Equal Pay Day: Aktuelle Zahlen zum Gender Pay Gap

Am 7. März ist Equal Pay Day, der internationale Aktionstag gegen ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Aktuell liegt der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen 4,31 Euro unter dem von Männern. Wir haben die wichtigsten Fakten zum "Gender Pay Gap" zusammengefasst.

Der Gender Pay Gap ist die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdiensts der Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. Es stehen dabei zwei Indikatoren mit unterschiedlicher Intention zur Verfügung: Der unbereinigte Gender Pay Gap und der bereinigte Gender Pay Gap.

Unbereinigte vs. bereinigte Entgeltlücke

Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht allgemein den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer beziehungsweise Arbeitnehmerinnen miteinander. Mithilfe des unbereinigten Gender Pay Gaps wird auch der Teil des Verdienstunterschieds erfasst, der durch schlechtere Zugangschancen von Frauen hinsichtlich bestimmter Berufe oder Karrierestufen verursacht wird, die möglicherweise ebenfalls das Ergebnis benachteiligender Strukturen sind. Der bereinigte Gender Pay Gap hingegen misst den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien.

Laut Statistischem Bundesamt sind 63 Prozent der Verdienstunterschiede strukturbedingt erklärbar – also unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in Branchen und Berufen arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird und sie seltener Führungspositionen erreichen. Die verbleibenden 37 Prozent des Verdienstunterschieds entsprechen dem bereinigten Gender Pay Gap.

Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Gender Pay Gap

Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts haben Frauen im Jahr 2022 in Deutschland 18 Prozent weniger verdient als Männer - das ist der unbereinigte Gender Pay Gap. Demnach verdienten Frauen mit durchschnittlich 20,05 Euro brutto in der Stunde 4,31 Euro weniger als Männer (24,36 Euro). Alle Informationen zur Erhebungsmethodik lesen Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes. Die Ergebnisse für das Jahr 2022 sind aufgrund eines Wechsels der Datenquelle und der Erhebungsmethodik nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.

Der bereinigte Gender Pay Gap liegt laut statistischem Bundesamt bei sieben Prozent. Diese Angabe beruht seit diesem Jahr erstmals auf der neuen monatlichen Verdiensterhebung. Zuvor lag dem Bericht die Verdienststrukturerhebung (VSE) von 2018 zugrunde, die nur alle vier Jahre durchgeführt wurde. Bei der monatlichen Verdiensterhebung fällt beispielsweise der Anteil der Verdienststärksten höher aus als noch in der Verdienststrukturerhebung. Da sich unter diesen Verdienststärksten mehr Männer als Frauen befinden, fällt die absolute Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern im Berichtsjahr 2022 höher aus als noch im Vorjahr (2021: 4,08 Euro).

Gender Gap Arbeitsmarkt betrachtet mehrere Dimensionen der Verdienstungleichheit

Der Gender Pay Gap gilt als der zentrale Indikator für Verdienstungleichheit zwischen Frauen und Männern. Verdienstungleichheit begrenzt sich jedoch nicht nur auf Bruttostundenverdienste. Nicht am Erwerbsleben teilzunehmen oder in Teilzeit zu arbeiten, birgt mittel- bis langfristige Verdienstfolgen. Das Statistische Bundesamt hat daher anlässlich des Equal Pay Day 2023 erstmals den "Gender Gap Arbeitsmarkt" erhoben und veröffentlicht. Als neuer Indikator für erweiterte Verdienstungleichheit betrachtet der Gender Gap Arbeitsmarkt mehrere Dimensionen: Neben der Verdienstlücke pro Stunde macht er Unterschiede in der bezahlten monatlichen Arbeitszeit (Gender Hours Gap) und in der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern (Gender Employment Gap) sichtbar. Details zur Berechnung des Gender Gap Arbeitsmarkt finden Sie auf den Internetseiten des Statistischen Bundesamts.

