Vermietung Logistikimmobilien: Berlin trotzt Negativ-Trend

Es lief verhalten bei den Umsätzen von Lager- und Logistikflächen in den ersten neun Monaten 2019. Grund ist ein Angebotsmangel, wie eine Studie von JLL zeigt. Das betrifft vor allem die Ballungsräume. Nur Berlin wächst. Wo es knapp ist, steigen die Mieten. Unternehmen weichen ins Umland aus.

Abseits der fünf größten deutschen Städte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und München ist noch deutlich mehr Fläche zu haben, schreibt etwa JLL: Rund 3,76 Millionen Quadratmeter wurden in den ersten neun Monaten außerhalb der Big 5-Ballungsräume umgesetzt – so viel wie nie in den ersten drei Quartalen eines Jahres. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von zwei Prozent. Der fünfjährige Durchschnittswert wurde um 14 Prozent übertroffen, und im Zehnjahresschnitt stieg der Flächenumsatz JLL zufolge um 36 Prozent. Moderne Immobilien sind besonders gefragt: Rund 70 Prozent der Flächen sind neu gebaut oder noch in der Projektentwicklung.

Berlin überholt die traditionell starken Logistikstandorte Frankfurt und Hamburg

Hingegen wurden in den Big 5 nach Berechnungen von JLL in den ersten neun Monaten 2019 mit rund 1,3 Millionen Quadratmetern 20 Prozent weniger Flächen umgesetzt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch die fünf- und zehnjährigen Durchschnittswerte wurden um 14 beziehungsweise neun Prozent unterschritten. Am stärksten sank der Flächenumsatz in Düsseldorf (minus 39 Prozent) und Hamburg (minus 38 Prozent).

Nur der Berliner Markt ist gewachsen: um satte 39 Prozent. 385.000 Quadratmeter Lager- und Logistikflächen wurden in der Hauptstadt umgesetzt und damit deutlich mehr als in den traditionell umsatzstärksten Regionen Frankfurt (349.000 Quadratmeter) und Hamburg (235.000 Quadratmeter). Den größten Abschluss des dritten Quartals verbuchte allerdings die Region Frankfurt: Ein Logistikunternehmen mietete rund 31.400 Quadratmeter in Rodenbach.

Es muss gebaut werden

Obwohl auch deutschlandweit mit 5,1 Millionen Quadratmetern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich weniger Fläche (minus fünf Prozent) neu vergeben wurde - das betrifft Eigennutzer und Vermietungen - ist Frank Weber, Head of Industrial Agency JLL Germany, optimistisch.

"2019 wird der deutsche Vermietungsmarkt für Lager- und Logistikflächen die 6,5-Millionen-Quadratmeter-Marke überspringen." Frank Weber, Head of Industrial Agency JLL Germany

Im vierten Quartal zeichnen sich Weber zufolge bereits einige Großabschlüsse ab. So plant etwa die Krauss Maffei Group ein neues Werk in Parsdorf bei München zur Eigennutzung und Amazon ein Lager in Achim bei Bremen. In den ersten drei Quartalen 2019 setzten Eigennutzer mit 36 Prozent des Umsatzes zehn Prozent weniger Flächen um als im Vorjahr. Vermietungen waren mit 64 Prozent stabil (minus zwei Prozent).

Doch es fehlen laut JLL zu viele Flächen, besonders im Größensegment ab 5.000 Quadratmeter: In den ersten drei Quartalen 2019 wurden in dieser Größenordnung im Vergleich zum Vorjahr 30 Abschlüsse weniger registriert und 37 Prozent weniger Flächen umgesetzt. Das knappe Angebot hat JLL zufolge die Spitzenmieten für Lagerflächen in der Größenordnung ab 5.000 Quadratmetern innerhalb eines Jahres in fast allen Top-5-Regionen steigen lassen: Am stärksten in Hamburg und Berlin mit jeweils zehn Prozent. Nur in Düsseldorf blieben die Mieten stabil. In den vergangenen drei Monaten kletterten die Spitzenmieten nur noch in der Region Hamburg weiter nach oben: um 1,6 Prozent auf 6,40 Euro pro Quadratmeter und Monat. München ist weiterhin am teuersten mit 7,10 Euro pro Quadratmeter.

Von Januar bis September wurden alleine in den Big 5 insgesamt rund 485.000 Quadratmeter Lagerflächen fertiggestellt. Nur zwölf Prozent davon waren zum Zeitpunkt der Fertigstellung noch nicht vermietet. Aktuell befinden sich rund 535.000 Quadratmeter im Bau, nur 18 Prozent (94.000 Quadratmeter) stehen dem Markt noch frei zur Verfügung. Die größte Bautätigkeit findet aktuell in den Regionen Berlin und Frankfurt statt. "Im vierten Quartal ist zudem noch der Baubeginn größerer Projektentwicklungen in den Regionen Hamburg und München angekündigt", sagt Weber.


Das könnte Sie auch interessieren:

Margen für Finanzierer steigen moderat – man muss nur wissen wo

Logistik: E-Commerce und Same-Day-Lieferungen beflügeln Nachfrage