Mietspiegel für Berlin

Der Mietspiegel 2019 für Berlin liegt vor. Die durchschnittliche Nettokaltmiete ist in den vergangenen zwei Jahren um 33 Cent auf 6,72 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Seit Vorlage des Mietspiegels 2017 ist das ein Anstieg von 2,5 Prozent pro Jahr. Von 2015 bis 2017 waren es 4,6 Prozent.

Zum ersten Mal seit dem Jahr 2013 hätten alle sechs beteiligten Mieter- und Vermieterverbände den Mietspiegel unterzeichnet, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), als sie den Mietspiegel 2019 für Berlin am 13. Mai vorstellte. In einem dieser Verbände, dem Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), ist auch der größte private Berliner Vermieter, die Deutsche Wohnen, organisiert, die in der Vergangenheit gegen die Anwendung des Mietspiegels geklagt und teilweise Recht bekommen hatte. Der Berliner Mietspiegel 2017 stieß bei vielen Eigentümern und Wohnungsverbänden nicht auf Gegenliebe.

"Ich wünsche mir sehr, dass die Deutsche Wohnen aufhört, gegen den Mietspiegel zu prozessieren und damit der Verunsicherung in dieser Stadt ein Ende macht." Katrin Lompscher, Stadtentwicklungssenatorin von Berlin

Der Konzern weist die Vorwürfe zurück: Die Deutsche Wohnen prozessiere nicht gegen den Mietspiegel, sagte eine Sprecherin am Montag. Im Gegenteil: Der Konzern unterstütze das Instrument des Mietspiegels ausdrücklich. Er könne grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Bestimmung der ortsüblichen Vergleichsmiete sein, müsse aber weiterentwickelt werden. In den Fällen, in denen ein Sachverständiger die ortsübliche Vergleichsmiete neu errechnet habe, anstatt den Mietspiegel heranzuziehen, habe das Gericht dies entschieden und nicht der Konzern.

Der Mietspiegel wird alle zwei Jahre herausgegeben und liefert eine Übersicht über ortsübliche Vergleichsmieten für knapp 1,4 Millionen nicht preisgebundene Wohnungen in Berlin. Der Mietspiegel sei ein bewährtes Instrument zur Wahrung des Rechtsfriedens zwischen Mieter- und Vermieterseite. Deshalb sollte er von allen Berliner Vermietern vorbehaltlos angewendet werden, sagte Maren Kern, Vorstand beim BBU.

GdW: Überwiegende Zahl der Vermieter verhält sich verantwortlich und sozial

Im heute veröffentlichtenzeigt sich, dass sich die jährliche Mietsteigerungsrate nahezu halbiert hat. Dazu habe kürzlich eine Studie des Forschungsinstituts F+B ergeben, dass auch das Wachstum der Neuvertragsmieten bundesweit aktuell eine Pause einlege, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

"Die Zahlen aus Berlin ebenso wie Daten aus dem bundesweiten Gutachten von F+B zeigen: Die Mietenentwicklung verliert an Dynamik. Der weit überwiegende Teil der Vermieter wirtschaftet nachhaltig und verhält sich verantwortlich und sozial am Markt." GdW-Präsident Axel Gedaschko

Die Zahlen des neuen Berliner Mietspiegels zeigten, dass es jenseits von Enteignung und absolutem Mietendeckel funktionierende Instrumente gebe, um auf die Mietenentwicklung Einfluss zu nehmen. Während im höherpreisigen Segment ein zunehmendes Angebot die Mietsteigerung eingrenze, fehle es aber vor allem an Wohnungen im unteren Preissegment, so Gedaschko weiter.

BFW: Mietspiegel 2019 für Berlin ist ein "funktionierender Mietendeckel"

Der ausgewiesene Mietspiegelmittelwert von 6,72 Euro je Quadratmeter bedeute, dass die Hälfte der Wohnungen, also zirka 700.000, mit ihrer Miete noch unter dieser Marke liegen, sagt Susanne Klabe, Geschäftsführerin des BFW Landesverbandes Berlin/Brandenburg. Der Verband erkenne den Mietspiegel 2019 an, weil er den Berliner Mietwohnungsmarkt nahe an der Wirklichkeit abbilde.

