Lager und Logistik: Flexible Mietverträge stark nachgefragt

Mit der Coronakrise ist die Nachfrage nach Lebensmitteln und Sanitärartikeln sprunghaft angestiegen. Schnell verfügbare Lagerflächen mit kurzen Mietlaufzeiten sind laut einer JLL-Umfrage derzeit von Händlern extrem gesucht. Erste Eigentümer von Logistikimmobilien stellen sich darauf ein.

Vor allem im Umfeld von Verteilzentren und Produktionsstätten von Lebensmitteln oder Sanitärartikeln sind JLL zufolge derzeit zusätzliche Flächen mit einer Mietlaufzeit bis zu einem Jahr händeringend gesucht – von Händlern und auch von Industriebetrieben.

"So haben wir beispielsweise von einem Discounter für eine Region sagenhafte acht Anfragen bekommen – von acht verschiedenen Stellen", sagt Frank Weber, Head of Industrial Agency JLL Germany. Die Hersteller produzieren aktuell schneller als die Waren ihren Weg in den Handel finden. "Das heißt, es kommt hier zu einem Stau des Warenflusses und daraus folgend zu einem Flächenbedarf für die Zwischenlagerung", so Weber.

Kurzlaufende Mietverträge gesucht – zieht das Angebot mit?

Die Nachfrage nach kurzfristig verfügbaren Lagerflächen mit kurzen Mietlaufzeiten ist also da. Doch zieht das Angebot mit? – Diese Frage hat der Immobiliendienstleister JLL in seiner Blitzumfrage unter Eigentümern und Eigentümervertretern von Lager- und Logistikflächen gestellt. 111 deutschlandweit tätige namhafte Unternehmen wurden angeschrieben. 28 davon – also zirka ein Viertel – sagten, sie würden kurzfristig vermieten, darunter auch Firmen wie Prologis oder Logicor. "Einige Eigentümer bieten nun erstmalig kürzere Laufzeiten ab sechs Monate an", so Weber. Generell stelle JLL eine größere Flexibilität auf allen Seiten fest – und das sei auch nötig.

Höhere Mieten für die kurzlaufenden Verträge hat JLL bislang nicht festgestellt. Allerdings wollen die Eigentümer angesichts der Kurzfristigkeit in der aktuellen Situation keine Umbauten vornehmen. "Schließlich geht es derzeit insbesondere um Schnelligkeit", sagt Weber.

Coronakrise und Lagerflächen: "Bei den Maklerhäusern stehen die Telefone nicht mehr still"

Der Themenkreis Logistikimmobilien der Bundesvereingung Logistik (BVL) hat schon an die Kommunen appelliert: "Stellt langfristig mehr Fläche für Distributionszentren zur Verfügung". Dem Handel ging in der Coronakrise der Platz aus, heißt es in der Mitteilung weiter. Den Flaschenhals bilden laut BVL-Themenkreis Logistikimmobilien vor allem Lagerflächen. Bereits seit zwei Wochen seien Edeka, Rewe, Aldi & Co. auf der Suche.

"Bei den Maklerhäusern stehen die Telefone nicht mehr still. Innerhalb von drei Tagen erreichten alleine uns Anfragen über insgesamt eine Million Quadratmeter Lagerfläche – fast alle aus dem Lebensmitteleinzelhandel und dem Medizinbereich", berichtet Kuno Neumeier, Logivest-Geschäftsführer und Sprecher des Themenkreises Logistikimmobilien. 2019 seien deutschlandweit etwa vier Millionen Quadratmeter neue Logistikflächen über alle Branchen hinweg entwickelt worden – bei einem Bedarf von mehr als sieben Millionen Quadratmetern. Insbesondere rund um Metropolen herrsche seit Jahren ein Mangel an Logistikflächen.

Nach Angaben des BVL-Themenkreises überlasst derzeit mancher Entwickler ganz neue Lagerflächen, die langfristig vermietet werden sollten, Handelsunternehmen sogar schon für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten zur Miete. Auch Industrieunternehmen und Spediteure stellen der Retailbranche und den Handelslogistikern kurzfristig freie Flächen zur Verfügung, um die Lage zu entspannen.

Logistikimmobilien: Gewinner der Coronakrise

Auch Colliers hat herumtelefoniert und im März 65 Entscheider der Immobilienwirtschaft unter anderem zum Logistikmietmarkt befragt. 44 Prozent der Befragten sagten hier, sie erwarteten insgesamt steigende Mieten bei Logistikflächen. "Vor allem Lebensmittel- und Pharmaunternehmen mieten verstärkt an", bestätigt Matthias Leube, CEO von Colliers International.

Die Trivium Immobilien Investment Gruppe sieht im Logistikbereich den Gewinner der Coronakrise. Den durch den Onlinehandel kleiner gewordenen Verkaufsräumen stünden die höheren Lagerhaltungen für eine "in-time-Versendung" zum Endkunden entgegen, schreiben die Trivium-Geschäftsführer Mario Kmenta und Gerhard Mittelbach. "Schnelligkeit und Pünktlichkeit der Zustellung werden Logistikimmobilien noch weiter in und um die Städte rücken." Vor allem kleine und mittlere Logistikimmobilien in gut angebundenen Lagen würden sich als Investments gut eignen.


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