Die Immobilienbranche ist sich einig: Die Finanzierungslandschaft wird vielfältiger. Banken bleiben zwar immer noch zentrale Kapitalgeber, prüfen Projekte und Assetklassen jedoch deutlich selektiver. Dass Selektivität nicht zwangsläufig Rückzug bedeuten muss, zeigt die BayernLB. "Besonderen Fokus werden wir dieses Jahr unter anderem auf die Assetklasse Hotel legen", sagt Bernd Mayer, Bereichsleiter Immobilien der BayernLB.
CRE-Finanzierung 2026: Selektiver, aber nicht zurückgezogen
Aus Sicht der Aareal Bank spielen neben klassischen Senior-Debt-Strukturen zunehmend auch hybride Kapitalstrukturen, beispielsweise unter Einbindung von Mezzanine-Kapital, eine Rolle. Auch sieht man eine hohe Wettbewerbsdichte im CRE-Finanzierungsmarkt, insbesondere in den Segmenten Wohnen, Logistik, Datenzentren und Hotels. Digitale Modelle wie die Tokenisierung sind bislang noch kein Massenphänomen, werden aber diskutiert. Mancher beobachtet insbesondere im institutionellen Bereich eine wachsende Bedeutung von Club Deals und Co-Investments. Klassische Bankfinanzierungen spielten jedoch weiterhin die Hauptrolle.
Mehr Kapitalquellen bedeuten nicht mehr Finanzierbarkeit
Mehr Kapitalquellen bedeuten nicht automatisch, dass jedes Projekt wieder finanzierbar wird. Theo Mseka, Geschäftsführer von Immowelt, beobachtet, dass Finanzierung zunehmend dort funktioniert, wo Nutzungskonzept, Standort, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit klar zusammenspielen. Die Annahme, nahezu jedes Projekt lasse sich mit klassischem Fremdkapital realisieren, gehöre der Vergangenheit an. Höhere Eigenkapitalanteile und eine stärkere Eigenkapitalbasis dürften bei der Realisierung von Projekten künftig eine größere Rolle spielen, ist aus dem Markt immer wieder zu hören.
Bezahlbares Wohnen: Förderung neu denken
Besonders beim bezahlbaren Wohnen zeigen sich die Grenzen deutlich. "Der anhaltend hohe Bedarf an bezahlbarem Wohnraum führt bei gleichzeitig begrenzter Verfügbarkeit öffentlicher Fördermittel dazu, dass die Intensität der Förderung in der Breite neu bewertet werden muss", betont Jürgen Jankowski, Förderberater bei der NRW.BANK. Hierbei könne die aktuell politisch erfolgte Weichenstellung zur Vereinfachung von Baunormen helfen.
Kritischer sieht es die Wohnungswirtschaft. Dauerhaft bezahlbare Mieten ließen sich unter den heutigen Rahmenbedingungen ohne verlässliche öffentliche Förderung kaum realisieren. Benötigt würden langfristig planbare Förderinstrumente und stabile Finanzierungsbedingungen, so Jens Duffner, Sprecher der Nassauischen Heimstätte.
Parallel zu Neufinanzierungen wächst der Refinanzierungsdruck im Bestand. Trotz bislang robuster Transaktionsvolumina beobachtet Gerhard Meitinger, Head of Real Estate Finance Germany bei der Deutschen Pfandbriefbank, wieder mehr Zurückhaltung und Unsicherheit im Markt. Gleichzeitig stehen bei zahlreichen Gewerbeimmobilien Refinanzierungen an – zu deutlich höheren Zinsen als noch vor wenigen Jahren.
Expo Real 2026: Was bleibt nach dem Messegespräch?
Aus den vielen bisherigen Stimmen ergibt sich somit für die Expo Real 2026 ein überraschend einheitliches Bild: Die großen Transformationsthemen verschwinden nicht, aber der Umgang damit verändert sich. Gefragt sind weniger neue Schlagworte als Lösungen, die sich finanzieren, betreiben und vor allem wirtschaftlich skalieren lassen.
Veranstaltungstipp Dienstag, 6.10.2026 10:00 – 10:50 Uhr | Halle B3, Stand 530, Investment Forum: Resiliente Immobilien-Portfolios – Bedeutung in einer sich wandelnden Welt Mittwoch, 7.10.2026 11:00 – 11:50 Uhr | Halle B3, Stand 530, Investment Forum: Kriege, Krisen, KI und Karten – Konjunktur- und Kapitalmarktausblick |
Der Beitrag ist Teil der Ausgabe 04/2026 der "Immobilienwirtschaft". Lesen Sie das gesamte Heft auch in der Immobilienwirtschaft-App .