04.05.2015 | Serie Kolumne Talent Management

Talent Management - Zeit für ein neues "Buzz Word"?

Serienelemente
Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Recruiting, Personalentwicklung, Performance Management, Nachfolgeplanung, Talent Relationship Management und Vergütung - das sind Bausteine, die den Überbegriff "Talent Management" mit Inhalt füllen. Doch der Ausdruck hat sich abgenutzt, wie Kolumnist Martin Claßen heute zeigt.

Talent Management.

Talent Management, Talent Management.

Talent Management, Talent Management, Talent Management.

Können Sie es nicht mehr sehen und hören? Egal wohin ein Personaler blickt und lauscht, Talent Management (TM) ist längst da. Klar, man könnte wegsehen und weghören. Aber geht das überhaupt noch bei einer der ganz großen Herausforderungen unserer Zunft?

Allenthalben Talent Management

Zum „ti em“ – wie wir Insider unter uns längst zuraunen – hat mittlerweile jede(r) eine klare Einstellung. Die Erste sagt, TM sei ein schickes Label für die gesamte "People"-Dimension im Unternehmen. Ein Zweiter meint, bei ihnen hätte längst TM 4.0 seine volle Blüte entfaltet. Eine Dritte mault, das TM-Kriegsgebrüll von McKinsey & Co. mitsamt dem "War for Talent" entbehre jeder Grundlage. Der Vierte glaubt, bei TM handle es sich mal wieder um eine penetrante Vertriebsmasche von Dienstleistern. Und Google findet, in 0,44 Sekunden an einem Donnerstag im Frühsommer 2015, unglaubliche neununddreißig Millionen Einträge zum hyperinflationären Begriff Talent Management.

Wear-out-Effekt hat sich eingestellt

Anders als bei Hosen, da gelten "Wear out"-Jeans immer noch als schick, wissen Werbeprofis um den Abnutzungseffekt ständig penetrierter Botschaften. Keiner blickt mehr hin, keiner lauscht mehr. Die Sache wird gewöhnlich, das Prickeln geht verloren, der Vorteil schrumpft erheblich. Die früheren Reize des Slogans Talent Management verpuffen seit einiger Zeit, schleichend aber stetig. Längst müsste ein neues "Buzz Word" her. Noch hat niemand etwas Signifikantes gefunden.

Talent-Management-Leitfrage als Ausgangspunkt

Um was geht es eigentlich? Erinnert sei an meine Leitfrage für Talent Management aus einer der allerersten Kolumnen: "Was müssen wir heute in unserem Unternehmen machen, damit wir morgen bei uns die richtigen Mitarbeiter haben, um übermorgen in unseren Märkten auch weiterhin erfolgreich zu sein?" Abgekürzt in wmwhiuumdwimbudrmhuüiumawezs - klingt nicht wirklich besser.

Die vielfältigen Antworten auf eine solche Leitfrage kann man kurz und knapp mit Talent Management überschreiben. Wie es derzeit die allermeisten Unternehmen machen – noch. Falls Ihnen der Begriff inzwischen fad und schal und wässrig klingt, können Sie sich gerne einen frischen einfallen lassen. Aber tun Sie dies mit Bedacht. Selbst die Kirchen haben noch kein neues Wort für Gott gefunden. Und modische Synonyme wie etwa "spirituelles Bedürfnis" tönen meines Erachtens ziemlich gestelzt.

Bleiben wir also bis auf Weiteres und mit Grummeln doch bei "Talent Management".

Übrigens, das war sie, die Nummer 83, meine allerletzte Talent-Management-Kolumne auf diesem Platz.

Man sieht sich, frau natürlich ebenfalls, wir Talente sowieso.

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talent Management gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Haufe Online Redaktion

Talent Management, Personalentwicklung, Recruiting, Mitarbeiterbindung