Kreislaufwirtschaft bleibt Schwerpunkt des Umweltministers
Es war beim Tag der Kreislaufwirtschaft Anfang Juni, als Bundesumweltminister Carsten Schneider betonte, das ihm das Thema besonders am Herzen liege, "dass wir ein Mehr an Kreislaufwirtschaft brauchen" – etwa um die Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und uns aus der Abhängigkeit problematischer Staaten bei den Rohstoffen lösen, zählte der SPD-Politiker auf.
"Table.Briefings" berichtete am 27. August, das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) löse die Abteilung für Kreislaufwirtschaft auf. Was ist dran?
Klimaschutz: Kreislaufwirtschaft im Umweltministerium
Auf Nachfrage teilte ein Ministeriumssprecher mit, das derzeit intern über eine Umstrukturierung beraten werde, aber: "Die Zuständigkeit für die Kreislaufwirtschaft bleibt im BMUKN wie bisher erhalten." Der Stellenwert der Kreislaufwirtschaft im Haus sei ungebrochen und werde weiter wachsen. "Die Bedeutung eines Themas innerhalb eines Ministeriums bemisst sich ja nicht allein an der Struktur des Organisationsplans, sondern welche politische Bedeutung der Minister dem Thema gibt und wie es im Haushalt abgebildet wird." Die Zuständigkeit werde voraussichtlich in einer anderen Abteilung integriert und in einer eigenen Unterabteilung – wie bisher – gebündelt bleiben.
Für die Umsetzung und Flankierung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) stellt der Bund nach Angaben des Sprechers in den kommenden Jahren rund 260 Millionen Euro bereit – allein für 2025 sind 1,5 Millionen Euro vorgesehen, für die aber der Haushaltsbeschluss noch ausstehe. Mit den Mitteln wolle das BMUKN unter anderem rohstoffsparsame und recyclingfreundliche Produktionsverfahren unterstützen.
Wie Umweltminister Schneider in seiner Rede außerdem erwähnte, wird aktuell erstmals die Ersatzbaustoffverordnung, die im August 2023 in Kraft getreten ist, evaluiert. Die regelt bundeseinheitlich den Umgang mit mineralischen Abfällen wie Bodenaushub oder Bauschutt und soll die Kreislaufwirtschaft unterstützen.
Tag der Kreislaufwirtschaft: Rede Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD)
Kreislaufwirtschaft: DGNB veröffentlicht Qualitätsstandard
Die Kreislaufwirtschaft beim Bauen wird immer wichtiger – zur Bewertung und Vergleichbarkeit der Zirkularität von Gebäuden hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit einem Expertennetzwerk aus Wissenschaft und Praxis einen übergeordneten Qualitätsstandard für Zirkularitätsindizes von Bauwerken entwickelt. Der baut auf Informationen aus dem Gebäuderessourcenpass auf – und soll der besseren Einordnung vorhandener Bewertungsmethoden sowie als Maßstab für künftige Verfahren dienen. Unterstützt wird die DGNB auch von Anbietern bereits verfügbarer Zirkularitätsindizes wie Concular, EPEA, Madaster oder dem Urban Mining Index.
Der Qualitätsstandard soll sicherstellen, dass der Bewertung durch diese Kennzahlen bei konkreten Bauvorhaben ein gemeinsames Verständnis zugrunde liegt – im Zuge von Zertifizierungen oder als Element kommunaler oder übergeordneter Regelwerke.
Das Dokument führt grundlegend in die verschiedenen Aspekte der Messbarkeit der Zirkularität von Bauaktivitäten ein. Teilindikatoren, die einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten, sind die Materialherkunft, Bau- und Abbruchabfälle sowie die Schadstoffbelastung. Mit Blick auf die Zukunft sind die Materialverträglichkeit, die Demontagefähigkeit, die werkstoffliche Trennbarkeit und das Potenzial zur Materialverwertung relevante Betrachtungsebenen. Im Weiteren wird die Methodik hinter dem Qualitätsstandard erläutert. Dabei definiert die DGNB eine Reihe von Mindestanforderungen formeller und individueller Art sowie gewisse Toleranzbereiche in der Anwendung.
DGNB Qualitätsstandard für Zirkularitätsindizes für Bauwerke (Download)
Zirkularität von Gebäuden: Das Potenzial liegt im Bestand
In Gebäuden stecken tonnenweise CO2-Emissionen: im Beton, in Stahlträgern und in Fensterscheiben. Jedes Bauteil, das wiederverwendet wird, jede Immobilie, die nicht neu gebaut werden muss, spart die grauen Emissionen ein. Bei der Kreislaufwirtschaft geht es um die möglichst restlose Verwertung von Baustoffen ohne Abfall.
Eine Studie zeigt, welches Potenzial zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels und zur Reduzierung von Treibhausgasen die Kreislaufwirtschaft in der Immobilienbranche hat. Experten von DGNB, Wealthcap, JLL und Madaster geben darin Einschätzungen zum technisch-wirtschaftlichen Status quo, regulatorischen Rahmen und zu künftigen Trends ab.
Ein Fokus der Analyse liegt auf dem Erhalt von Bestandsimmobilien und der Bestandsentwicklung. Immobilieneigentümer und Investoren entscheiden sich der Studie zufolge immer noch zu häufig für Abriss und Neubau. Die Herstellung neuer Bauteile setzt aber große Mengen an umweltschädlichen Stoffen frei. Die Zement-, Stahl- und Glasindustrie gehören zu den CO2-intensivsten Wirtschaftszweigen weltweit. Für Bestandsimmobilien berge die Kreislaufwirtschaft daher eine große Chance, heißt es.
Studie von Wealthcap und JLL "Circular Economy. Potenziale für Bestandsimmobilien"
Internationale Klimapolitik: BMUKN übernimmt Federführung
Die Bundesregierung stellt die internationale Klimapolitik neu auf. Die Federführung wechselt vom Auswärtigem Amt zum BMUKN. Dort wird eine neue Abteilung entstehen, deren Leitung am 27.8.2025 vom Kabinett bestätigt wurde.
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