Onboarding, das "An Bord holen" neuer Mitarbeiter, ist entscheidend für einen erfolgreichen Abschluss des Recruiting-Prozesses. Auch in diesem Jahr zeigt die Onboarding Umfrage von Haufe, dass weiterhin Potenziale nicht genutzt werden und Unternehmen einiges besser machen könnten.

Mitarbeiterfluktuation beginnt häufig noch vor dem ersten Arbeitstag: 28 Prozent der neu eingestellten Mitarbeiter kündigen ihr jüngst eingegangenes Arbeitsverhältnis schon bevor Sie überhaupt zum ersten Mal zur Arbeit erscheinen. Am ersten Arbeitstag denken darüber hinaus etwa 15 Prozent aller Neuen an Kündigung. Wie also können Unternehmen, HR-Verantwortliche oder Führungskräfte das „Onboarding“ eines neuen Mitarbeiters so gestalten, dass es nicht zu vorzeitigen Kündigungen oder zur Demotivation in dieser frühen Phase kommt?

Viel Verbesserungspotenzial beim Onboarding

An der zweiten Auflage der Onboarding Umfrage von Haufe haben 354 HR-Verantwortliche im Zeitraum von Juli bis September 2018 teilgenommen. Die Haufe Group hat sich mit der Umfrage zum Ziel gesetzt, herauszufinden, wie Onboarding in Unternehmen umgesetzt wird, welche konkreten Maßnahmen dabei genutzt werden und wo sich Erfolge oder Schwachstellen abzeichnen. Bereits im Jahr 2017 wurden 227 HR-Verantwortliche befragt. Damals gingen 84 Prozent der Befragten davon aus, dass es Verbesserungspotenzial bei ihren damaligen Onboarding-Prozessen gab. In diesem Jahr sind es immer noch 83 Prozent, die Verbesserungspotenzial im Onboarding sehen.

Professioneller Onboarding-Prozess weiterhin selten

Wie wenig verbreitet ein professioneller Onboarding-Prozess in den Unternehmen ist, zeigt sich auch daran, dass die wenigsten Firmen dafür ein Extra-Budget bereitstellen. 90 Prozent der HR-Verantwortlichen geben an, dass sie kein eigenes Budget für den Onboarding-Prozess zur Verfügung haben. Somit ist der Anteil der Unternehmen, die dafür ein Budget zur Verfügung stellen, sogar gesunken: 2017 waren es 86 Prozent, die kein eigenes Budget für Onboarding ausgewiesen hatten.

Glauben in Onboarding-Erfolg ist groß

Dabei sehen die Unternehmen den Nutzen von Onboarding-Maßnahmen durchaus: Die deutliche Mehrheit der Befragten von 91 Prozent glaubt, dass durch ihre Onboarding-Maßnahmen die soziale Integration schneller oder besser gelingt. Immerhin 85 Prozent derjenigen Unternehmen, die bereits Onboarding in irgendeiner Form einsetzen, glauben, dass durch ihre Maßnahmen die fachliche und soziale Integration eines neuen Mitarbeiters verbessert und beschleunigt werden konnte. 89 Prozent glauben außerdem, dass durch Onboarding die fachliche Integration verbessert oder beschleunigt wurde.

Gerade die Anfangsfluktation könne sich außerdem durch besseres Onboarding verringern, davon gehen zumindest 60 Prozent der Befragten aus, hingegen nur 17 Prozent glauben, dass besseres Onboarding hier keine Verbesserung bringt (23 Prozent sind sich unsicher).

Onboarding-Maßnahmen wenig innovativ

Es gibt zwar eine Reihe an hilfreichen Onboarding-Maßnahmen, allerdings setzen die befragten HR-Verantwortlichen auch 2018 zunächst die Klassiker ein: Am häufigsten wird ein Ansprechpartner seitens HR eingesetzt und Einführungsveranstaltungen sind ebenfalls weit verbreitet. Immerhin 43 Prozent suchen inzwischen aber den Kontakt vor dem ersten Arbeitstag und 37 Prozent bieten Unterstützung beim Umzug an.

Die Führungskräfte scheinen der Studie zufolge etwas weniger kreativ zu sein. Sie setzen in der Regel ausschließlich auf klassische Maßnahmen wie Einarbeitungsplan, regelmäßige Feedbackgespräche, und Zielvereinbarungen in der Probezeit.

Eher auf Netzwerkbildung und soziale Integration zielende Maßnahmen wie Mentoring oder Coaching, Mitarbeiter-Events, Stationen in anderen Abteilungen oder allgemeine Unterstützung bei Vernetzung werden der Untersuchung zufolge hingegen selten genutzt.

Onboarding-Software noch kaum verbreitet

Die wenigsten Unternehmen setzen bislang auf Software-Unterstützung beim Onboarding-Prozess. 65 Prozent nutzen keine digitale Prozessunterstützung durch Onboarding-Apps oder Software. Allerdings ist dieser Anteil deutlich gesunken: 2017 waren es noch 88 Prozent, die nicht auf Softwareunterstützung setzten.

Somit nutzen auch fast keine Unternehmen die Möglichkeit, Feedback über eine Onboarding-Software einzuholen oder zu geben. Insgesamt bieten aber auch nur 57 Prozent die Möglichkeit, Feedback-Gespräche mit HR-Verantwortlichen zu führen. Verbreiteter (86 Prozent) sind Gespräche mit den Führungskräften als erste Anlaufstelle für Feedback im Onboarding. Neun Prozent der Unternehmen bieten überhaupt keine Möglichkeit zu Feedback.

Onboarding-Prozesse individuell gestalten

Den Studienautoren zufolge gibt es weiteres Verbesserungspotenzial in der passgenauen Gestaltung von Onboarding-Prozessen. Demnach seien Onboarding-Prozesse erfolgreicher, je differenzierter sie in der Praxis gestaltet werden. Allerdings verwendet ein Großteil der Unternehmen (41 Prozent) keine unterschiedlichen Onboarding-Prozesse, 31 Prozent der Unternehmen unterscheiden Onboarding-Prozesse je nach Stellenprofil und immerhin 35 Prozent unterscheiden nach Karrierestufe der neuen Mitarbeiter.

 

Zum Download:

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage zum Thema Onboarding finden Sie zum Download hier im Whitepaper "2. Onboarding Umfrage 2018".

Die Ergebnisse aus dem Jahr 2017 finden Sie im Whitepaper "Onboarding-Umfrage 2017".

 

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