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Fluktuationsrate: Die Wechselbereitschaft der Arbeitnehmer steigt

Auch wenn die Stimmung im Kollegenkreis gut ist - viele Arbeitnehmer planen einen Jobwechsel.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Gleich zwei Studien  haben sich mit der Mitarbeiterfluktuation in Deutschland beschäftigt. Beide zeigen, dass deutsche Arbeitnehmer dieses Jahr verstärkt auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber gehen werden – Tendenz steigend.

Ganze 35 Prozent der deutschen Arbeitnehmer spielen konkret mit dem Gedanken ihr jetziges Unternehmen zu verlassen. Das ergibt die Umfrage "Talents and Trends", für die Karriereberatung von Rundstedt etwa 1.000 Männer und Frauen befragt hat. Läge den Befragten ein besseres Angebot eines anderen Unternehmens vor, würde sogar etwa die Hälfte ihren aktuellen Arbeitgeber verlassen.

Studie untersucht Faktoren der Mitarbeiterfluktation

Die Hay Group hat auf Basis eines makroökonomischen Modells die wichtigsten Faktoren der Mitarbeiterfluktuation weltweit analysiert. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland 14 Prozent der Arbeitnehmer noch in diesem Jahr ihr Unternehmen wechseln werden – also ein deutlich geringerer Wert als in der von-Rundstedt-Befragung. Der europäische Durchschnitt liegt laut Hay Group mit etwa 18 Prozent wechselbereiten Arbeitnehmern auch höher als in Deutschland. Am loyalsten sind danach derzeit die Niederländer und Italiener.

Fluktuationsrate in Deutschland: Wechselbereitschaft wird weiter steigen

Doch die Tendenz ist laut der Hay-Group-Analyse weiter steigend: "Deutsche Unternehmen werden es in den kommenden Jahren immer schwerer haben, ihre Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2018 bereits eine Fluktuationsrate von 15,2 Prozent haben werden", sagt Thomas Gruhle, Mitglied der Geschäfts-leitung von Hay Group. Weltweit plant schon jetzt jeder fünfte Angestellte den Arbeitgeberwechsel (21 Prozent).

Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung prüfen

Für Unternehmen weltweit bedeutet das, dass sie sich noch stärker um ihre Angestellten bemühen müssen. "Um Mitarbeiter zu halten, muss nicht nur das Gehalt stimmen. Vielen Arbeitnehmern ist daneben wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, sich beruflich weiterzuentwickeln und dabei von der Firma unterstützt werden", so Gruhle. Nicht zu unterschätzen seien auch die direkten Vorgesetzten. Das Vertrauen in den Chef spiele eine große Rolle, wenn es darum geht, Mitarbeiter an ein Unternehmen zu binden.

Ein Blick in die Zahlen der Rundstedt-Umfrage zeigen: Die Angestellten sind mit vielen Bindungsfaktoren bereits zufrieden. So beurteilen Angestellte ihren Arbeitgeber besonders gut in Bezug auf das soziale Miteinander. Mehr als 60 Prozent der deutschen Arbeitnehmer bewerten ihr Verhältnis zu den Führungskräften, mit denen sie arbeiten positiv und wertschätzend. Darüber hinaus sagen rund 50 Prozent der Befragten, ihr Arbeitgeber achte darauf, dass Arbeitsatmosphäre und -klima im Unternehmen gut und kollegial sind.

Unzureichende Karrieremöglichkeiten führen zu Mitarbeiterfluktuation

Das Thema Work-Life-Balance wird jedoch unterschiedlich wahrgenommen. Während 44 Prozent der Befragten angeben, dass ihr Arbeitgeber auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben achtet, sagt fast jeder Vierte, dass dies in seinem Unternehmen nicht zutrifft. Noch schwächer schneiden die Unternehmen beim Faktor Vergütung ab. Hierbei geben 30 Prozent an, dass sie mit ihrem Gehalt sowie weiteren materiellen Anreizen bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber nicht zufrieden sind. Darüber hinaus sind 31 Prozent der Deutschen der Meinung, dass ihnen ihr Arbeitgeber keine ausreichenden Möglichkeiten zur Entwicklung ihrer Karriere gibt.

Schlagworte zum Thema:  Fluktuation, Mitarbeiterbindung

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