Hohe Teilzeitquote und geringere Erwerbsbeteiligung von Frauen

Eine wesentliche Ursache für die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern ist die hohe Teilzeitquote von Frauen. Während Männer im Monat 148 Stunden einer bezahlten Arbeit nachgingen, waren es bei Frauen nur 121 Stunden. Damit brachten Frauen 18 Prozent weniger Zeit für bezahlte Arbeit auf als Männer (Gender Hours Gap). Ab dem durchschnittlichen Alter bei der Geburt des ersten Kindes (bei Müttern: 30,5 Jahre) stieg der Gender Hours Gap mit zunehmendem Alter nahezu stetig an: Während Frauen häufig ihre Arbeitszeit reduzierten, weiteten viele Männer ihre Arbeitszeit aus. Am höchsten fällt der Gender Hours Gap bei Personen im Alter zwischen 39 und 41 Jahren mit 23 Prozent aus.

Aktuelle Zahlen zur Erwerbstätigkeit liegen aus dem Jahr 2021 vor: 72,1 Prozent aller Frauen gingen einer bezahlten Arbeit nach und 79,4 Prozent aller Männer. Diesen Unterschied in den Erwerbstätigenquoten misst der Gender Employment Gap. 2022 lag er bei 9 Prozent.

Gender Gap Arbeitsmarkt liegt bei 39 Prozent

Der Gender Gap Arbeitsmarkt vereint nun diese drei Gender Gaps (Gender Pay Gap, Gender Hours Gap und Gender Employment Gap). Es fließen also drei Größen in die Berechnung ein: Bruttostundenverdienste, bezahlte Arbeitsstunden und Erwerbstätigenquoten. Als erweiterter Indikator für Verdienstungleichheit beleuchtet er die Verdienst- und Beschäftigungssituation von Frauen und Männern von verschiedenen Seiten. Je höher der Gender Gap Arbeitsmarkt, desto stärker ist die Verdienstungleichheit auf dem Arbeitsmarkt ausgeprägt. Die einzelnen Gender Gaps geben dabei Aufschluss über strukturelle Ursachen von Verdienstungleichheit. Im Jahr 2022 lag der Gender Gap Arbeitsmarkt bei 39 Prozent.

Gender Gap im Europa-Vergleich

Deutschland hat eine der größten Verdienstlücken zwischen Frauen und Männern in Europa. Im Vergleich von 27 EU-Ländern liegt Deutschland nur auf Platz 24. Schlusslichter in dem aktuellen Vergleich von Eurostat, dem die Daten von 2020 zugrunde liegen, sind Lettland (22,3 Prozent) und  Estland (21,1 Prozent). Spitzenreiter, das heißt die Länder mit den kleinsten Entgeltlücken, sind Luxemburg (0,7 Prozent), Rumänien (2,4 Prozent) und Slowenien (3,1 Prozent).

Auch der Gender Gap Arbeitsmarkt liefert im EU-Vergleich interessante Einblicke in die Ursachen von Verdienstungleichheit: Beispielsweise wies Italien im Jahr 2018 (aktuellere Daten liegen nicht vor) einen Gender Pay Gap von gerade einmal 5 Prozent auf, während der von Deutschland bei 20 Prozent lag. Dennoch fiel der Gender Gap Arbeitsmarkt in beiden Ländern ähnlich hoch aus (Deutschland: 42 Prozent, Italien: 43 Prozent). Der hohe Wert in Italien war darauf zurückzuführen, dass Frauen in Italien im Vergleich zu Männern deutlich seltener erwerbstätig waren. Im Vergleich mit allen EU-Mitgliedstaaten hatte Deutschland 2018 den vierthöchsten Gender Gap Arbeitsmarkt (englisch: Gender Overall Earnings Gap). Lediglich in Österreich, in den Niederlanden und in Italien war die Verdienstungleichheit auf dem Arbeitsmarkt beim Blick auf die Bruttostundenverdienste, die Arbeitszeit und die Erwerbsbeteiligung noch ausgeprägter als in Deutschland.

Gender Pay Gap in Ostdeutschland deutlich niedriger

Nach wie vor fällt der unbereinigte Gender Pay Gap in Ostdeutschland viel geringer aus als in Westdeutschland. Im Westen lag der unbereinigte Gender Pay Gap im Jahr 2022 mit 20 Prozent mehr als dreimal so hoch wie im Osten (6 Prozent). Der bereinigte Gender Pay Gap beträgt in Ostdeutschland 10,8 Prozent und in Westdeutschland 15,3 Prozent.

