Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / I. Fahrtkosten
 

Rz. 60

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Der ArbN kann die für eine Auswärtstätigkeit entstehenden Fahrtkosten als Reisekosten in tatsächlicher Höhe (> Rz 65) als WK geltend machen (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4a EStG; bis 2013: R 9.5 LStR; BFH 209, 502 = BStBl 2005 II, 782). Für die Wege zwischen Wohnung und dem Betrieb als > Erste Tätigkeitsstätte vor Beginn oder nach Beendigung der Auswärtstätigkeit gilt die > Entfernungspauschale. Zu den im Einzelnen begünstigten Wegstrecken > Rz 70 ff. Bei Benutzung eines Kfz kann der ArbN stattdessen die amtlichen Kilometersätze(Kilometer-Pauschalen Rz 5) oder einen individuellen Kilometersatz ansetzen. Zu Einzelheiten > Rz 63, 65. Für Fahrten zu einem Sammelpunkt (> Rz 78) oder bis zu einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet (> Rz 79) wird aber nur die > Entfernungspauschale berücksichtigt.

 

Rz. 61

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Die Wahl des Verkehrsmittels steht dem ArbN grundsätzlich frei; er muss nicht das kostengünstigste benutzen. Das gilt uE selbst dann, wenn der ArbG den ArbN anweist, beruflich ein kostengünstigeres Verkehrsmittel zu benutzen und nur die dafür anfallenden Aufwendungen ersetzt; ergänzend > Werbungskosten Rz 13.

1. Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel

 

Rz. 62

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Aufwendungen für öffentliche Verkehrsmittel werden in Höhe der tatsächlich entstandenen Kosten abgezogen. Als >  Öffentliche Verkehrsmittel kommen Bahn, Bus, Flugzeug (wegen eines Privatflugzeugs > Rz 68), Schiff (Fähre) und Taxi in Betracht. Die tatsächlichen Kosten – der entrichtete Fahrpreis einschließlich etwaiger Zuschläge (> R 9.5 Abs 1 Satz 1, 2 LStR) – ergeben sich aus dem Fahrschein, dem Flugticket, der Taxiquittung oder der Rechnung des Reisebüros. Stellt der ArbG kostenlos das Fahrzeug oder zB eine Netzkarte der Deutschen Bahn AG (> Jahresnetzkarte) zur Verfügung, entstehen dem ArbN insoweit keine Aufwendungen.

2. Benutzung des eigenen Kraftfahrzeugs

a) Ansatz der amtlichen Kilometersätze

 

Rz. 63

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Im Regelfall wird der ArbN die Fahrtkosten ohne Einzelnachweis mit pauschalen Km-Sätzen ansetzen (> R 9.5 Abs 1 Satz 5 LStR). Ab 2014 richtet sich die Höhe der pauschalen Km-Sätze nach der für das benutzte Beförderungsmittel höchsten Wegstreckenentschädigung nach dem BRKG (§ 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4a Satz 2 EStG iVm § 5 BRKG). Danach beträgt die gesetzliche Pauschale für die Nutzung eines PKW/LKW 0,30 EUR und für jedes weitere motorbetriebene Fahrzeug 0,20 EUR pro gefahrenem Km; dazu zählen auch Elektrofahrräder, deren Motor auch Geschwindigkeiten über 25 Km pro Stunde unterstützt (> Rz 66). Die Prüfung einer eventuell unzutreffenden Besteuerung entfällt (> Rz 64).

 

Rz. 64

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Mit der gesetzlichen Pauschale des § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4a Satz 2 EStG iVm § 5 BRKG werden die auf die Nutzungsdauer verteilten Anschaffungs- und die normalen Betriebskosten abgegolten. Zum Umfang der Abgeltung sind zunächst die Regelungen von § 5 BRKG und die auf Grund von § 16 BRKG ergangene ‚Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundesreisekostengesetz (BRKGVwV)‘ vom 01.06.2005, zuletzt geändert durch Verwaltungsvorschrift vom 12.11.2013 (GMBl Nr 63, 1258) maßgebend. Danach sind auch die Kosten für die Mitnahme weiterer Dienstreisender sowie die Mitnahme von dienstlichem und persönlichem Gepäck abgegolten (BRKGVwV Tz 5); ebenso die Prämie für eine Reise-Unfallversicherung (Tz 10.01.03, aaO). Nicht abgegolten sind Garagenmiete, Parkgebühren, Kosten für Fähren und Mauten (vgl Tz 10.1 aaO); sie sind Reisenebenkosten (> Rz 125).

 

Rz. 64/1

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Eine Entschädigung für die Mitnahme weiterer Personen aus dienstlichem Anlass sieht das BRKG ebenfalls nicht vor, sodass auch hierfür nur die tatsächlichen Kosten berücksichtigungsfähig sind. UE können hierfür anfallende Umweg-Km mit dem pauschalen Km-Satz angesetzt werden. Ergänzend dürfte das objektive >  Nettoprinzip für die Abgrenzung heranzuziehen sein. Das betrifft etwa außergewöhnlich hohe zusätzliche Aufwendungen wie zB nichtversicherte Unfallkosten; sie werden bei Ansatz der gesetzlichen Pauschale nicht erwähnt, weil die Wegstreckenentschädigung auch die Versicherungsprämie abgilt; im Reisekostenrecht trägt deshalb der Beschäftigte die Folgen einer Unterversicherung. Steuerlich sollten uE Unfallkosten wie vor 2014 nach § 9 Abs 1 Satz 1 EStG abziehbar sein (vgl dazu BFH 125, 553 = BStBl 1978 II, 595; > Rz 64/2).

 

Rz. 64/2

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Vor dem VZ 2014 beträgt der – seit 2002 unveränderte – Km-Satz für einen PKW/LKW 0,30 EUR, für ein/einen Motorrad/Motorroller 0,13 EUR, für ein Zweirad mit Motor bis 50 ccm 0,08 EUR und für ein Fahrrad 0,05 EUR (vgl BMF vom 20.08.2001, BStBl 2001 I, 541), soweit das nicht zu einer offensichtlich unzutreffenden Besteuerung führt (BFH 165, 374 = BStBl 1992 II, 105). Die Mitnahme selbst umfangreichen Gepäcks ist mit den Km-Sätzen abgegolten (H 9.5 LStH 2013). Außergewöhnliche Kosten (zB infolge Unfalls) werden aber neben den Km-Sätzen berücksichtigt (> Kraftfahrzeugunfall Rz 2 ff; H 9.5 LStH). Die Km-Sätze werden übrigens – entgegen BFH 164, 553 = BStBl 1992 II, 365 – aus Vereinfachu...

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