Ausgerechnet München! Das dürfte sich so mancher Messebesucher angesichts der hohen Übernachtungskosten während der Expo Real denken. Eine der teuersten Städte Deutschlands als Treffpunkt einer Branche, die derzeit vor allem über Kosten, knappe Budgets und Wirtschaftlichkeit diskutiert – und dennoch könnte der Schauplatz kaum passender sein.
Warum? Die Stadt, die jedes Jahr rund sechs Millionen Touristen auf das Oktoberfest lockt und gleich danach die Expo Real beherbergt, ist schön, erfolgreich und gemütlich obendrein. Das schätzen Menschen, Unternehmen und Kapital aus dem In- und Ausland. Offenbar hat sie einiges richtig gemacht, denn sie wächst weiter.
Nur: Sie ist auch die Stadt mit den höchsten Mieten, den höchsten Preisen und zudem ein bisschen selbstgefällig. Sie kämpft mit Wohnungsmangel, knappen Flächen, hohen Baukosten, sanierungsbedürftigen Gebäuden und einer in die Jahre gekommenen Infrastruktur – bei gleichzeitig knappen öffentlichen Mitteln.
Kurzum: München ist fast eine Blaupause für die Immobilienbranche und ihre großen Herausforderungen.
Expo Real 2026: Von der Erkenntnis zur Umsetzung
Die große Frage auf der Messe wird daher sein: Wie lässt sich wieder Wachstum generieren, wenn die alten Rezepte nicht mehr funktionieren? Ein Erkenntnisproblem hat die Immobilienwirtschaft dabei nicht wirklich, eher ein Umsetzungsproblem. Deshalb dürfte die meisten Teilnehmenden weniger der nächste Hype interessieren, als welche Lösungen unter realen Marktbedingungen tatsächlich funktionieren.
Genau hierin liegt der USP der Expo Real: Auf der Messe treffen Konzepte auf diejenigen, die sie finanzieren, entwickeln, betreiben oder nutzen werden – und damit auf einen multiplen Praxistest.
Infrastruktur als neue Assetklasse: Investoren gesucht
Der Bedarf an Investitionen in die Infrastruktur wächst rasant. Die öffentliche Hand kann die Ausgaben vielerorts nicht mehr allein stemmen. Private Investoren werden händeringend gesucht.
Für Gerhard Meitinger, Head of Real Estate Finance Germany bei der Deutschen Pfandbriefbank (pbb) und Mitglied im Beirat der Expo Real, ist diese Erweiterung daher keineswegs nur Messelogik. "Wie Immobilien ist auch diese Assetklasse Cashflow-getrieben und spricht eine ganz ähnliche Investorengruppe und ähnliche Projektentwickler an, eben auch Real Assets", so Meitinger. Als mögliche Investmentfelder nennt er unter anderem Wind- und Solarparks, private Glasfasernetze, private Autobahnen und Brücken sowie Schulen.
Drei Fragen an die Messechefin Claudia BoymannsÜber die Schwerpunkte der Expo Real 2026, den wachsenden Stellenwert von Infrastrukturinvestments und neue Formate für Investoren, Projektentwickler und Kommunen.
Frau Boymanns, welche Themen werden die Expo Real 2026 prägen? Die Messe findet in einem Umfeld mit vielen exogenen Einflussfaktoren statt: den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten, hohen Energiepreisen und steigenden Zinsen. Deshalb haben wir Wolfgang Ischinger eingeladen, der die geopolitischen Herausforderungen und ihre Auswirkungen auf Investitionen, Infrastruktur und Logistik einordnen wird. Daneben stehen bezahlbarer Wohnraum und vor allem Infrastruktur weit oben auf der Agenda. Warum rückt die Expo Real gerade jetzt Infrastruktur so stark in den Fokus? Immobilien und Infrastruktur wachsen aus Investorensicht zunehmend zusammen und bedingen einander. Gleichzeitig steigt der Investitionsbedarf in Netze, Rechenzentren, Energiesysteme und soziale Infrastruktur. Mit "InfrastructureNow" bringen wir Investoren, Finanzierer, Projektentwickler, Betreiber und Kommunen zusammen, um über konkrete Projekte, Finanzierungsmodelle und Kooperationen zu sprechen. Investierbare Infrastruktur positionieren wir damit erstmals als eigenständige Assetklasse auf der Expo Real. Was bietet die Expo Real dieses Jahr den Besucherinnen und Besuchern konkret? Wir erwarten erneut rund 40.000 Teilnehmende und eine Ausstellerzahl auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Die Expo Real belegt sieben Hallen. Zu den zentralen Formaten gehören "InfrastructureNow" und "Transform & Beyond" in Halle A3 sowie die Grand Plaza und "Flexible Housing – Opportunities next door" in Halle B3. Damit wollen wir Besuchern auch eine klare inhaltliche Orientierung auf dem Gelände geben. |
Veranstaltungstipp Montag, 5.10.2026 10:00 – 10:50 Uhr | Halle A3, Stand 420, InfrastructureNow Von Real Estate zu Infrastructure – Warum Infrastrukturinvestments an Bedeutung gewinnen |
Der Beitrag ist Teil der Ausgabe 04/2026 der "Immobilienwirtschaft". Lesen Sie das gesamte Heft auch in der Immobilienwirtschaft-App .