"Energetische Stadtsanierung": Mehr Geld fürs Quartier

Ab dem 1. April gibt es mehr Geld von der staatlichen Förderbank KfW für Projekte zur energetischen Stadtsanierung – auch neue Themen, wie eine grüne oder wassersensible Infrastruktur werden bezuschusst. Ein Aktionsbündnis übt währenddessen Druck auf die Politik für mehr Klimaschutz im Quartier aus.

Ab dem 1.4.2021 werden im Rahmen des KfW-Förderprogramms "Energetische Stadtsanierung – Klimaschutz und Klimaanpassung im Quartier" im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) die neuen Themenfelder grüne Infrastruktur und wassersensible Quartiersgestaltung, Digitalisierung und klimafreundliche Mobilität gefördert. Außerdem werden höhere Förderzuschüsse und zinsgünstige Förderdarlehen gewährt und die Anforderungen an den kommunalen Eigenanteil gesenkt.

"Der Quartiersansatz erlaubt es, zusätzliche Effizienzpotenziale zu erkennen und diese zügig zu realisieren", erklärte Dr. Ingrid Hengster, Mitglied des KfW-Vorstands und zuständig für das inländische Fördergeschäft. Die Produktverbesserungen sollen neue Impulse setzen.

Zuschussförderung wird auf 75 Prozent erhöht

Die Zuschussförderung (KfW-Teilprogramm 432) für Konzepte und Sanierungsmanagement wird zum 1. April von 65 Prozent auf 75 Prozent erhöht. Die Kommunen müssen statt bisher 15 Prozent nur noch fünf Prozent kommunalen Eigenanteil nachweisen. Diese Änderungen gelten zunächst befristet bis zum 30.6.2022. Seit dem Programmstart im November 2011 bis Ende 2020 sind nach Angaben des Ministeriums im Programm 432 mehr als 1.620 Einzelmaßnahmen mit einem Volumen von rund 87 Millionen Euro gefördert worden.

Die Sachmittelzuschüsse, die unter anderem für digitale Bürgerbeteiligungsangebote genutzt werden können, werden im April 2021 von zehn Prozent auf 20 Prozent erhöht. Das gilt nach Angaben des Ministeriums unbefristet. "Die Bürgerbeteiligung bleibt ein wichtiges Thema. Daher werden wir auch verstärkt Online-Angebote fördern", sagte BMI-Staatssekretärin Anne Katrin Bohle (parteilos).

Bei den Förderkrediten (KfW-Programme 201/202) sind die Tilgungszuschüsse auf bis zu 20 Prozent ausgeweitet und verbessert worden. Kommunen, die Kredite für ein Quartierskonzept beantragen, sollen Tilgungszuschüsse von bis zu 40 Prozent erhalten.

Zu den KfW-Programmen "Energetische Stadtsanierung"

Klimaschutz im (Wohn-)Quartier: Aktionsbündnis fordert Politik zu schnellerem Handeln auf

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), die Bundesarchitektenkammer (BAK) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) haben gemeinsam das Positionspapier "Formel 1-1-100-100" erarbeitet: Mit diesem Plan soll Klimawende im Gebäudebereich machbar werden. Das Aktionsbündnis hat darin eigene Berechnungen erhoben, wie Deutschland einen klimafreundlichen Gebäudebestand im Stadtquartier erreichen kann.

Die Forderung "1-1-100-100" bedeutet ausformuliert: 

  • 1 Million Bestandsgebäude pro Jahr müssen klimaneutral saniert werden – dafür soll die Bundesregierung sorgen und damit die Sanierungsrate um das Vierfache steigern
  • 1 Million Sanierungsfahrpläne soll die Bundesregierung jährlich verschenken, die Eigentümerinnen und Eigentümern konkrete Handlungsschritte für mehr und zielführenden Klimaschutz in ihren Gebäuden aufzeigen
  • 100 Prozent Transparenz – die Regierung muss den energetischen Zustand aller Gebäude erfassen und somit konkrete Planungen überhaupt ermöglichen
  • ein 100-Tage-Sofortprogramm für Klimaschutz in Gebäuden soll die künftige Regierung direkt nach der Bundestagswahl starten

"Gebäudesanierung und Gebäudeeffizienz werden maßgeblich darüber mitentscheiden, ob die Klimaziele noch erreicht und das 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden können", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Der Betrieb des Gebäudebestands ist demnach für ein Drittel der bundesweiten CO2-Emissionen verantwortlich. "Und die aktuelle Sanierungsgeschwindigkeit ist katastrophal. Deutschland hat jetzt schon einen Rückstand, der nur noch aufgeholt werden kann, wenn sofort und stark agiert wird", so DGNB, BAK und DUH.

Positionspapier "Formel 1-1-100-100" von BAK, DGNB, DUH


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