3 Fragen an Hamid Djadda

Wohnungsbau gegen Widerstand

Bezahlbarer Wohnraum und die Zukunft des Tempelhofer Feldes: Berlin braucht neue Wohnungen, doch über den richtigen Weg wird gestritten – von der Randbebauung des ehemaligen Flughafenareals bis zur Enteignungsdebatte. 3 Fragen an den Immobilieninvestor Hamid Djadda.

Nein Ablehnung Widerstand

Als Immobilieninvestor setzen Sie sich für bezahlbaren Wohnraum und den Erhalt von Kleingewerbe ein. Wie lässt sich soziales Engagement mit den Renditeerwartungen der Immobilienbranche vereinbaren?

Hamid Djadda: Natürlich denke ich an Gewinn, ich bin Kaufmann, aber ich denke auch an die andere Seite. Ich finde Berlin eine wahnsinnig spannende Stadt mit einer Vielfalt und Abwechslung, die ich schätze – das ist aber bedroht. Keine Stadt der Welt hat bisher verhindern können, dass Verdrängung stattfindet.

Die komplette L'Immo-Folge mit Hamid Djadda

                                                                                                 

Und ich fände es einfach zu traurig, wenn es wie in Paris oder London wird, wo die Innenstadt den Reichen gehört und die, die weniger Geld haben, an den Rand gedrängt werden. Das führt zu sozialen Problemen. 

Ich verstehe beide Seiten – die Immobilienunternehmer, die wirtschaftlich denken, aber auch die Mieter, für die es schwieriger wird, die steigenden Mieten zu bezahlen. Es ist eine unerfreuliche Entwicklung, dass die Schere immer weiter auseinandergeht. Das ist auch nicht im Interesse der Wohlhabenden, wenn die anderen verarmen. Wir brauchen eine Stadt, in der alle Platz haben. 

Tempelhofer Feld: "Wir schlagen eine maßvolle Bebauung am Rand vor"

Berlin braucht dringend mehr bezahlbaren Wohnraum. Sie unterstützen deshalb eine Bebauung des Tempelhofer Feldes …

Wir haben in Berlin eine große Wohnungsnot, hunderttausende Menschen suchen dringend eine Wohnung. Viele können nicht nach Berlin kommen, um zu arbeiten, weil sie keine Wohnung finden. Junge Leute können nicht ausziehen, um eine eigene Familie zu gründen. Der einzige Weg, das zu lösen, ist, neue Wohnungen zu bauen, und zwar bezahlbare.

Es ist für mich unverständlich, dass man eine riesige Fläche mitten in der Stadt brachliegen lässt, wo man behutsam bauen könnte. Genau das wollen wir erreichen. Das Tempelhofer Feld ist 300 Hektar groß, wir wollen nur den Rand bebauen, das Feld selbst bleibt zu 200 Hektar unbebaut und grün. Wir schlagen eine maßvolle Randbebauung vor, bei der das Feld unangetastet bleibt. 

Das Ziel muss sein, dass die Grundstücke nicht an Investoren und Spekulanten verkauft werden, sondern die landeseigenen Gesellschaften bauen und vermieten. Aus Umfragen wissen wir, dass die Mehrheit der Berliner für eine maßvolle Bebauung ist – das gilt sogar für Wähler der Linken und Grünen. Ich bin sicher, wenn es einen neuen Volksentscheid gebe und das Konzept vorgestellt wird, würde die Mehrheit zustimmen.

Enteignungsdebatte in Berlin: "Der helle Wahnsinn!"

Sie kritisieren die Vergesellschaftungs- und Enteignungsdebatte deutlich. Was wäre der sinnvollste Weg, um dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

Diese Enteignungsidee ist der helle Wahnsinn. Ohne Entschädigung ist eine Enteignung in Deutschland zum Glück nicht möglich. Schätzungen gehen von zwölf bis 31 Milliarden Euro aus, die man für Entschädigungen zahlen müsste – das ist mehr als das gesamte Budget Berlins.

In Berlin gibt es 1,8 Millionen Mietwohnungen, betroffen wären nur 240.000, also rund 14 Prozent. Für die große Mehrheit der Mieter würde sich nichts ändern. Für diese enorme Summe könnte man neue Wohnungen bauen. Außerdem haben viele der großen Wohnungsbaugesellschaften, die enteignet werden sollen, gar keine übermäßig hohen Mieten.

Die wahren Spekulanten sind andere, die sich in Steueroasen verstecken. Statt Enteignungen fordere ich, dass bezahlbarer Wohnraum durch Neubau entsteht und landeseigene Gesellschaften bauen und vermieten, damit die Wohnungen dauerhaft dem Gemeinwohl dienen.


0 Kommentare
Sie haben noch keinen Text eingegeben.
Noch keine Kommentare - teilen Sie Ihre Sicht und starten Sie die Diskussion