Equal Pay Day: Aktuelle Zahlen zum Gender Pay Gap Infografik

Am 17. März ist wieder Equal Pay Day, der internationale Aktionstag gegen ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Wir haben die wichtigsten Fakten zum "Gender Pay Gap" zusammengefasst. Die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts deuten auf einen leichten Rückgang der Entgeltlücke in Deutschland hin.

Der Gender Pay Gap ist die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Männer und Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. Es stehen dabei zwei Indikatoren mit unterschiedlicher Intention zur Verfügung: Der unbereinigte Gender Pay Gap und der bereinigte Gender Pay Gap.

Unbereinigte vs. bereinigte Entgeltlücke

Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht allgemein den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer beziehungsweise Arbeitnehmerinnen miteinander. Mithilfe des unbereinigten Gender Pay Gap wird auch der Teil des Verdienstunterschieds erfasst, der durch schlechtere Zugangschancen von Frauen hinsichtlich bestimmter Berufe oder Karrierestufen verursacht wird, die möglicherweise ebenfalls das Ergebnis benachteiligender Strukturen sind. Der bereinigte Gender Pay Gap hingegen misst den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien.

Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Gender Pay Gap

Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts haben Frauen im Jahr 2019 in Deutschland 20 Prozent weniger verdient als Männer. Der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern – der unbereinigte Gender Pay Gap – war damit um 1 Prozentpunkt geringer als in den Vorjahren. Demnach verdienten Frauen mit durchschnittlich 17,72 Euro brutto in der Stunde 4,44 Euro weniger als Männer (22,16 Euro). 2018 hatte die Differenz 4,51 Euro betragen.

Nach wie vor fällt der unbereinigte Gender Pay Gap in Ostdeutschland viel geringer aus als in Westdeutschland. Im Westen ist der unbereinigte Gender Pay Gap im Jahr 2019 um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent gesunken, während er im Osten mit 7 Prozent unverändert blieb. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, zeigt sich für Gesamtdeutschland ein sehr langsamer, aber stetiger Rückgang des unbereinigten Gender Pay Gap. Dieser hatte 2014 mit 22 Prozent um 2 Prozentpunkte höher gelegen als 2019.

Der bereinigte Gender Pay Gap liegt laut statistischem Bundesamt bei 6 Prozent, diese Angabe beruht allerdings auf der Verdienststrukturerhebung (VSE) von 2014. Die Ergebnisse der aktuellen VSE werden erst Mitte 2020 bekannt gegeben.

Bereinigte Entgeltlücke derzeit bei 7,5 Prozent

Auch die Gehaltsvergleichsplattform Gehalt.de verfolgt die Entwicklung des Gender Pay Gap in Deutschland, verwendet aber eine andere Datengrundlage für ihre Berechnung. Basis der aktuellen Studie „Equal Pay 2020“ sind 76.530 Gehaltsdatensätze aus der eigenen Datenbank. Demnach beträgt die unbereinigte Entgeltlücke in Deutschland derzeit 23,5 Prozent und die bereinigte 7,5 Prozent. Im Vergleich zu den Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind diese Zahlen für die Lücke leicht höher. Das liegt daran, dass die verwendeten Gehälter (Total Cash) Sonderzahlungen, also Weihnachtsgeld, variable Vergütung etc. enthalten. Beim Statistischen Bundesamt ist dies nicht der Fall.

Die Analysen von Gehalt.de geben Einblick in weitere Details zum Gender Pay Gap: Wie hoch ist die Entgeltlücke in unterschiedlichen Branchen und Berufen? Welchen Einfluss haben Alter, Region oder Unternehmensgröße auf die Lohnlücke?

Gehaltsdifferenz im Bundesländervergleich

Im Regionalvergleich liegt die niedrigste unbereinigte Entgeltlücke in Berlin vor (11,8 Prozent). Auch in den anderen östlichen Bundesländern wie in Brandenburg (12,7 Prozent) oder Mecklenburg-Vorpommern (12 Prozent) ist sie ebenfalls niedrig. Am höchsten ist der Wert in Baden-Württemberg mit 21,4 Prozent. „Mit steigendem Gehaltsniveau finden wir auch eine höhere Entgeltlücke vor. So sind die Gehaltsdifferenzen zwischen Frauen und Männern in den östlichen Bundesländern schwächer ausgeprägt, da hier auch generell niedrigere Einkommen als in anderen Regionen vorliegen“, so Bierbach.

Gender Pay Gap nach Branchen

In der Auswertung sticht die Immobilienbranche hervor: Hier verdienen weibliche Fachkräfte unter gleichen Voraussetzungen rund 12,8 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Auch im Handwerk (11,3 Prozent) und im Maschinenbau (10,6 Prozent) ist der Wert relativ hoch. In sozialen Einrichtungen ist dieser vergleichsweise klein (1,3 Prozent).

Gender Pay Gap nach Berufsgruppen

Unter Berufsgruppen stellten die Analysten die größten Abweichungen im Kundendienst fest: Hier beträgt der bereinigte Gender Pay Gap rund 12,6 Prozent. In der IT liegt er bei rund 6,6 Prozent und im Vertrieb bei 9,3 Prozent. Eine relativ geringe bereinigte Lohnlücke herrscht im Controlling vor, hier unterschieden sich die Gehälter von Frauen und Männern um rund 3,5 Prozent.

Einfluss von Alter und Unternehmensgröße auf den Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap variiert zudem nach Alter. Während in der Altersgruppe 18 bis 30 Jahre die bereinigte Entgeltlücke bei knapp 4 Prozent liegt, beträgt sie unter Beschäftigten zwischen 41 und 50 Jahren 10,5 Prozent. “Die unbereinigte Entgeltlücke wächst mit dem Alter der Beschäftigten. Grund hierfür ist unter anderem eine mögliche Familiengründung von Arbeitnehmerinnen – häufig bremst die Pause durch Mutterschutz, Elternzeit und eine darauffolgende Teilzeitbeschäftigung die Gehaltsentwicklung”, so Bierbach. 

Zudem ist die bereinigte Lücke in kleinen Firmen generell ausgeprägter als in großen Unternehmen. So beträgt der Gender Pay Gap in Konzernen mit über 5.001 Beschäftigten 4,6 Prozent und in kleinen Unternehmen mit höchstens 100 Beschäftigten 8,2 Prozent.

Gender Pay Gap im Europavergleich

Deutschland hat eine der größten Verdientslücken zwischen Frauen und Männern in Europa. EU-weit beträgt der  Gender Pay Gap 16 Prozent. Deutschland liegt weit darüber (siehe Infografik von Statista) - und das unverändert seit Jahren.  Spitzenreiter in dem aktuellen Vergleich von Eurostat, dem die Daten von 2017 zugrunde liegen, ist mit 25,6 Prozent allerdings Estland, gefolgt von Tschechien mit 21,1 Prozent. In Italien und Rumänien liegt der Verdienstunterschied bei lediglich 5 und 3,5 Prozent.

Mehr zu den Ursachen für den Gender Pay Gap lesen Sie auf der folgenden Seite.


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