 km zurück, B 95 km und C ebenfalls 100 km.

Für jeden ArbN wird nur von der jeweiligen Entfernung zwischen seiner Wohnung und seiner ersten Tätigkeitsstätte ausgegangen (A 80 km, B 90 km, C 95 km).

Das gilt auch für Ehegatten und Lebenspartner; es ist nicht zulässig, dass einer von ihnen die gesamte Fahrtstrecke für beide bei seiner Einkunftsermittlung ansetzt (> Rz 94).

Setzt bei einer Fahrgemeinschaft nur einer der Teilnehmer seinen Kraftwagen ein (einseitige Fahrgemeinschaft), muss er für die Berechnung der Entfernung die maßgebende Straßenverbindung zwischen seiner Wohnung und seiner ersten Tätigkeitsstätte zugrunde legen; eine zum Abholen der Mitfahrer erforderliche Umwegstrecke darf er nicht einbeziehen (BMF vom 31.10.2013 Tz 1.5, BStBl 2013 I, 1376). Eine Umwegstrecke wird auch für die Mitfahrer nicht berücksichtigt.

 

Beispiel 2:

Bei einer aus drei ArbN bestehenden einseitigen Fahrgemeinschaft wird nur der Kraftwagen des A benutzt; B und C werden von ihm mitgenommen, verfügen aber über kein eigenes Kfz. Die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beträgt für den ArbN A 80 km, für ArbN B 90 km und für ArbN C 95 km. Wegen der Abholfahrten legen A tatsächlich 100 km und B 95 km zurück. Angesetzt werden aber nur 80 km für A, 90 km für B und 95 km für C.

 

Rz. 92

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Bei einer Fahrgemeinschaft greift der Höchstbetrag von 4 500 EUR (> Rz 66) für die Arbeitstage, an denen Teilnehmer keinen eigenen oder zur Nutzung überlassenen Kraftwagen einsetzen, also nur mitgenommen werden. Bei einer wechselseitigen Fahrgemeinschaft wird der Höchstbetrag zunächst bei dem Teilbetrag der Entfernungspauschale ausgeschöpft, die auf Arbeitstage entfällt, an denen der ArbN mitgenommen worden ist. Deshalb ist zunächst die (auf 4 500 EUR begrenzte) Entfernungspauschale für diese Arbeitstage zu berechnen. Anschließend ist die anzusetzende (unbegrenzte) Entfernungspauschale für die Arbeitstage zu ermitteln, an denen der ArbN seinen eigenen Kraftwagen benutzt hat. Beide Teilbeträge zusammen ergeben die insgesamt anzusetzende Entfernungspauschale. Bei einer einseitigen Fahrgemeinschaft gilt der Höchstbetrag nur für die mitgenommenen ArbN.

 

Beispiel 3:

Bei einer aus drei ArbN bestehenden wechselseitigen Fahrgemeinschaft beträgt die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte für jeden ArbN 100 km. Bei tatsächlichen 210 Arbeitstagen benutzt jeder ArbN seinen eigenen Kraftwagen an 70 Tagen.

Die Entfernungspauschale ist für jeden Teilnehmer der Fahrgemeinschaft wie folgt zu ermitteln: Zunächst ist die Entfernungspauschale für die Fahrten und Tage zu ermitteln, an denen der ArbN mitgenommen wurde. Das sind (100 km × 0,30 EUR × 140 Tage =) 4 200 EUR. Anschließend wird die Entfernungspauschale für die Fahrten und Tage ermittelt, an denen der ArbN seinen eigenen PKW benutzt hat; das sind 100 km × 0,30 EUR × 70 Tage = 2 100 EUR. Die Teilbeträge von 4 200 EUR und 2 100 EUR, also 6 300 EUR, übersteigen den Höchstbetrag von 4 500 EUR. Den Teilbetrag für die Benutzung des eigenen PKW kann jeder ArbN auch über den Höchstbetrag hinaus abziehen (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 HS 2 EStG). Deshalb wird jeweils eine Entfernungspauschale von 6 300 EUR abgezogen.

 

Beispiel 4:

Abwandlung des Beispiels 3: Einer der Teilnehmer (X) konnte sich nur an 180 von insgesamt 210 Arbeitstagen an der Fahrgemeinschaft beteiligen, zB weil er andere Urlaubs- und Fortbildungszeiten hatte als seine Kollegen. An 30 Arbeitstagen ist er mithin die Wegstrecke von 100 km allein zur Arbeit gefahren und an weiteren 60 Arbeitstagen hat er seine Kollegen im eigenen PKW mitgenommen. An 120 Arbeitstagen ist er seinerseits von den Kollegen mitgenommen worden.

Zunächst ist für X die Entfernungspauschale ...

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