Regionale Unterschiede beim Gender Pay Gap

Den höchsten Gender Pay Gap in Deutschland hat laut einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bodenseekreis, hier liegt die Verdienstlücke bei 40 Prozent. Auch in Ingolstadt ist sie mit 37 Prozent sehr hoch. Dagegen verdienen Frauen in vier Kreisen Ostdeutschlands sogar mehr als Männer. In Dessau-Roßlau liegt das Gehalt vollzeitbeschäftigter Frauen rund 2 Prozent über dem vollzeitbeschäftigter Männer. Auch in Frankfurt/Oder, Cottbus und im Landkreis Stendal liegen vollzeitbeschäftigte Frauen in puncto Gehalt im Schnitt vor den Männern.

"Es hängt sehr stark von der konkreten Beschäftigungsstruktur vor Ort ab, ob und wie viel Frauen weniger verdienen als Männer", berichtet Michaela Fuchs vom Regionalen Forschungsnetz des IAB. So seien etwa im Bodenseekreis viele Männer vor allem in größeren Industriebetrieben tätig. In Dessau-Roßlau arbeiten Männer dagegen überdurchschnittlich häufig in Berufen der Lagerwirtschaft, Post und Zustellung - also in Berufen, in denen eher weniger verdient wird. Frauen dagegen seien häufiger in Verwaltungs- und Büroberufen anzutreffen, mit mittlerem Verdienstniveau.

Einfluss von Unternehmensgröße und Branche auf den Gender Pay Gap

Die bereinigte Entgeltlücke ist in kleinen Firmen generell ausgeprägter als in großen Unternehmen und unterscheidet sich auch nach Branchen. Den niedrigsten Gender Pay Gap hat laut aktuellem WSI-Gleichstellungsreport der Bereich Wasserversorgung und Abfallentsorgung (2 Prozent), den höchsten Wert verzeichnet die Kunst-, Unterhaltungs- und Erholungsindustrie (30 Prozent). In 13 von 17 untersuchten Branchen liegt der Gender Pay Gap im zweistelligen Prozentbereich. Auffällig ist, dass der Gender Pay Gap gerade in der "frauentypischen" Branche des Gesundheits- und Sozialwesens mit 23 Prozent sogar über dem Durchschnitt liegt.

Gender Pay Gap variiert nach Altersgruppen

Der Gender Pay Gap variiert zudem stark nach Alter. Wie Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels zeigen, ist der Gender Pay Gap bei den 20- bis 30-Jährigen noch nicht sehr ausgeprägt. Zwar liegen die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne von Frauen auch in dieser Altersgruppe etwas unter denen der Männer, aber beide Gruppen verzeichnen in diesem Alter ein ähnliches Lohnwachstum.

Ab dem Alter von 30 Jahren jedoch steigt der Gender Pay Gap stark an, da ab diesem Zeitpunkt die durchschnittlichen Brutto-Stundenlöhne der Frauen kaum noch zunehmen, während für Männer bis zum Alter von 40 Jahren ein hohes Lohnwachstum zu verzeichnen ist. Der Gender Pay Gap beträgt in der Gruppe der 20- bis 30-Jährigen demnach etwa sieben Prozent. Danach steigt er aber stark und erreicht im Alter ab 40 Jahren über 22 Prozent. Auf diesem hohen Niveau verbleibt er dann bis zum Ende des Erwerbslebens. Empirische Studien haben gezeigt, dass sich dieses Muster seit Anfang der 1990er Jahre nicht verändert hat.

Gender Care Gap als Grund für den Gender Pay Gap

Als einer der wesentlichen Gründe für diese Entwicklung des Gender Pay Gaps über den Lebensverlauf, der nicht zufällig zum Zeitpunkt des durchschnittlichen Alters bei Geburt des ersten Kindes stark steigt, wird häufig die ungleiche Verteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen genannt (Gender Care Gap).

Mit der Geburt eines Kindes haben Frauen deutlich häufiger als Männer familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit. Beides beeinflusst auch den Stundenlohn negativ. In Deutschland leisten Frauen im Durchschnitt etwa eineinhalbmal so viel unbezahlte Sorgearbeit wie Männer – der Gender Care Gap beträgt demnach im Durchschnitt über die Gesamtbevölkerung gut 50 Prozent.


Mehr zu den Ursachen für den Gender Pay Gap lesen Sie auf der folgenden Seite.


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Schlagworte zum Thema:  Vergütung, Gleichstellung, Equal Pay