Klimarisiko: 68 Prozent des Bestands unter Hitzestress
Die Klimarisiken werden sich bis 2050 deutlich verschieben: Je nach Emissionsszenario könnten bis zu 68 Prozent aller Bestandsgebäude in Deutschland einem hohen bis sehr hohen Hitzestress ausgesetzt sein. Gleichzeitig entwickelt sich Starkregen zu einem der größten Risiken für Immobilien. Die Unterschiede sind dabei regional sehr groß.
Das hat Konsequenzen für Investition, Bewertung und für Standortentscheidungen. Individuelle Risikoanalysen gewinnen an Bedeutung gewinnen werden, wie eine Studie von Wüest Partner und Climada Technologies über die zukünftige Entwicklung physischer Klimarisiken zeigt.
Hitzestress-Risiko für Immobilienwerte
Die Studie analysiert die Entwicklung von Hitze, Starkregen, Fluss- und Küstenhochwasser, Stürme sowie Erdrutsche und zeigt deren Entwicklung bis 2050 unter verschiedenen Emissionsszenarien. "Wer heute in Immobilien investiert oder Bestände steuert, muss die zukünftige Klimaresilienz eines Standorts stärker berücksichtigen als bisher", sagt Dr. Michael Heigl, Director bei Wüest Partner.
Besonders deutlich steigt demnach das Risiko durch Hitze. Während im historischen Referenzzeitraum kaum Gebäude einem hohen bis sehr hohen Hitzestress ausgesetzt waren, könnten es bis 2050 je nach Emissionsszenario bis zu zwei Drittel aller Gebäude sein.
Besonders betroffen sind die südlichen und mittleren Landesteile Deutschlands sowie dicht bebaute urbane Räume. Mit steigenden Emissionen breitet sich das Risiko zunehmend auch nach Norden aus.
Starkregen: Zahl der gefährdeten Gebäude steigt
Auch das Risiko durch Starkregen nimmt laut Analyse deutlich zu. Da wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, werden Starkniederschläge intensiver. Bis 2050 könnte der Anteil gefährdeter Gebäude von heute rund 0,4 Prozent auf mehr als Prozent steigen. Hoch bleibt das Risiko vor allem in Süddeutschland und den Mittelgebirgen, doch es weitet sich zunehmend nach Norden und Westen aus.
Das Risiko klassischer Flusshochwasser geht in einigen Regionen teilweise zurück, während Starkregenereignisse mit lokalen Überflutungen und Oberflächenabfluss deutlich an Bedeutung gewinnen.
Sturm und Erdrutsche: Risiken am Meer und im Gebirge
Auch bei weiteren Klimarisiken zeigen sich regionale Veränderungen, wie die Studienautoren erklären. Das Risiko für Küstenhochwasser nimmt insbesondere an der Nordseeküste deutlich zu und steigt teilweise auch an der Ostsee. Das Sturmrisiko bleibt vor allem im Norden und Westen Deutschlands hoch, seine weitere Entwicklung ist jedoch mit größeren Unsicherheiten verbunden.
Das Erdrutschrisiko bleibt insgesamt gering, könnte sich bis 2050 jedoch je nach Emissionsszenario verdoppeln bis verdreifachen und betrifft vor allem Mittelgebirgslagen sowie alpine Randgebiete.
Klimarisiken: Konsequenzen für die Immobilienwirtschaft
Die Ergebnisse zeigen, dass Klimarisiken künftig noch stärker in Investitions-, Bewertungs-, Finanzierungs- und ESG-Entscheidungen berücksichtigt werden müssen, so die Schlussfolgerung. Standortspezifische Risikoanalysen werden unabdingbar, weil sich Risiken regional sehr unterschiedlich entwickeln.
"Die Analyse schafft erstmals eine deutschlandweite Datengrundlage, um physische Klimarisiken objektiv zu bewerten und fundierte Entscheidungen für Bestände, Portfolios und Projektentwicklungen zu treffen", so Heigl. Wer früh geeignete Anpassungsmaßnahmen ergreife, könne zur Widerstandsfähigkeit und zum Werterhalt des Gebäudebestands beitragen.
Studie "Der Klimawandel und die künftigen Risiken für den Gebäudebestand in Deutschland" (Download)
BBSR-Webtool beurteilt Risiken für Immobilien
Beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) können über die geodatenbasierte BBSR-Web-Anwendung "GIS-ImmoRisk Naturgefahren" online Risiken und mögliche Schäden für Gebäude besser abgeschätzt werden.
Neben Eigentümern der öffentlichen Hand und der Immobilien- und Wohnungswirtschaft sind auch Private bei der Entwicklung des Tools berücksichtigt worden. In Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis – darunter der Deutsche Wetterdienst und das Karlsruher Institut für Technologie – wird die Anwendung regelmäßig an neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Anforderungen angepasst.
Das könnte Sie auch interessieren:
Hitze-Ranking: Wo Gebäude unter Druck geraten
Extremwetter: Kommt bald die Pflichtversicherung?
-
Sonder-AfA für Neubau von Mietwohnungen: Tipps & Fallstricke
8976
-
Gebäude-AfA: Nachweis für Nutzungsdauer wieder einfacher
5202
-
Energieausweise ab 2027: Was sich alles ändert
357
-
CO2-Kosten: Vermieter zahlen deutlich mehr
3357
-
Energetische Sanierung: Kosten von der Steuer absetzen
305
-
Kürzungen beim Wohngeld ab Januar 2027
3021
-
Hydraulischer Abgleich und Heizungsprüfung 2026
2671
-
Degressive AfA für den Wohnungsbau: fünf Prozent, sechs Jahre
262
-
Aktuelle Rechtslage für AfA-Nachweis jetzt nutzen
207
-
Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft getreten
191
-
Klimaanlage wird zum Verkaufsargument
25.08.2026
-
Einheimischenmodell: Bauen oder Grundstück zurück
24.08.2026
-
Entsiegelung: Frankfurter Initiative plant Bürgerbegehren
24.08.2026
-
Wärmewende gefährdet bezahlbares Wohnen
21.08.2026
-
Jahressteuergesetz 2026: Was sich für Immobilieneigentümer ändert
21.08.2026
-
EU AI Act beendet die Narrenfreiheit
21.08.2026
-
Einspeisevergütung sichern: Frist läuft Ende 2026 ab
17.08.2026
-
Immobilienwirtschaft verschläft EU AI Act
17.08.2026
-
Mietenregulierung schadet Berlins Wohnungsmarkt
14.08.20261
-
Wohnungsbau gegen Widerstand
14.08.2026