vdp-Immobilienpreisindex: "Aus" für steigende Immobilienpreise?

Die Kaufpreise für Wohn- und Gewerbeimmobilien sind bis März auf einen neuen Höchststand geklettert, meldet der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vpd). Allerdings geht vdp-Chef Jens Tolckmitt davon aus, dass dieser Trend durch die Corona-Pandemie in den kommenden Monaten "abgewürgt" wird.

Die Kaufpreise für deutsche Wohn- und Gewerbeimmobilien sind im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vergleichsquartal 2019 noch einmal um satte 6,3 Prozent gestiegen, heißt es im aktuellen vdp-Immobilienpreisindex. Der ist dadurch auf einen neuen Höchststand von 165,1 Punkten gestiegen. Im zweiten Quartal könnte die Krise die Aufwärtsbewegung bei den Immobilienpreisen nach Einschätzung von vdp-Geschäftsführer Jens Tolckmitt aber deutlich verlangsamen oder sogar komplett stoppen.

"Die derzeit am Immobilienmarkt zu beobachtende Vorsicht und Zurückhaltung wird unserer Einschätzung nach zu einer Stagnation der Preisentwicklung im zweiten Quartal 2020 führen", betont Tolckmitt. Für das Gesamtjahr erwartet der vdp wegen des starken Auftaktquartals trotzdem ein leichtes Plus beim Preisindex.

Mehrfamilienhäuser verteuern sich nur abseits der Metropolen noch massiv

Die Preise auf dem Markt für Wohnimmobilien sind im untersuchten Zeitraum nach Zahlen der Pfandbriefbanken bundesweit durchschnittlich um 6,5 Prozent gestiegen. In den Top-7-Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart hat sich die Dynamik mit einem Preisanstieg von 2,9 Prozent über die Städte abgeschwächt. Dieser Trend wird sich dem vdp zufolge weiter fortsetzen. In den Metropolen trug das Plus von 4,1 Prozent bei selbst genutztem Wohneigentum überdurchschnittlich zum Ergebnis bei, während die Preise für Mehrfamilienhäuser nur um 2,6 Prozent stiegen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal legten die Neuvertragsmieten in den Top 7-Städten um 1,9 Prozent zu.

"Neben den Auswirkungen der durch die Covid-19-Krise ausgelösten Beschränkungen werden auch staatliche Eingriffe wie der Mietendeckel das Preiswachstum in den Metropolen deutlich negativ beeinflussen, vor allem in Berlin." Jens Tolckmitt, vdp-Hauptgeschäftsführer

Die hohe Nachfrage nach Wohnungen führte bei Mehrfamilienhäusern im gesamten Deutschland aber zu einem deutlichen Preisanstieg von 6,1 Prozent. Das wirkte sich  auch auf die Neuvertragsmieten aus, die um 3,9 Prozent anzogen. Die Preise für selbst genutztes Wohneigentum stiegen im Vorjahresvergleich im Schnitt um sieben Prozent: 7,3 Prozent bei den Einfamilienhäusern und sechs Prozent bei den Eigentumswohnungen. Im Umfeld der Top 7 verteuerten sich die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 4,4 Prozent.

Preise für Büroimmobilien ziehen weiter an

Wie schon in den Vorquartalen überstieg das Preiswachstum bei den Wohnimmobilien auch zu Beginn 2020 das Wachstum bei den Gewerbeimmobilien. Die Preise sind im Vergleich der ersten Quartale 2019 und 2020 um 5,4 Prozent gestiegen. Dafür war laut vdp vor allem die Entwicklung bei den Büros verantwortlichS sie verteuerten sich um 8,4 Prozent, während etwa die Preise für Einzelhandelsimmobilien um 1,1 Prozent nachgaben.

Damit fielen die Preise für Einzelhandelsimmobilien laut vdp das zweite Quartal in Folge. Grund sei der sukzessive steigende Marktanteil des E-Commerce, der sich abermals negativ auf die Flächennachfrage im stationären Einzelhandel ausgewirkt habe, vor allem abseits der Top-Lagen. Die Mieten im Einzelhandel seien im Durchschnitt um 1,8 Prozent gefallen, erklären die Autoren im vdp-Index.


vdp-Immobilienpreisindex, Q1 2020 (PDF)


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