Gleichstellungsreport

Teilzeit und Fürsorgearbeit als Hürden für mehr Gleichstellung


WSI-Report 2026 zur Gleichstellung

Trotz kleiner Fortschritte beim Gender Pay Gap und der Ganztagsbetreuung von Kindern sind Frauen und Männer noch weit von echter Gleichstellung entfernt. Denn Frauen tragen nach wie vor die Hauptlast unbezahlter Arbeit, arbeiten überdurchschnittlich oft in Teilzeit und sind finanziell weniger abgesichert. Das belegt ein Bericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Ab zur Arbeit, anschließend die Kinder betreuen und danach noch den Haushalt erledigen: Frauen stemmen oft eine doppelte, wenn nicht sogar dreifache Belastung. Neben ihrer Erwerbstätigkeit übernehmen sie den Großteil der unbezahlten Aufgaben, insbesondere in der Haus- und Sorgearbeit. Dadurch sind Frauen häufiger in Teilzeit beschäftigt und verdienen weniger – was wiederum zu einer deutlich schlechteren finanziellen Altersabsicherung führt als bei Männern. Zu diesem Schluss kommt der WSI-Report zum Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland mit Fokus Sorgearbeit.

Fortschritte bei Gender Pay Gap und Kita-Betreuung

Der Bericht weist darauf hin, dass zwar leichte Fortschritte bei Equal Pay zu beobachten sind. So hat sich der unbereinigte Gender Pay Gap – also die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenlohns von Männern und Frauen – von 18 Prozent im Jahr 2023 auf 16 Prozent im Jahr 2024 verringert. Das bedeutet allerdings, dass Frauen immer noch durchschnittlich 4,10 Euro weniger pro Stunde verdienen als Männer. Weitere Fortschritte sind laut dem Bericht bei der Ganztagsbetreuung zu beobachten. Das Angebot habe sich bei Kindern unter sechs Jahren in den vergangenen 20 Jahren deutlich verbessert und erreiche derzeit jedes zweite Kind von drei bis unter sechs Jahren. In der Altersgruppe von zwei bis unter drei Jahren sind es demnach sogar zwei Drittel der Kinder, die institutionell betreut werden.

Zwei Drittel der Mütter arbeiten Teilzeit, aber nur acht Prozent der Väter

Der Bericht zeigt aber auch, dass Frauen und Männer noch nicht annähernd gleichgestellt sind. So sind Frauen seltener erwerbstätig als Männer (74 Prozent vs. 81 Prozent im Jahr 2023), wobei der Unterschied noch größer ist, wenn Kinder im Haushalt leben (Frauen: 65 Prozent, Männer: 87 Prozent). Besonders niedrig ist die Erwerbsquote von Frauen, wenn das Kind unter drei Jahre alt ist (38 Prozent).  

Auch beim Arbeitspensum zeigt sich eine Diskrepanz. Es lässt sich vermuten, dass Eltern generell öfter in Teilzeit arbeiten. Das stimmt zum Teil auch – trifft laut WSI-Bericht im Schnitt allerdings nur auf Frauen zu. Denn während zwei Drittel der Mütter in Teilzeit arbeiten (Frauen ohne Kinder: 40 Prozent), liegt die Teilzeitquote bei Vätern mit lediglich acht Prozent niedriger als bei Männern ohne Kinder (elf Prozent). Frauen mit Kindern sind im Schnitt also weniger erwerbstätig als ohne, Väter hingegen mehr. Ginge es nach den Männern, würden sie ihre Arbeitszeit im Schnitt um 4,4 Stunden pro Woche reduzieren, während sich Frauen eine um durchschnittlich 3,8 Stunden geringere wöchentliche Erwerbsarbeitszeit wünschen.     

Mütter häufig mit Dreifachbelastung

Der Bericht zeigt weiter, dass erwerbstätige Frauen 1,5-mal so viel unbezahlte Haus- und Sorgearbeit leisten wie erwerbstätige Männer. Wenn Kinder im Haushalt leben, ist die Geschlechterlücke noch ausgeprägter: Während erwerbstätige Männer mit Kindern meist mehr Zeit für Kinderbetreuung, aber eher weniger für Hausarbeit investieren, erledigen Frauen mit Kindern – zusätzlich zum Großteil der Kinderbetreuung – einen deutlich größeren Anteil an häuslichen Tätigkeiten.

Erwerbstätige Frauen betreuen aber nicht nur häufiger Kinder, sondern pflegen auch öfter Angehörige als Männer, wie der Bericht zeigt. Demnach übernehmen erwerbstätige Frauen doppelt so häufig Pflegeverantwortung wie Männer und investieren dabei mehr Zeit. Während Männer meist weniger als zehn Stunden pro Woche pflegen, leisten Frauen häufiger zehn bis 20 Stunden Pflegezeit.

Gleichstellung: Gender Pension Gap bleibt hoch

Wenn Männer in Beziehungen mehr Erwerbsarbeit leisten und Frauen mehr Haus- und Sorgearbeit – ist das nicht gerecht, solange ein solches Modell einvernehmlich geschieht und sich die Arbeitsteilung in etwa die Waage hält? Das Problem: Bei einem solchen Modell erhalten Frauen im Alter deutlich weniger Einkommen als Männer. Tatsächlich beträgt der Gender Pension Gap 43 Prozent; das heißt, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt rund 43 Prozent weniger eigene Altersvorsorgeeinkünfte erhalten als Männer.

Die Autorinnen und Autoren des Berichts empfehlen, familiäre Fürsorgeverantwortung für Kinder und/oder pflegebedürftige Personen dauerhaft als zentrales Analysemerkmal neben dem Geschlecht zu berücksichtigen und stärker in politischen wie auch wissenschaftlichen Diskussionen zu thematisieren. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) solle um dieses Merkmal erweitert werden, um Diskriminierung besser zu verhindern. Sie fordern zudem, die Gesamtarbeitszeiten – einschließlich unbezahlter Arbeit – in den Mittelpunkt zu stellen, familienfreundliche Maßnahmen auszubauen und einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, um Benachteiligungen im Arbeitsleben effektiv abzubauen.


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