13.01.2014 | Serie Kolumne Talent Management

Wie und was Sie Talente fragen sollten

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Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Geschulte Recruiter kennen die üblichen Fragetechniken im Bewerberinterview. Doch Talent-Management-Experte Martin Claßen warnt in seiner heutigen Kolumne: Nicht alle eingeübten Fragen sind auch wirklich sinnvoll – und schlau. Manchmal sind sie sogar überflüssig.

Ich weiß nicht, was Sie darüber denken - über die Fragerei. Für das Frage-Antwort-Spiel hat jeder seine eigenen Regeln. Nur eines ist klar: Vor einer Antwort kommt für gewöhnlich eine Frage, am besten eine kluge Frage. Es gibt zwar den Spruch, es gäbe keine dummen Fragen. Doch die gibt es.

Gerade im Talent Management werden dumme Fragen gestellt, beim Finden, Fördern, Binden, etwa die: "Warum möchten Sie zu uns kommen?", "Was sind Ihre Karriereziele?", "Was hält Sie?". Zumindest ich habe auf solche blöden Fragen schon blöde Antworten gegeben.

Die Fragenkunst im Einsatz beim Talent Management

Als Berater, der ich nun mal seit langem bin, hat man gelernt klug zu fragen. Da meine Profession – so deren Image – keine Ahnung vom jeweiligen Thema hat, würde sie aus Antworten der Befragten geschickt eigene Vorschläge schnitzen. Deshalb werden Interviewtechniken in der Beraterzunft bis ins kleinste Detail trainiert. Da gibt es beispielsweise "systemische Fragen", die gelegentlich sogar zur Fragekunst überhöht werden. Finde ich fraglich.

Fragetechniken von Edgar Schein

Grundregel Nummer Eins ist das Verbot von geschlossenen Fragen, auf die der Befragte nur mit Ja oder Nein antworten kann. Inzwischen traue ich mich nicht einmal mehr in der Bäckerei zu fragen: "Ist das Brot von heute?". Was wird die sicherlich im Verkauf geschulte Dame hinter dem Tresen über mich denken? Wird sie ehrlich antworten? Zum Glück gibt es mittlerweile Selbstbedienungsbäckereien.

Kürzlich hat einer der ganz Großen in der Organisationsentwicklung, Edgar Schein, ein ganzes Buch zum richtigen Fragen veröffentlicht: "Humble Inquiry: The Gentle Art of Asking Instead of Telling". Sein europäischer Vertreter, Gerhard Fatzer, hat in einem Interview in der Zeitschrift "Wirtschaft und Weiterbildung" die Essenz auf den Punkt gebracht: "Je einfacher die Frage, desto besser die Antwort."

Das ist doch eine gute Regel, an die man sich auch im Talent Management halten kann: "Wollen Sie mehr Geld?", "Wollen Sie eine Beförderung?". Es sind zwar geschlossene Fragen, aber einfach gut gestellt. Auf beide werden Talente aufrichtige Antworten geben: "Ja!"

Nicht alle Ansprüche der Talente sind umsetzbar

Nun hat Fatzer weiter hinten im Interview die Regel von der Einfachheit wieder aufgeweicht. Denn simpel gestellte Fragen seien oft geschlossen. Er ergänzt: "Alle Frage sollten sehr präzise formuliert sein." Ja was denn nun? Aber selbst exaktes Fragen ist im Talent Management möglich: "Wie viel Geld wollen Sie?", "Wann möchten Sie befördert werden?". Auf solche präzisen Fragen können Talente konkret antworten.

Deren Antworten sind allerdings nicht immer ganz einfach umzusetzen. Manchmal sollte man im Talent Management vor einer Frage – ob nun einfach oder präzise gestellt – die erwartbare Antwort mitbedenken und besser schweigen.

Ab und an ist im Talent Management Vordenken und Einfühlen besser als die ganze Fragerei. Wie häufig fragen Sie im sonstigen Leben eigentlich: "Liebst Du mich? - Und wen?"

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talent Management gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Schlagworte zum Thema:  Talent Management, Fragetechnik, Talent, Interview, Personalentwicklung, Recruiting, Mitarbeiterbindung

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