Expo Real 2026

ESG ist kein Trend mehr – es ist Investitionsrechnen

Infrastruktur wird zur eigenständigen Assetklasse, ESG zur Wirtschaftlichkeitsfrage. Was das für Investoren, Finanzierer und Projektentwickler konkret bedeutet – und warum die Due Diligence nie wieder dieselbe sein wird.

Expo Real - Feel Save Live Green

Lage allein reicht als Kriterium für den Immobilienwert nicht mehr aus. Entscheidend ist zunehmend auch, wie gut ein Standort angebunden und versorgt ist. "Der Wert und die Nutzbarkeit einer Immobilie hängen unmittelbar davon ab, wie gut ein Standort angebunden und versorgt ist. Das betrifft Verkehr und Mobilität genauso wie Energie, Internetzugang, Bildung oder Gesundheitsversorgung", betont Theo Mseka, Geschäftsführer von Immowelt. 

Besonders interessant sei, so Mseka weiter, die Verbindung mit Energie- und digitaler Infrastruktur wie beispielsweise Rechenzentren, Stromnetzen, Speichern, Ladeinfrastruktur oder Glasfaser, die sich zunehmend selbst zu Investmentthemen entwickelten. 

Standortqualität entscheidet über den Immobilienwert

Aus Sicht der Quartiersentwicklung kommt eine weitere Ebene hinzu. Jens Duffner, Sprecher der Nassauischen Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH, verweist darauf, dass Wohnungsbau nur gemeinsam mit Energie- und Wärmeversorgung, Mobilität, digitalen Netzen und sozialer Infrastruktur gedacht werden könne. Zukunftsfähige Quartiere entstünden nur, wenn Immobilien- und Infrastrukturentwicklung eng verzahnt seien. 

Für Investoren verändert sich damit auch die Due Diligence. Neben Lage, Mietvertrag, Bonität und Exit-Rendite könnten Netzanschluss, Energieversorgung, digitale Konnektivität, Mobilität und soziale Infrastruktur stärker über die Zukunftsfähigkeit eines Investments entscheiden.

ESG 2026: Wirtschaftlichkeit schlägt Bekenntnisse

Auch wenn es um ESG angesichts der multiplen Krisen etwas ruhiger wurde, ist Nachhaltigkeit keineswegs von der Agenda verschwunden. Im Gegenteil: Die Diskussionen sind mittlerweile viel konkreter geworden. 

Entscheidend ist inzwischen, welche Maßnahmen Energieverbrauch und Betriebskosten tatsächlich reduzieren, welche Investitionen für Finanzierung und Vermietbarkeit erforderlich sind und wie viel Capex sich wirtschaftlich darstellen lässt. 

Die Pfandbriefbank AG habe bei ESG früh sowohl auf der Finanzierungs- als auch auf der Refinanzierungsseite angesetzt, sagt Meitinger und verweist unter anderem auf Green Bonds. Zugleich dürfe Nachhaltigkeit nicht nur auf das "E" reduziert werden.

 "Gerade wer knappe Mittel investiert, achtet stärker darauf, dass Immobilien auch langfristig werthaltig und finanzierbar bleiben", betont Dr. Maximilian Riede, Head ESG bei Swiss Life Asset Managers in Deutschland. ESG-Maßnahmen müssten sich deshalb zunehmend auch wirtschaftlich rechtfertigen – etwa durch geringere Risiken, bessere Vermietbarkeit und einen besseren Zugang zu Finanzierungen.

Nachhaltige Quartiersentwicklung: Mehr als Energieeffizienz

In der Quartiersentwicklung wird die Debatte noch konkreter. Nachhaltige Stadtentwicklung umfasst nicht mehr allein den Energieverbrauch eines Gebäudes, sondern muss auch die Bereiche Wohnen, Mixed Use, Mobilität, Freiräume, soziale Infrastruktur und Klimaanpassung einschließen. 

Die entscheidende Frage für Eigentümer lautet deshalb: Welche Investitionen muss ich heute tätigen, damit meine Immobilie in zehn Jahren noch finanzierbar, vermietbar und verkäuflich ist? Gerade beim älteren Bestand kann die Antwort unangenehm und kostenintensiv ausfallen. 

Auch zu bedenken ist, dass sich nicht jede technisch sinnvolle Maßnahme über höhere Mieten oder niedrigere Betriebskosten rechnet. Gleichzeitig kann aber Nichtstun den Wert eines Assets ebenso gefährden.

Veranstaltungstipp

Montag, 5.10.2026

11:00 – 11:50 Uhr, Halle B1, Stand 440, Discussion and Networking Forum: Immobilienfinanzierung in Krisenzeiten – Kommt die zweite große Refinanzierungslücke?

Der Beitrag ist Teil der Ausgabe 04/2026 der "Immobilienwirtschaft". Lesen Sie das gesamte Heft auch in der  Immobilienwirtschaft-App .

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