Tech-Konzerne sollen Werkswohnungen bauen
Unternehmen wie Siemens haben es vor Jahrzehnten vorgemacht: Werkswohnungen boten Mitarbeitern und ihren Familien bezahlbare Unterkunft. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) wünscht sich, dass sich auch internationale Tech-Konzerne im Wohnungsbau hierzulande engagieren, explizit in der bayrischen Hauptstadt.
"Internationalität ist eine Bereicherung für die Stadt. Und natürlich findet die stärkste wirtschaftliche Entwicklung momentan im IT-Bereich statt", sagte der Politiker am 18. Juni der "Augsburger Allgemeinen" . Sich in der Region ansiedelnde Unternehmen hätten eine Verantwortung, die viele etwa in der Stadtgestaltung auch annehmen würden. "Aber ich sehe sie auch in der Pflicht beim Werkswohnungsbau", so Krause.
Zustimmung aus dem Bauministerium
In München fehlen aktuell mehrere Tausend Wohnungen, Wohnraum ist zum Teil extrem teuer. Kritiker sehen den Zuzug von immer mehr Top-Verdienern als Belastung für den ohnehin angespannten Immobilienmarkt. Zuletzt hatte etwa Google angekündigt, seine Präsenz in München auszubauen.
Christian Bernreiter (CSU), Bauminister in Bayern, befürwortet Krauses Forderung. Die Schaffung von Wohnraum sei ein Zusammenspiel von privaten, staatlichen und kommunalen Maßnahmen, sagte er der Zeitung. "Wenn Unternehmen ebenfalls Wohnraum schaffen, um im Wettbewerb um die besten Fachkräfte ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern, ist das nur zu begrüßen."
Die Tech-Giganten Google, Amazon & Co. sind in Deutschland mit großen Niederlassungen vertreten. Absichten der Unternehmen, in den Wohnungsbau zu investieren, sind hierzulande bisher allerdings nicht bekannt. In den USA sieht das anders aus.
Wohn-Engagement von Amazon, Google, Facebook, Microsoft
Der von Jeff Bezos gegründete Weltkonzern Amazon gab Anfang 2021 bekannt, einen Fonds mit einem Volumen von zwei Milliarden US-Dollar auflegen zu wollen, um den Bau und den Erhalt von 20.000 leistbaren Wohnungen sicherzustellen.
Investiert wurde im Umfeld der größten Standorte von Amazon, unter anderem in der Stadt Arlington (Virginia). Das Projekt "Crystal House" wurde zu einer der ersten und größten Investitionen des Amazon Housing Fund. Concierge-Dienst, Dachterrasse und Schwimmbecken – auch Haushalte mit mittlerem und niedrigem Einkommen erhalten die Chance, dort eine Wohnung zu bekommen.
Amazon ist nicht der einzige Internetkonzern, der sich in den USA im Bereich des bezahlbaren Wohnens engagiert. Auch Google, Facebook und Microsoft hatten damals angekündigt, Kapital zur Verfügung stellen zu wollen, um günstigen Wohnraum zu schaffen.
Die Tech-Konzerne werden dabei nicht selbst als Bauherren tätig. Sie stellen vielmehr Projektentwicklern, Wohnungsunternehmen und Organisationen finanzielle Mittel in Form von günstigen Darlehen und Zuschüssen zur Verfügung.
Beim "Crystal House" soll Amazon der Non-Profit-Organisation Washington Housing Conservancy (WHC) ein Darlehen in Höhe von 340 Millionen Dollar und einen Zuschuss von 42 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt haben, damit sie das Objekt kaufen konnte.
In den USA haben Tech-Konzerne auch breitere Zielgruppen im Blick
Auch Neubauten wurden in den USA mit Unterstützung der Tech-Konzerne realisiert. So sicherte Facebook im Bestandsobjekt "Light Tree Apartments" im kalifornischen East Palo Alto 94 vergleichsweise günstige Wohnungen und ermöglichte den Projektpartnern Eden Housing und EPA Can Do den Bau von zusätzlichen 91 Einheiten; unter anderem für Obdachlose und Haushalte mit einem behinderten Familienmitglied.
Insgesamt stellte Facebook eine Milliarde US-Dollar für bezahlbare Wohnungen im Umfeld des Hauptsitzes im kalifornischen Menlo Park bereit. Teil davon war ein Programm, das Lehrern günstigen Wohnraum bieten sollte. Das zeigt, dass die Unternehmen breitere Zielgruppen im Blick haben.
Und ein mit einer Milliarde US-Dollar von Google ausgestattetes Programm, das sich auf die Gegend um San Francisco konzentrierte, stellte Entwicklern zu günstigen Konditionen Grundstücke für den Bau von bezahlbaren Mietwohnungen zur Verfügung. Außerdem unterstützte ein von Google mit 250 Millionen US-Dollar ausgestatteter Fonds den Bau von 5.000 Wohnungen auch für kleine und mittlere Einkommen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Mitarbeiterwohnungen: Standortvorteil und Steuerersparnis
Mitarbeiterwohnungen: Gold wert für die Wohnungswirtschaft
-
Sonder-AfA für Neubau von Mietwohnungen: Tipps & Fallstricke
1.0686
-
Kürzungen beim Wohngeld ab Januar 2027
7131
-
Gebäude-AfA: Nachweis für Nutzungsdauer wieder einfacher
6472
-
Degressive AfA für den Wohnungsbau: fünf Prozent, sechs Jahre
416
-
Energetische Sanierung: Kosten von der Steuer absetzen
401
-
CO2-Kostenaufteilungsgesetz: Höhere Last für Vermieter
3717
-
Förderung für Umnutzung ab Juli: die Konditionen
323
-
Hydraulischer Abgleich und Heizungsprüfung 2026
3191
-
Hitzewelle und Mietminderung: relevante Urteile
296
-
Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft getreten
272
-
EU AI Act: Neue Transparenzpflicht ab August 2026
31.07.2026
-
Der kürzeste Weg durch den Bürokratiedschungel
31.07.2026
-
Jung kauft Alt: KfW erhöht Kredit im August
30.07.2026
-
Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft getreten
30.07.2026
-
Solar-Förderung: 3 Jahre Vergütung statt 20 Jahre Sicherheit
30.07.2026
-
Grüne wollen Eigenbedarfskündigung einschränken
29.07.20262
-
68 Prozent des Bestands unter Hitzestress – Klimarisiko wächst
29.07.2026
-
Leere Kaufhäuser: Wer rettet die Innenstadt?
28.07.2026
-
Stadtflucht der Familien – und Zuzug der Jungen
24.07.2026
-
EZB hält still – kommt der nächste Schlag im September?
23.07.2026