Infografik
Große regionale Unterschiede beim Gender Pay Gap. Bild: IAB/Statista

Am 18. März ist wieder Equal Pay Day, der internationale Aktionstag gegen ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Wir haben die wichtigsten Fakten zum "Gender Pay Gap" zusammengefasst. Neue Forschungsergebnisse stützen die Hypothese, dass weibliche Arbeit systematisch schlechter bezahlt wird.

Laut einer aktuellen Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) variiert die Lohnlücke regional sehr stark. In einigen neuen Bundesländern haben Frauen gar die Nase vorn bei der Vergütung, wie die Infografik von Statista zeigt. Am extremsten sind die Unterschiede in den Landkreisen Dingolfing-Landau, wo Frauen 38 Prozent weniger verdienen und Cottbus, wo Frauen 17 Prozent mehr verdienen als Männer.

Gender Pay Gap: Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Zurückzuführen seien die großen Unterschiede auf die regionale Wirtschaftsstruktur. In Bundesländern mit einer stark industriell geprägten Wirtschaft sei der Gender Pay Gap besonders hoch, so das IAB. Beim Beispiel Dingolfing-Landau ist das die Kraftfahrzeugbranche und einige Großbetriebe, wo fast die Hälfte aller Männer tätig sind. Ist die Wirtschaft deutlicher auf den Dienstleistungssektor und den öffentlichen Dienst ausgerichtet, wie beim Beispiel Cottbus mit kaum ausgeprägter Industrie, verdienen Frauen besser.

Entgeltlücke nach Branchen und Gehaltsklassen

Die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen schwankt auch sehr stark je nach Branche und Verdienstklasse. So ist der Gender Pay Gap in höher bezahlten Berufen tendenziell größer als in geringer vergüteten Berufen. Aktuelle Analysen des Vergütungsportals Gehalt.de ergaben: Bei Berufen mit einem Jahreseinkommen von maximal 35.000 Euro die Entgeltlücke in der Metallindustrie am größten. Hier verdienen Arbeitnehmerinnen fast 10 Prozent weniger als Männer. Auf dem zweiten Rang befinden sich die Medizintechnik und die Maschinenbaubranche mit jeweils 6,4 Prozent Lohnunterschied. In höher vergüteten Berufen mit einem Jahreseinkommen von bis zu 66.000 Euro ist die Lohnlücke in der Werbe- und PR-Branche am höchsten. Sie beträgt hier fast 13 Prozent. Knapp dahinter folgen das Gesundheitswesen mit 12,4 Prozent sowie die Logistik- und Transportbranche mit 10,7 Prozent.

Wo Frauen mehr verdienen als Männer

In einigen Branchen verdienen Frauen sogar mehr als Männer, so zum Beispel in der Tourismus- und Freizeitindustrie. Hier verdienen Frauen in der Vergütungsklasse bis 35.000 Euro etwa 6 Prozent mehr als ihre männlichen Kollegen, in höher bezahlten Berufen 4,2 Prozent mehr als die Männer. Auch in öffentlichen Verwaltungen ermittelte Gehalt.de einen Lohnunterschied von 3 Prozent zu Gunsten der weiblichen Beschäftigten. Es folgen Ingenieurbüros (2,6 Prozent), die Chemiebranche (1,7 Prozent) und Unternehmensberatungen (1,3 Prozent).

Gender Pay Gap nach Hierarchiestufen

Auch mit steigender Hierarchiestufe wächst die Gehaltslücke. Während Frauen im unteren Management (zum Beispiel Teamleiter) 21 Prozent weniger verdienen, sind es im mittleren Management (zum Beispiel Bereichsleitung) 27 Prozent. In der obersten Managementebene (zum Beispiel Geschäftsführung) wächst der Gender Pay Gap schließlich auf 42 Prozent. (Quelle: Stepstone Gehaltsreport 2018).

Lohnlücke in Deutschland größer als in den meisten Ländern Europas

In der Gesamtbetrachtung liegt der Gender Pay Gap in Deutschland laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich bei 21 Prozent und damit höher als in den meisten Ländern Europas (siehe auch Infografik: Gender Pay Gap im Europavergleich). Laut der Berechnung des IAB, die nur auf den Daten von Vollzeitbeschäftigten beruht, verdienen Frauen in Deutschland insgesamt 14,2 Prozent weniger. Da Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer, macht das IAB allerdings deutlich, dass die regionalen Verdienstunterschiede aus der Berechnung eher unterzeichnet sind.

"CW-Index": Geschlechtsneutrales Arbeitsbewertungsverfahren

Anlässlich des „Equal Pay Day“ präsentieren auch das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) und das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) neue Forschungsergebnisse zum Gender Pay Gap.

