Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / b) Fahrten zum weiträumigen Tätigkeitsgebiet
 

Rz. 79

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Die in Rz 78 dargestellte Berücksichtigung der Grundsätze der Entfernungspauschale für die Fahrtkosten (nicht für andere Reisekostenarten) gilt ebenso, wenn der ArbN keine erste Tätigkeitsstätte unterhält, aber nach den dienst- oder arbeitsrechtlichen Vorgaben dauerhaft dasselbe weiträumige Tätigkeitsgebiet typischerweise arbeitstäglich aufsuchen muss. Nur für die Wegstrecke von der Wohnung zum ihr nächstgelegenen Eingang desselben weiträumigen Tätigkeitsgebiets ist der WK-Abzug der Fahrtkosten auf die Höhe der Entfernungspauschale beschränkt. Obwohl der für ‚Auswärtstätigkeit‘ maßgebende § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4a EStG diese Fälle regelt und sie als Teil der Auswärtstätigkeit behandelt, ist für den ArbG auch hier nicht § 3 Nr 13 und Nr 16 EStG, sondern § 40 Abs 2 Satz 2 EStG anzuwenden (> Rz 78).

 

Rz. 79/1

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Ein weiträumiges Tätigkeitsgebiet ist eine größere, aber abgrenzbare (‚festgelegte‘) Fläche, innerhalb deren Grenzen der ArbN tätig werden soll (zB Zusteller, Hafenarbeiter, Forstarbeiter, Werksbahnführer). Soll der ArbN hingegen nicht „draußen„, sondern „in einer Einrichtung“ tätig werden (zB Wohnung der Pflegeperson im Pflegedienst oder des Schornsteinfeger-Kunden) handelt es sich insoweit nicht um die Tätigkeit in einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet, auch wenn die Wohnungen alle innerhalb einer Stadtgrenze liegen (vgl BMF vom 24.10.2014 Rz 40 ff, BStBl 2014 I, 1412 = > Anh 2 Reisekosten ab 2014; kritisch Wirfler, DStR 2013, 2660). Soll der ArbN in mehreren ortsfesten Einrichtungen seines ArbG, eines verbundenen Unternehmens oder eines Dritten, die innerhalb eines bestimmten Bezirks gelegen sind, beruflich tätig werden, arbeitet er nicht in einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet, sondern an verschiedenen, ggf ständig an wechselnden Tätigkeitsstätten. Im Einzelnen > Auslösungen bei privaten Arbeitgebern Rz 27 ff mit Beispielen.

 

Rz. 79/2

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Sucht der ArbN ein weiträumiges Tätigkeitsgebiet über unterschiedliche Zugänge auf, so gilt für den der Wohnung nächstgelegenen Zugang die Entfernungspauschale, alle darüber hinaus gehenden Km sind nach Reisekostengrundsätzen abrechenbar (> Rz 60 ff).

 

Beispiel 3:

Der Zugführer einer Werksbahn auf einem 20 qm großen Gelände des ArbG fährt an 150 Tagen von der Wohnung zum 15 km entfernt liegenden Tor 1 zum Werksgelände. An 40 Tagen fährt er zum 20 km entfernten Tor 2 und an 30 Tagen zum 30 km entfernt liegenden Tor 3. Eine erste Tätigkeitsstätte hat er nicht, weil sein ArbG ihn keiner betrieblichen Einrichtung zugeordnet hat und er auch die qualitativen Kriterien nicht erfüllt.

Der ArbN sucht arbeitstäglich dasselbe weiträumige Tätigkeitsgebiet auf. Er kann folgende Werbungskosten geltend machen:

 
Entfernungspauschale:
Der Wohnung nächstgelegene Zugang 1 220 Tage × 0,30 EUR × 15 km = 990 EUR
Reisekosten (pauschale Sätze) für Hin- und Rückfahrt:    
Tor 2 (40 km abzüglich mit E-Pauschale abgegoltene 30 km) 40 Tage × 0,30 EUR × 10 km = 120 EUR
Tor 3 (60 km abzüglich mit E-Pauschale abgegoltene 30 km) 30 Tage × 0,30 EUR × 30 km =     270 EUR
     1 380 EUR

Bei Übernahme der Fahrtkosten durch den ArbG kann dieser höchstens 990 EUR nach § 40 Abs 2 Satz 2 EStG pauschalieren und (vorbehaltlich höherer nachgewiesener tatsächlicher Kosten) Km-Pauschalen iHv 390 EUR steuerfrei erstatten.

 

Rz. 79/3

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Mit dieser Sonderregelung für "Arbeitnehmer in einem Hafengebiet, Forstarbeiter oder Briefzusteller" möchte der Gesetzgeber die bis Ende 2013 bestehenden Schwierigkeiten bei der Abgrenzung von ArbN mit und ohne regelmäßige Arbeitsstätte vermeiden (Gesetzesbegründung – BT-Drs 17/10 774). Obwohl die Regelung als Vereinfachung gedacht ist, wird sie uE die Praxis wegen der erforderlichen Aufzeichnungen eher belasten.

Die Sonderregelung gilt allerdings nur, wenn der ArbN in dem weiträumigen Tätigkeitsgebiet keine Erste Tätigkeitsstätte hat (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4a Satz 3 EStG eingangs). Bisher geht die Rechtsprechung bei einem zusammenhängenden Betriebsgelände von einer ‚Regelmäßigen Arbeitsstätte‘ aus, wenn sich dort eine ortsfeste betriebliche Einrichtung des ArbG befindet, die einem Betriebssitz oder einer sonstigen betrieblichen Einrichtung des ArbG vergleichbar ist (BFH 230, 533 = BStBl 2012 II, 32). Dies bleibt uE auch ab VZ 2014 weiter entsprechend anzuwenden (vgl BMF vom 24.10.2014 Rz 3, aaO).

 

Beispiel 4:

F ist Forstarbeiter und dem Forstamt X dauerhaft zugeordnet. Das Forstamt befindet sich im Forsthaus X, das innerhalb eines weitläufigen Privatforstes liegt, in dem F ständig eingesetzt wird.

F fährt arbeitstäglich mit seinem PKW zum Forsthaus, um dort seine Arbeit aufzunehmen. Obwohl er seine Arbeit ständig in einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet verrichtet, hat er doch im Forsthaus seine erste Tätigkeitsstätte. Die Aufwendungen für die Wegstrecke von der Wohnung zum Forsthaus sind keine Reisekosten, die der ArbG nach § 3 Nr 16 EStG in Höhe der > Entfernungspauschale steuerfrei erset...

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