Stadtflucht der Familien – und Zuzug der Jungen
Lebenswerte, funktionsfähige und gemeinwohlorientierte Städte – im jüngsten Stadtentwicklungsbericht formuliert die Bundesregierung Ziele für die Zukunft: Wohnen, Arbeit und Handel sollen räumlich-funktional verschränkt werden, der Umweltverbund ausgebaut und die Ausstattung für Erholung, Freizeit und Sport verbessert werden.
Als zentrale Handlungsebene gilt das Quartier. Lebendige Nachbarschaften, so der Bericht, entstünden durch eine geschlechtersensible Gestaltung des öffentlichen Raums, die den Bedürfnissen unterschiedlicher Nutzergruppen gerecht werde. "Kulturelle Vielfalt und die Diversität der Lebensstile sind ein Gewinn, der Kommunen zu Orten der Kommunikation und Innovation macht", heißt es darin wörtlich.
Klimaresilienz und bezahlbares Wohnen als Kernthemen
Einen wachsenden Stellenwert misst der Bericht der Bundesregierung der urbanen Resilienz bei – also der Fähigkeit von Städten und Gemeinden, sich an den Klimawandel anzupassen. Soziale Resilienz wird ausdrücklich als ergänzende Dimension genannt. Der Schutz und die Qualifizierung von Grün- und Freiräumen sind ein zentrales Planungsziel. Anpassungsbedarf besteht laut Regierung vor allem auch beim baulichen Hitzeschutz.
Daneben bleibt die Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen eines der zentralen wohnungs- und stadtentwicklungspolitischen Ziele. Bezahlbarer Wohnraum und ein lebenswertes Wohnumfeld sind demnach auch ein Kriterium bei der Standortentscheidung zur wichtigen Gewinnung internationaler Arbeits- und Fachkräfte.
Der strategische Ausbau und gemeinwohlorientierte Umgang mit der Digitalisierung im Kontext der Stadtentwicklung stellt ein weiteres Ziel dar.
Urbanisierungstrend und Stadtbevölkerung
Demografisch zeigt der Bericht ein klares Bild: Ende 2024 lebten knapp 83,6 Millionen Menschen in Deutschland – rund 120.000 mehr als im Vorjahr. Der Urbanisierungstrend hält an. Im Jahr 1950 lebten demnach knapp 62 Prozent der Bevölkerung in Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern, 2023 waren es bereits 86,2 Prozent.
Die Zusammensetzung der Stadtbevölkerung verschiebt sich. Seit 2014 verlieren Großstädte im innerdeutschen Wanderungsgeschehen kontinuierlich Einwohner – in den Jahren 2022 und 2023 waren die Verluste besonders hoch, mit rund 130.000 Personen pro Jahr. Vor allem Familien mit Kindern kehren den Metropolen den Rücken und ziehen in kleinere Kommunen.
Dem stehen erhebliche Zuwanderungen aus dem Ausland gegenüber: Für 2023 beziffert die Regierung diese auf rund 310.000 Personen. Und eine Gruppe bleibt den Großstädten treu: Junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren strömen weiterhin in die Zentren.
Der Bericht enthält darüber hinaus umfangreiches statistisches Material, unter anderem zur Städtebauförderung. "Hauptziel der Städtebauförderung ist es, die Städte und Gemeinden nachhaltig als Wirtschafts- und Wohnstandorte zu stärken und entgegenstehende Mängel oder Missstände dauerhaft zu beheben", heißt es in dem Bericht.
Stadtentwicklungsbericht der Bundesregierung 2025
Der Stadtentwicklungsbericht gibt einen umfassenden Überblick über die Ziele, Strategien und Handlungsfelder der deutschen Stadtentwicklungspolitik und analysiert dabei die aktuelle Lage in deutschen Städten und Gemeinden.
Ferner werden die Aktivitäten des Bundes im Bereich der Stadtentwicklungspolitik in den vergangenen vier Jahren dokumentiert und wesentliche Herausforderungen für die Zukunft der Stadt- und Regionalentwicklung benannt.
Darauf aufbauend skizziert er politische Handlungsoptionen, mit denen Städte und Gemeinden gezielt unterstützt und gestärkt werden können. Grundlage des Berichts ist die wissenschaftliche Begleitung durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in den vergangenen Jahren.
Stadtentwicklungsbericht der Bundesregierung
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