"Mit dem Berliner Mietspiegel 2019 hat die Hauptstadt einen funktionierenden Mietendeckel. Er ist fair für alle. Wir benötigen daher keine politischen Debatten über die Einführung eines Mietendeckels oder die Enteignung von Wohnungsunternehmen." Susanne Klabe, Geschäftsführerin des BFW Landesverbandes Berlin/Brandenburg

Vielmehr müsse der Senat jetzt mit höchster Dringlichkeit die Rahmenbedingungen für eine deutliche Ausweitung des Wohnungsneubaus schaffen, um den Anforderungen der wachsenden Stadt zu genügen und Angebot und Nachfrage besser auszubalancieren.

"Ich bin überzeugt, dass dieser Mietspiegel seiner Aufgabe einer Befriedung auf dem Mietwohnungsmarkt entspechen wird. Er ist ein gutes Instrument, um für den Ausgleich der Interessen zwischen Mietern und Vermietern zu sorgen." Susanne Klabe, BFW

Nach Einschätzung des BFW kann von dem aktuell lautstark verkündeten "Mietenwahnsinn" insofern keine Rede sein.

Berliner Mietspiegel 2019: Wohnlage komplett überarbeitet

Der BFW hat an der neuen Methodik und am Kriterienkatalog mitgearbeitet. Vor allem die Wohnlage wurde dem Verband zufolge komplett überarbeitet. Dabei wurden etwa 25 Prozent des Wohnungsbestandes anders eingestuft. Die Bewertung basiert seit diesem Jahr auf objektiven, öffentlich zugänglichen Daten wie dem differenzierten Bodenrichtwert, dem Sozialindex des Gebiets sowie der Nahversorgung und der Verkehrsanbindung. Subjektive Merkmale wie der bauliche und gestalterische Zustand der Fassaden und Straßen wurden bei der Bewertung nicht mehr berücksichtigt.

Die BFW-Mitgliedsunternehmen schaffen nach eigenen Angaben rund 50 Prozent des Wohnungsneubauvolumens in Berlin. 14 von 20 Projektentwicklern und Bauträgern der Hauptstadtregion sind Mitglied im BFW Landesverband Berlin/Brandenburg.

Mieterverein und CDU bemängeln rückläufige Neubauzahlen und fehlende Rechtssicherheit

Die langsamer gestiegenen Mieten in Berlin sind aus Sicht des Mietervereins und der CDU kein Grund zur Entwarnung.

"Das Ergebnis des Mietenspiegels ist alarmierend und kein Ruhmesblatt für Berlins Nicht-Bausenatorin Lompscher." Christian Gräff, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion

Größter Kritikpunkt sei, dass die Neubauzahlen zurückgingen, so Gräff. Gerade für Mieter mit mittleren Einkommen entstünden keine neuen Mietwohnungen mehr. Auch der Berliner Mieterverein warnte davor, sich angesichts des relativ schwachen Anstiegs der durchschnittlichen Nettokaltmiete auf 6,72 Euro zurückzulehnen. Zwar sei der Durchschnittswert nicht so stark gestiegen wie befürchtet, doch in einzelnen Segmenten seien wieder Mieterhöhungspotenziale gegeben: Mit 7,7 Prozent besonders hoch ist der Anstieg etwa bei Altbauwohnungen, heißt es in einer Mittelung des Vereins. Er forderte zudem Rechtssicherheit des Mietspiegels, diese müsse auf Bundesebene hergestellt werden.

Einen wichtigen Schritt in Richtung Rechtssicherheit sieht Stadtentwicklungssenatorin Lompscher bereits in der Liste der Unterzeichner. Als Gründe für den verlangsamten Mietanstieg nannte Lompscher etwa die Ausweitung des Milieuschutzes. Dabei nutzt die Stadt im Kampf gegen Gentrifizierung für ein beliebtes Gebiet ihr Vorkaufsrecht. Knapp 60 solcher Gebiete gibt es inzwischen in der Hauptstadt.

"Die Zahlen lassen aufatmen. Die Zahlen zeigen aber auch: Es braucht kein Mehr an Regulierung, die Investoren aus der Stadt treibt. Der Markt funktioniert." Niclas Karoff, Sprecher ZIA-Region Ost

Dennoch sei das Problem noch nicht gelöst: Berlin benötige dringend neuen Wohnraum und dafür sei wirtschaftliches und unternehmerisches Engagement nötig und eine Politik, die mitzieht, so Karoff abschließend.


Das könnte Sie auch interessieren:

Top-Thema Mieterhöhung bei Wohnraum

Schlagworte zum Thema:  Berlin, Wohnimmobilien, Mietspiegel