Cradle-to-Cradle mit digitalem Materialkataster

In Gebäuden stecken jede Menge Baustoffe, die gut sind für den Klimaschutz – vorausgesetzt sie werden recycelt. Doch was und wie viel kann nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip ohne Qualitätsverlust wiederverwendet werden? Madaster will das Material erfassen. Am 30. November geht die digitale Plattform für alle online.

Die Onlineplattform von Madaster richtet sich an Unternehmen der Immobilienbranche und der Bauwirtschaft, die Interesse an nachhaltiger Kreislaufwirtschaft haben. Im Grunde handelt es sich bei dem Materialkataster um eine Datenbank, in der Gebäudedaten während des gesamten Lebenszyklus zentral gespeichert und verwaltet werden. Ab dem 30. November wird die Plattform in Deutschland für alle offen sein.

Datenbank: Recyclebare Baustoffe kategorisieren

Das Ziel: Eine Kreislaufwirtschaft im Immobiliensektor nach dem Cradle-to-Cradle (C2C)-Prinzip, nachdem etwa Materialien wie Kunstoff und Holz ohne Qualitätsverlust wiederverwendet werden können. Zudem bietet Madaster eine Übersicht über die CO2-Bilanz, mögliche Giftstoffe und Bestandteile verwendeter Materialien und Bauteile. Systematisch erfasst wird nicht nur, was verbaut wurde, sondern auch in welchen Mengen und wieviel davon bei Rück- oder Umbau recyclebar ist.

Hierzu wird das BIM (Building Information Modeling)-Modell einer Immobilie auf die Plattform hochgeladen, maschinell ausgelesen und kann bei Bedarf um weitere Informationen ergänzt werden. Für die Identifizierung und Klassifizierung der Materialien werden alle Daten mit den Herstellerinformationen verglichen. 

Material-Passport: Für jeden Nutzer individuell

Nach dem Einpflegen der Gebäudedaten erstellt die Onlineplattform im Anschluss einen individuellen Material-Passport, der Auskunft über den finanziellen und zirkulären Wert, Toxizität, Herkunft sowie Qualität und Recyclingpotenzial der verwendeten Baustoffe gibt. Der Eigentümer kann die Daten mit Dritten teilen.

Madaster kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Im Januar 2021 startete in Deutschland die erste Phase für 33 Unternehmen, die aus unterschiedlichen Bereichen der Immobilienwirtschaft nominiert wurden. So wurde die Plattform an den deutschen Markt angepasst. Neben großen Wohnungsunternehmen wie Vonovia beteiligten sich auch Beratungsunternehmen wie Drees & Sommer und Assetmanager wie Commerz Real an dem sogenannten "Kennedy-Programm" von Madaster.


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