Expo Real 2021: Zwischen Hoffen und Bangen

Die Expo Real gibt es 2021 wieder live und in Farbe: Was Sie erwartet und wieso die Vorfreude auf einen direkten Vier-Augen-Austausch vor Ort trotzdem teilweise noch etwas verhalten ist.

Keine Frage, nach vielen Jahren der Expansion und prosperierenden Jahren der Immobilienbranche, die von Boom zu Boom jagt, haben die Messe­macher seit Corona zu kämpfen. Großveranstaltungen dieser Art in geschlossenen Räumen sind derzeit ziemlich schwierig, Massenentlassungen und Kurzarbeit bis zum heutigen Tag sind leider Teil der Messestory. Nach Angaben des Branchenverbands AUMA verloren die deutschen Messeveranstalter im Corona-Jahr 2020 fast drei Viertel ihrer sonst üblichen Umsätze, 70 Prozent der Messen wurden abgesagt. Die Expo Real war zuletzt 2019 real am Start – und will nun neu durchstarten.

In München gibt es klarere Zahlen zu den Verlusten vom Vorjahr, wo ein Drittel weniger eingenommen wurde. Das Minus hat sich zudem in 2021 weiter erhöht. Für das laufende Jahr werden Umsatzeinbrüche von etwa 200 Millionen Euro genannt, Messe-München-Chef Klaus Dittrich spricht von bis zu fünf Jahren bis zum Erreichen des erfolgsverwöhnten Niveaus der Vor-Corona-Zeiten. Von ehemals 790 Mitarbeitenden sollen schon ein Viertel nicht mehr für die Messe München Gruppe tätig sein. Von den vormals sechs Geschäftsführern werden drei nicht mehr gebraucht.

Nach Corona-Absagen: Herbst der Hoffnung?

Hauptgeschäftsführer Dittrich, der auch die Leitmesse Expo Real verantwortet, hofft auf diesen Herbst, nachdem auch das erste Halbjahr 2021 mit Absagen vieler Präsenzmessen gepflastert war. Die erste „Test-Messe“ zum aktuellen Hygienekonzept in den Münchener Messehallen war schon im Juli die TrendSet – und das laut Messe München sehr erfolgreich mit einem Besucherplus von immerhin 30 Prozent.

"Sensationelle 41 Standpartner" (Stand August 2021/2019: 56), und es kommen wohl noch einige Start-ups hinzu, vermeldet Andreas Köpke von Hamburg Invest für den Hamburg-Messestand auf der Expo Real 2021. Zu den PropTechs zählen diesmal moovin Immobilien GmbH, Reos GmbH und Uniberry GmbH.

Veronika Reichboth, Leiterin der Start-up Unit Hamburg, will die Teilnahme der Start-up-Newcomer auf dem Hamburger Messestand pushen: „Der Expo Real Hybrid Summit bietet der Immobilienwirtschaft (und gerade Neueinsteigern) eine Plattform, um auch in Zeiten der Corona-Pandemie Kontakte zu pflegen, Informationen auszutauschen, Geschäfte wieder anzukurbeln und aktuelle Fragen zu diskutieren.“

"Wir wollen Präsenz auf der Expo Real demonstrieren, wollen an unserem angestammten Stand in kleinerer Formation mit zirka 20 statt 40 Experten und ohne Catering die Gunst der Stunde nutzen", so Commerz-Real-Sprecher Gerd Johannsen. Inwieweit Gespräche außerhalb des Messegeländes wie im Bayerischen Hof stattfinden, müsste dann vor Ort entschieden werden. 

Die Messe in München "wird älter werden", spricht Thomas Beyerle als gif-Präsident und meint damit die Absage von sieben der insgesamt 14 Hochschulen mit immobilienwissenschaftlichem Bezug. Viele "Young Talents" sind zudem wohl (noch) nicht vollständig geimpft. Das Seminargeschäft der IREBS wird bestenfalls als Webcast funktionieren, Sparzwang steht zudem gegen Messepräsenz.

Expo Real 2021 mit gewohnter Themenvielfalt

Themen, für die es sich allemal lohnt, in den direkten Mehr-Augen-Dialog zu gehen, gibt es trotz allem reichlich, ESG und die Klimadebatte sind sicher nur einige davon. "Wir betrachten die beiden Leitmessen Expo Real und Mipim als wichtige Trendbarometer in hochvolatilen Zeiten. Insofern wäre ein längerer zeitlicher Abstand zwischen beiden Events von Vorteil gewesen, aber das sollte sich in der Zeit nach Corona wieder einspielen", meint Rolf Mensing, Head of Germany bei CLS Holdings, im Hinblick auf den Mipim-Termin Anfang September dieses Jahres. Was möchte er in München diskutieren? Wie sich beispielsweise der Trend zum Homeoffice auf die Nachfrage nach Büroflächen und damit auf das Pricing bei Büroinvestments auswirke, sei eine der Fragen, die die Branche umtreibe.

Hinzu kommt laut Mensing eine wachsende Unsicherheit bei der Immobilienfinanzierung aufgrund der anziehenden Inflation, besonders für mittel- bis langfristige Finanzierungen. Auch die Auswirkungen des Online-Shoppings auf die Retail-Nachfrage und damit die Zukunft der Innenstädte würden wohl auf beiden Events für Diskussionsstoff sorgen. Nicht zuletzt rückten das "S" bei ESG und damit Aspekte wie etwa das "Wellbeing" der Immobiliennutzer weiter nach vorne.  

Deutschland wird seinen "Safe Haven"-Status behalten und weiterhin attraktive Investmentopportunitäten bieten, erwartet Christian Daumann, Head of Investments Germany bei Ivanhoé Cambridge. Der Jurist sieht in den Messepräsenzen in Cannes und München ein Signal, "dass die Immobilienwirtschaft auf dem Weg zurück in die (neue) Normalität ist". Daumann sieht als Trendthema mit Entwicklungspotenzial "Service Real Estate", also eine auf Dienstleistungen fokussierte Immobilienbranche. "Weitere wichtige Themen werden die Preisentwicklung der Logistikimmobilien und die Frage sein, welche alternativen Segmente, etwa Life Science oder Datacenter, nachhaltig attraktiv für Investoren sind." Über allem stehe aber die Frage nach der Nachhaltigkeit der Branche und der Klima-Resilienz von Immobilien, dazu erhofft sich Daumann Denkanstöße.


Direkt-Links für Ihre Messe-Vorbereitung:

Zutrittsvoraussetzungen für EXPO REAL 2021

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Das Konferenzprogramm


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