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30.03.2015 | Serie Kolumne Talent Management

Talente in der Warteschleife

Serienelemente
Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Oft ist von den "Feelgood Managern" in Unternehmen zu hören, die für die Zufriedenheit der Talente verantwortlich sind. Diese Funktion ist stark umstritten. Was halten Sie dann von einem Warteschlangen-Manager? Warum Unternehmen diesen Posten schaffen sollten, erklärt Martin Claßen.

"Bitte haben Sie noch ein klein wenig Geduld! Ihre Karriere kommt in Kürze weiter! Die nächste interessante Position unserer Firma ist für Sie reserviert! Gleich geht´s aufwärts! Bitte haben Sie noch ein klein wenig Geduld!"

Sie kennen ähnliche Sätze von Ihren Anrufen bei jeder x-beliebigen Hotline, in der außer solchen von einer mechanischen Stimme gesprochenen Sätzen noch sphärische Musik zur Entspannung beitragen soll - selbst nach einer halben Stunde. Dudel Dudel Dudel.

Bitte haben Sie noch ein klein wenig Geduld! Gleich bewegt sich diese Kolumne in Richtung Talent Management.

Psychologie der Warteschlange

Sind wir doch ehrlich. Im Grunde reihen sich in den meisten Unternehmen selbst die allerbesten Kandidaten trotz Talent Management in träge Warteschlangen ein. Talent und Warten sind jedoch mindestens so dualistisch wie Bayern München und Borussia Dortmund. Entweder Talent. Oder Warten.

Die betriebliche Realität im Talent Management erzeugt in unschöner Regelmäßigkeit lange Warteschlangen ungeduldiger Karrieristen. Denn vielerorts ist die Turbobeförderung eine höchst selten gezogene Option. Da unterscheiden sich die meisten Firmen nicht vom bürokratischen Beamtentum. Weil das so ist, werfen wir heute einen Blick in die "Psychologie der Warteschlange", einem Standardwerk des Harvard-Professors David H. Maister.

Das Warten für Talente erleichtern

Menschen und besonders Talente hassen die Warterei. Welche Psychotricks können Unternehmen einsetzen, um unvermeidliche Wartezeiten so angenehm wie möglich zu gestalten? Hier einige Forschungsergebnisse mit Relevanz für Talent Management:

  • Nicht zu wissen, wie lange man noch warten muss, verlängert die subjektiv wahrgenommene Wartezeit.
  • Wer mit Warteschlangen rechnet, ist geduldiger als der vom Warten völlig Überraschte.
  • Warteschlangen müssen gerecht sein. Am größten wird der Verdruss, wenn jemand später an- und früher drankommt.

Ob nun in der Hotline, an der Kasse oder für den beruflichen Aufstieg. Die Ansatzpunkte beim Warteschlangen-Management liegen auf der Hand. Die vier Grundregeln lauten: Ablenkung, Unterhaltung, Information und Fairness.

Übrigens: Großstädter leben hektischer als Landbewohner und "dis-liken" Warteschlangen noch deutlich häufiger.

Falls Sie bei einem Unternehmen in Hamburg, München oder Essen beschäftigt sind und es mit Ihrer Karriere nicht so richtig weiter geht, können Sie sich um eine vermutlich noch unbesetzte Position bemühen: "Warteschlangenmanager/in". Diese Rolle bringt die Zukunft ins Talent Management - damit die Warteschlange für Talente zum reinen Genuss wird. Wenn Sie es schaffen, dass niemand mehr befördert werden möchte, haben Sie das ultimative Ziel ihrer neuen Profession erreicht: Die ganze Firma wartet mit Leidenschaft. 

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talent Management gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Haufe Online Redaktion

Talent Management, Personalentwicklung, Recruiting, Mitarbeiterbindung

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