| Equal Pay Day

Rote Zahlen auf dem Konto

Frauen verdienen nach wie vor deutlich weniger als Männer - darauf macht der jährliche Aktionstag "Equal Pay Day" aufmerksam.
Bild: Businessfotografie Inga Haar

Am morgigen Samstag, 19. März, findet in Deutschland zum siebten Mal der Equal Pay Day, ein internationaler Aktionstag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, statt. Derzeit beträgt die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern - auch "Gender Pay Gap" genannt - in Deutschland 21 Prozent.

Von Kopf bis Fuß in Rot gekleidet oder zumindest mit roten Taschen wollen morgen (19.3.) Tausende Frauen auf einen hartnäckigen Missstand der reichen Bundesrepublik aufmerksam machen: Bei Löhnen, Gehältern und Renten klafft weiter eine riesige Lücke zwischen Frauen und Männern. Die Farbe Rot soll dabei für die roten Zahlen auf dem Konto vieler Frauen stehen.

Entgeltlücke hat verschiedene Ursachen

Zu wenige Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Karrierelücken wegen Kindererziehung und Pflege Angehöriger, zu wenig Geld für „typische“ Frauenberufe und vielfach weiterhin deutliche Bezahlungsunterschiede bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit - die Probleme sind lange erkannt und es gibt politische Gegenmaßnahmen, doch der Weg ist mühsam und noch weit.

Aktionstag „Equal Pay Day“

„Recht auf mehr“, konstatiert die bundesweite Gleichstellungsaktion von Frauenverbänden und Gewerkschaften am Samstag. Der sogenannte „Equal Pay Day“ am 19. März ist der Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland im statistischen Durchschnitt arbeiten müssen, um dasselbe Geld zu verdienen, das die Männer schon zum Jahresende des Vorjahres auf dem Konto hatten.

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen die Kritik: Danach kamen Arbeitnehmerinnen 2015 auf durchschnittlich 16,20 Euro brutto je Stunde, das waren 21 Prozent weniger als Männer (20,59 Euro). Im Jahr zuvor hatte der Abstand noch 22 Prozent betragen. Es geht also ganz langsam voran.

Entgeltlücke hat sich etwas verringert – dank Mindestlohn?

Einer der Gründe dafür, dass sich die Kluft etwas verringerte, könnte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro je Stunde zum 1. Januar 2015 sein, erklärten die Statistiker. Eine exakte Bewertung sei mit den Daten der vierteljährlichen Verdiensterhebung zwar nicht möglich. Der stärkere Anstieg der Stundenverdienste von Frauen im vergangenen Jahr gehe aber vor allem auf hohe Zuwächse bei den vom Mindestlohn betroffenen ungelernten und angelernten Arbeitnehmerinnen zurück. Besonders groß sind die Verdienstunterschiede in Westdeutschland mit 23 Prozent. In den neuen Ländern waren es nur 8 Prozent.

Bei der Rente zeigt sich der Geschlechterunterschied noch deutlicher

Bei den Alterseinkünften zeigt sich der Geschlechterunterschied vielfach noch deutlicher. Als gesetzliche Altersrente erhielten einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge Frauen 2014 durchschnittlich 618 Euro, Männer 1037 Euro. Hinzu kämen Betriebsrenten, bei denen Männer 2011 im Schnitt mit 574 Euro fast dreimal so viel Geld bezogen wie Frauen. Rechnet man alle Alterseinkünfte einschließlich privater Vorsorge zusammen, bekommen Frauen nach Erkenntnissen der Rentenforscherin Brigitte Loose nur 43 Prozent der Bezüge der Männer. 1992 sei der Unterschied aber noch größer gewesen: Damals lagen die Frauen laut der Mitteilung nur bei 31 Prozent des Männer-Niveaus. Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern schrumpfe ganz langsam, weil mehr Frauen erwerbstätig seien und Erziehungszeiten besser anerkannt würden, heißt es in der Studie, an der auch das Forschungsteam Internationaler Arbeitsmarkt in Berlin war.

Deutschland hinkt auch im internationalen Vergleich hinterher

Bei der wirtschaftlichen Gleichstellung von Frauen hinkt Deutschland auch im weltweiten Ländervergleich hinterher. Das zeigt die aktuelle Gender-Gap-Studie der Manpower Group. Zwar belegt die Bundesrepublik Platz elf von 145 untersuchten Ländern und verbessert sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz. Doch ist dies vor allem den guten Rahmenbedingungen in den Bereichen Gesundheit und politische Teilhabe zu verdanken. Baustellen bleiben die Themen Lohngleichheit und Frauen in Führung. So landet die Bundesrepublik im Teil-Ranking "Wirtschaft" nur auf Rang 38. Angeführt wird das Gesamt-Ranking von den nordischen Ländern Island, Norwegen, Finnland und Schweden auf den Plätzen eins bis vier.

Transparenz und gleiche Maßstäbe

Während vollbeschäftigte Frauen in der Bundesrepublik laut der Manpower-Studie durchschnittlich 32.679 Euro verdienen, erhalten Männer 49.431 Euro Gehalt - eine Differenz von 34 Prozent. "Auch wenn Männer selbstbewusster verhandeln, wie Untersuchungen zeigen, sollten Unternehmen gleiche Maßstäbe anlegen und das auch transparent machen", sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der Manpower Group Deutschland. Das Gehalt sei Ausdruck der Wertschätzung eines Unternehmens und Motivationsfaktor. "In Zeiten des Fachkräftemangels sollten Firmen ein Eigeninteresse daran haben, Frauen als Talente zu gewinnen und zu binden - ein leistungsgerechtes Gehalt ist dafür ein Schlüsselfaktor", so Brune.

Über den Equal Pay Day

Entstanden ist der Tag für gleiche Bezahlung in den USA. Die amerikanischen Business and Professional Women (BPW) schufen 1988 mit der "Red Purse Campaign" ein Sinnbild für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen. Diesen Gedanken griff BPW Germany auf und startete 2008 die Initiative "Rote Tasche", die den Grundstein für die bundesweite Einführung des Equal Pay Day legte. BPW ist eines der größten und ältesten Berufsnetzwerke für angestellte und selbständige Frauen. BPW Germany ist Teil des BPW International, der in rund 100 Ländern vertreten ist und Beraterstatus bei den Vereinten Nationen und beim Europarat genießt. Inzwischen findet der Equal Pay Day in über 20 europäischen Ländern statt.

Aktionsbündnis in Deutschland

2009 formierte sich auf Initiative des BPW Germany ein nationales Aktionsbündnis bestehend aus der Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), dem Deutschen Frauenrat (DF) und dem Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU). Das Bündnis konnte bereits im ersten Jahr bundesweit rund 60.000 Bürgerinnen und Bürger mobilisieren und verzeichnete rund 180 Aktionen. Von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der AktivistInnen: Beim EPD 2015 wurden rund 1.000 Aktionen in Deutschland gemeldet und bekamen eine Menge medialer und politischer Aufmerksamkeit. 

 

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Schlagworte zum Thema:  Vergütung, Gehalt, Frauen, Equal Pay

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