Um die Bewertungen und Bezahlungen weiblicher Erwerbsarbeit statistisch kritisch zu hinterfragen, haben die Forscherinnen von IAQ und WSI in Anlehnung an ein geschlechtsneutrales Arbeitsbewertungsverfahren („Paarvergleich“ aus dem eg-check) den so genannten „Comparable Worth-Index“ (CW) entwickelt, der bei der Arbeitsbewertung nicht nur Wissen und Können erfasst, sondern zum Beispiel auch Verantwortung für Andere oder psycho-soziale und physische Arbeitsanforderungen berücksichtigt. Der „CW-Index“ ist ein Messinstrument, mit dem statistisch die Anforderungen und Belastungen in Berufen geschlechtsneutral verglichen werden können.

Neue Analyse zeigt: Weibliche Arbeit wird systematisch abgewertet

Die Analysen zeigen, dass insgesamt die Anforderungen und Belastungen in „Frauenberufen“ geringer entlohnt werden als in „Männerberufen“ und auch die Arbeitsleistung von Frauen im Allgemeinen geringer honoriert wird als die von Männern. „Hier können wir erstmals statistisch nachweisen, dass weibliche Erwerbsarbeit von systematischen Abwertungen betroffen ist, das heißt gemessen an ihren Anforderungen und Belastungen vergleichsweise geringer entlohnt wird als männliche Erwerbsarbeit“, stellt die IAQ-Forscherin Sarah Lillemeier fest. Keine Regel ohne Ausnahme: Es gibt 2 „Männerberufe“ (Kraftfahrzeugführer, Lkw- und Busfahrer), die im Vergleich mit gleichwertigen „Frauenberufen“ geringer entlohnt werden.

Bewertung und Bezahlung per Tarifvertrag schützt

Tendenziell nimmt die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern mit denselben oder vergleichbaren beruflichen Anforderungen und Belastungen mit steigendem Anforderungsniveau zu. Auch die Tarifbindung der Beschäftigten spielt eine Rolle: „Wer tariflich entlohnt wird, ist meist besser dran. Denn dann fallen die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern bei gleichen oder gleichwertigen beruflichen Anforderungen und Belastungen deutlich geringer aus“, stellt Dr. Christina Klenner vom WSI fest.

Forschungsergebisse stützen "Devaluationshypothese"

„Die Leistungen von Frauen und Männern sowie in „Frauen“- und „Männerberufen“ werden am Arbeitsmarkt nicht gleichermaßen honoriert“, kritisieren die Forscherinnen und weisen darauf hin, dass dieses Ergebnis nur schwer zu vereinbaren ist mit dem gesellschaftlich vorherrschenden Legitimationsprinzip der Leistungsgerechtigkeit. Dabei bestätigt sich die These der bestehenden Abwertung weiblicher Erwerbarbeit („Devaluationshypothese“) auch unter Berücksichtigung weiterer verdienstrelevanter Faktoren, wie beispielsweise der Arbeitszeit, der Berufserfahrung, der Tarifbindung und der Branchenzugehörigkeit der Beschäftigten. Unter Kontrolle dieser Faktoren führt die Zunahme der beruflichen Anforderungen und Belastungen (der CW-Index steigt um eine Einheit) zu je einem Verdienstzuwachs von mehr als 6 Prozent bei den Männern und weniger als 5 Prozent bei den Frauen.

Lohnungleichheit zwischen" weiblichen" und "männlichen" Berufen

In vielen weiblich dominierten Bereichen wie Erziehung und Pflege sind die beruflichen Anforderungen und Belastungen vergleichsweise hoch, gleichzeitig fallen die Verdienste dort geringer aus. Legt man den „CW-Index“ als Maßstab an, haben die Beschäftigten in der größtenteils von Frauen ausgeübten Altenpflege vergleichbar hohe Anforderungen und Belastungen zu bewältigen wie die in den männlich dominierten IT- und Technikberufen. Allerdings bekommen die Beschäftigten in der Altenpflege durchschnittlich nur 14,42 Euro pro Arbeitsstunde und die Beschäftigten im Technik- und IT-Bereich zwischen 25,72 Euro und 27,92 Euro.

Entgelttransparenzgesetz soll Gender Pay Gap verringern

„Hier gibt es einen ganz zentralen politischen Handlungsbedarf, der insbesondere die Aufwertung der gesellschaftlich hoch relevanten personennahen Dienstleistungen zum Ziel haben sollte“, fordert IAQ-Direktorin Prof. Dr. Ute Klammer. Seit Januar 2018 gilt bereits das so genannte Entgelttransparenzgesetz, dessen Ziel es ist gleiches Entgelt für Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit zu erreichen. Ob dies gelingt, ist Experten zufolge Allerdings fraglich (siehe auch: Kommentar von Gregor Thüsing: "Das Gesetz erreicht sein Ziel nicht").


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Schlagworte zum Thema:  Vergütung, Gehalt, Equal Pay

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