Holz, Stahl, Rigips: Materialengpass stresst Wohnungsbau

Baumaterialien werden knapp. Das macht auch dem Wohnungsbau zu schaffen, denn die Preise sind teils drastisch gestiegen. Holz, Betonstahl oder Rigips – auch Dämmstoffe sind teurer geworden, wenn sie überhaupt noch zu kriegen sind. Ob Recycling von Bauabfällen eine Lösung ist?

Zum einen machen Lieferschwierigkeiten Baufirmen zu schaffen, wie vor ein paar Tagen der Präsident des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen, Wolfgang Schubert-Raab, sagte, zum anderen seien die Einkaufspreise in den vergangenen Monaten extrem gestiegen. Knapp ist eine ganze Reihe von Baustoffen: Gips, Kunststoffe, Holz und Stahlprodukte.

Wie der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa, vorrechnete, ist etwa Betonstahl seit September 2020 um 30 Prozent und Rigips sogar um 170 Prozent teurer geworden. Als Ursache der Probleme sieht Pakleppa die in der ersten Phase der Pandemie heruntergefahrene Produktion. Als dann die Konjunktur in China wieder angesprungen sei, sei die Nachfrage schneller als die Kapazität gewachsen. Auch der Wintereinbruch in den USA habe sich negativ ausgewirkt. Von Preiserhöhungen um rund 50 Prozent bei Produkten zur Wärmedämmung berichtet zum Beispiel der Bundesverband Farbe.

Die häufig in der Dämmung von Fassaden und Flachdächern verwendeten expandierten Polystyrole (EPS) und extrudierten Polystyrole (XPS) seien im Moment praktisch gar nicht mehr erhältlich – "und wenn, dann zu deutlich höheren Preisen", beobachtet Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) bei seinen Mitgliedern. Betroffen seien auch chemische Produkte wie Abdichtungs- oder Spachtelmasse. "Diese Engpässe führen zu teuren Bauzeitverzögerungen beziehungsweise Bauunterbrechungen", so Breitner.

Ist Holz derzeit eine Alternative?

Extrem sei die Preisentwicklung beim Holz, je nach Region mal mehr, mal weniger krass. Laut ZDB-Hauptgeschäftsführer Pakleppa hat sich Holz seit September 2020 um 15 bis 20 Prozent verteuert. Die VNW-Unternehmen berichten bei den Holzpreisen in Norddeutschland von Steigerungen von 200 Prozent in Teilbereichen wie Dachlatten noch deutlich darüber hinausgehend.

Das wird vom Bauhauptgewerbe im Saarland bestätigt: "Am schwierigsten ist die Lage beim Holz", sagte Christian Ullrich vom Arbeitgeberverband Bau dem Saarländischen Rundfunk. Die Auftragslage sei gut, wegen fehlender Baumaterialien hätten aber die ersten Unternehmen vorsorglich Kurzarbeit angemeldet. Holz ist zwar ein heimischer Rohstoff, doch Trockenheit, Schädlingsbefall und schlechte Ernten haben Ullrich zufolge im vergangenen Jahr für Engpässe gesorgt.

Auch andere Baurohstoffe sind knapp und werden immer teurer. Kies etwa, wichtig für die Zementherstellung und maßgeblich für die Herstellung von Beton gebraucht. Breitner forderte kürzlich die Behörden vor allem in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern auf, bei der Genehmigung von Kiesgruben pragmatisch vorzugehen: "Wer den Bau von Wohnungen will, muss auch dafür sorgen, dass diese errichtet werden können."

Immobilienbranche: Baustoffe regional produzieren

VNW-Direktor Breitner beruft sich bei seinen Zahlen zur Verknappung von Baurohstoffen auf eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), wonach es insbesondere bei Kies Schwierigkeiten mit der Lieferung gibt. Einen Grund dafür sieht Breitner in den langwierigen Genehmigungsverfahren, die eine rechtzeitige Neueröffnung von Kiesgruben verhindern. Hinzu komme, dass ein Großteil der Kiesvorkommen bereits durch andere Nutzungen verplant sei.

Wegen des Baubooms verbunden mit gestiegenen Gewinnungs- und Transportkosten sind allein die Kiespreise laut Breitner in den vergangenen Jahren pro Jahr um fünf bis zehn Prozent gestiegen. In Hamburg seien Aufträge für größere Baumaßnahmen oft nicht mehr angenommen oder Kiesmengen nur nach Verfügbarkeit zugeteilt worden.

Auch das Baugewerbe sieht eine mögliche Gegenmaßnahme gegen die Materialverknappung in der lokalen Produktion. "Es kann nicht sein, dass wir von importierten Baustoffen abhängig sind, wenn wir über große Mengen mineralischer Baustoffe im eigenen Land verfügen", so Pakleppa. Er fordert, wie auch die Wohnungswirtschaft, in Deutschland wieder mehr Kies, Sand und Gips abzubauen. Bei Baustoffen, die stark regional produziert würden, gebe es keine großen Schwankungen.

Recycling von Bauabfällen: Preisexplosion kompensieren

"Unsere Forderung, Stoffkreisläufe konsequent zu schließen und in allen Bereichen der Wirtschaft mehr recycelte Materialien zu verwenden, gewinnt angesichts der aktuell hohen globalen Nachfrage nach Baumaterialien an Bedeutung", meinen die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marie-Luise Dött, und der zuständige Berichterstatter Michael Kießling.

Die weltweit wachsende Bauproduktion und die damit verbundene Steigerung der Preise könne mit umfassendem Recycling von Bauabfällen kompensiert werden. Die derzeit in der Abstimmung befindliche Mantelverordnung, die unter anderem den Wiedereinsatz von Bauabfällen regelt, sei ein wichtiges Element. Die Verhandlungen sollten deshalb zügig abgeschlossen werden, damit die Verordnung endlich in Kraft treten könne, heißt es in der Mitteilung der Unions-Politiker.

Im Streit um die Verabschiedung einer Bauschuttverordnung, auf die sich der Bundesrat im November 2020 geeignigt hatte, wirft Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) vor, das Vorhaben zu blockieren. Die CSU befürchtet, das Bauen würde sich durch die Verordnung exorbitant verteuern. Bayern fordert eine Öffnungsklausel, damit die Länder eigene Regeln verabschieden können. Schulze hat vor, die Mantelverordnung, die im Koalitionsvertrag steht, noch in dieser Legislaturperiode unter Dach und Fach zu bringen.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Bauwirtschaft