Expo Real 2020: So funktioniert der Hybrid Summit

600 Referenten, 46.000 Teilnehmer und 2.200 Aussteller: Das war die Expo Real 2019. Und 2020? Die Expo Real Hybrid wird ein Experiment. Für die Veranstalter ein spannender Testballon – und für die Branche eine große Chance auch für die Zukunft.

Die Expo Real Hybrid ist in diesem Jahr die einzige große internationale Immobilienmesse auf Toplevel in Deutschland. Allerdings eben nicht mit dem „normalen“ Messeformat, mit dem Messechef Klaus Dittrich nicht bei den Ausstellern durchdringen konnte. Die Pandemie schreibt auch hier neue Gesetze – statt großer Gemeinschaftsstände gibt es so genannte „Smart Spaces“ bis maximal 27 Quadratmetern. Aufgrund der aktuellen Auflagen und zur Gewährleistung des Abstandes ist die Messe außerdem auf 3.700 Teilnehmer beschränkt. Das Netzwerken „im intimen Rahmen“ findet an zwei statt drei Tagen statt. Wer will, kann sich per Digitalticket zuschalten.

Mit diesem Versuchsbaukasten eines Mixes aus digitaler Anwesenheit und physischen Präsenzveranstaltungen in kleinem Format nähern sich die Veranstalter zahlenmäßig den Anfängen. Die erste Expo Real wurde 1998 aus der Taufe gehoben – mit rund 150 Ausstellern und etwa 2.500 Fachbesuchern.

Nur 3.700 Teilnehmer dürfen zur Messe, statt Gemeinschaftsständen gibt es „Smart Spaces“

Im ICM, dem Internationalen Congress Centrum der Messe München, stehen insgesamt 7.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung, darunter 3.500 Quadratmeter Hallenfläche in der benachbarten Halle B0. Genug Raum, um Abstandsregeln zu gewährleisten, sagen die Macher. Nationale und internationale Aussteller bleiben indes skeptisch, ob das funktionieren kann. Es ist schwer vorstellbar, dass die Expo Real möglich ist, aber die fast zeitgleich terminierte Wies‘n untersagt wird, lässt sich Timo Tschammler, ehemaliger CEO JLL Deutschland, zitieren. „Wir müssen ein Zeichen setzen, dass es in der Branche weitergeht“, pusht sich der Rest der Immobilienwirtschaft.

„Die Messe kann mitten in der Krise zeigen, wie Digitalisierung bei Messen und Kongressen geht.“ Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München

Da die Stadt München keinen völligen Messeverzicht ausgerufen hat, ist auch rechtlich die Sache klar – und jeder Euro an zusätzlichen Einnahmen willkommen. Die Corona-Pause kostet die Messe München dieses Jahr bundesweit insgesamt bis zu 230 Millionen Euro Umsatz, ist zu vernehmen.

Die Messe absagen  oder teilnehmen?  Da gehen die Meinungen in der Branche auseinander

Die Zahl der frühzeitigen Absagen zahlreicher großer Aussteller für die Expo Real spricht für sich. Einige argumentieren mit dem unverhältnismäßigen Aufwand, andere mit dem Infektionsrisiko. Lutz Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter von Aengevelt Immobilien, hält von diesen Absagen nicht viel. Ein Branchentreff im Oktober sei jetzt besonders wichtig. Die Corona-Krise habe die Bearbeitungszeit von Transaktionen verkürzt, so Aengevelt, was das Jahresendgeschäft noch wichtiger mache. Ein Treffen auf Entscheiderebene im „kleinen Format“ sei daher die richtige Antwort. Der Gemeinschaftsstand der Hansestadt Hamburg soll im Foyer des ICM prominent platziert werden. Getreu der Devise „Außergewöhnliche Zeiten erfordern innovative Formate“ hat Hamburg eine Ausschreibung unter PropTechs gestartet, unter denen drei quasi als Belohnung am Messegeschehen teilnehmen können, so Andreas Köpke von Hamburg Invest.

Manch einer will mit seiner Teilnahme auch ein Signal setzen

Bianca Hanssen, Projektleiterin Messen und Veranstaltungen bei den Bremer Wirtschaftsförderern, bestätigt die Teilnahme der Weserstadt. Man wolle erneut Flagge zeigen auf der Expo Real, wenn auch wie alle anderen Teilnehmer nur per „Smart Space“ und damit deutlich weniger physischer Präsenz. Auf rund 18 Quadratmeter Fläche will das kleine Bundesland ganz bewusst in der schwierigen Corona-Zeit (Speck-)Flagge mit „kleiner Mannschaft“ zeigen, so Hanssen. Der 2018 erstmals präsentierte neue Messestand mit rot-weiß gestreiftem eckigem Leuchtturm soll aber so schnell wie möglich wieder zum Einsatz kommen. „Wir wollen offen sein für Veränderung und Neues wagen“: Aus diesem Grund hat sich auch die Stadt Düsseldorf entschieden, in München dabei zu sein. Da die Anzahl der Besuchertickets stark reduziert ist, bietet Düsseldorf Partnerpakete auf dem Smart-Space-Stand in Größe M, Präsenz in einem für die Messe produzierten Loop und Einbindung in sämtliche Kommunikationsaktivitäten der Stadt plus Digitalausweis zur Nutzung der Online-Formate.

Bei Catella erkennt man die hybride Messe als „großen Feldversuch“ an. Allein, das physische Treffen könne durch nichts ersetzt werden, sagt Thomas Beyerle. Man habe diesmal 150 Betten frei gemacht für andere Messegäste, so Beyerle zur Absage der Catella Group. Ein Treffen in geschlossenen Räumen in dieser Größe sei einfach schwierig, man selbst werde vom Hotel in München aus die Messe verfolgen und Gespräche in Kleinrunden abseits des Hauptgeschehens suchen.

Wie ist es der Branche in Corona-Zeiten ergangen? Die Expo Real Hybrid wird Marktplatz für Erfahrungen

Beim IVD Bundesverband in Berlin ist man indes neugierig auf die Messe im neuen Gewand.

„Wir wollen einerseits lernen, was möglich ist, andererseits Präsenz zeigen und in dieser Corona-Zeit unterstützen.“ Carolin Hegenbarth, IVD-Geschäftsführerin.

Makler und IVD- Präsident Jürgen Michael Schick wird zudem im Rahmen der Veranstaltung ein Panel leiten. Jan Dietrich Hempel, Geschäftsführer Garbe Industrial Real Estate GmbH, ist ebenfalls offen für funktionierende Begegnungen. Man freue sich, mit Kunden, Partnern und Kollegen ins Gespräch zu kommen, wenn auch coronabedingt anders als sonst. „Es wird interessant sein zu erfahren, wie es den anderen Branchenteilnehmern in den vergangenen Monaten ergangen ist“, so Hempel. In diesem Sinne werde die Expo Real auch in ihrer hybriden Form ein wichtiges Stimmungsbarometer sein.

Die neuen Erfahrungen sollen unmittelbar in die Expo Real 2021 einfließen, auch darin ist sich das Messeteam mit den Branchenvertretern einig. Schließlich werde der Digitalisierungsschub durch die Corona-Krise auch danach fortbestehen, ist nicht nur das Team um Messechef Klaus Dittrich sicher.

Direkt-Links für Ihre Messe-Vorbereitung:

Der Hallenplan

Das Konferenzprogramm

Die Expo Real App

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