Bei Streit über Wohnfläche muss auch der Mieter Zahlen nennen
Hintergrund: Mieterin bestreitet Wohnungsgröße
Die Vermieterin einer Wohnung verlangt von der Mieterin die Zustimmung zu einer Mieterhöhung. Der Mietvertrag enthält keine Vereinbarung zur Wohnfläche. Die Wohnung verfügt über Dachschrägen und eine Loggia. In den bisherigen Betriebskostenabrechnungen hat die Vermieterin eine Wohnfläche von 92,54 Quadratmeter zugrunde gelegt. Auf Basis dieser Wohnfläche hat die Vermieterin auch die Mieterhöhung berechnet.
Die Mieterin bezweifelt die angegebene Wohnfläche und verlangt geeignete Nachweise zur Wohnungsgröße. Eigene Angaben dazu, wie groß die Wohnung ihrer Meinung nach ist, macht die Mieterin nicht.
Amts- und Landgericht haben die Klage auf Zustimmung zur Mieterhöhung abgewiesen. Die Mieterin habe die Wohnungsgröße wirksam bestritten. Die Vermieterin sei den Beweis der Wohnfläche schuldig geblieben.
Entscheidung: Mieterin hätte selbst messen müssen
Der BGH hebt das Urteil des Landgerichts auf und verweist den Rechtsstreit dorthin zurück.
Die Vermieterin ist hinsichtlich der Wohnfläche nicht beweisfällig geblieben. Das einfache Bestreiten der Wohnfläche durch die Mieterin ohne selbst eine bestimmte Wohnfläche vorzutragen reicht nicht aus.
Maßgeblich für die Berechnung einer Mieterhöhung ist die tatsächliche Größe der Wohnung (lesen Sie hierzu Wohnflächenabweichung: BGH kippt 10-Prozent-Grenze). Dabei trägt der Vermieter, der eine Mieterhöhung verlangt, nach allgemeinen Grundsätzen die Darlegungs- und Beweislast für die tatsächliche Wohnfläche. Wenn er jedoch - wie hier - eine bestimmte Wohnfläche vorträgt, genügt dies den Anforderungen an eine substanziierte Darlegung. Dann obliegt es dem Mieter, auf die Behauptung des Vermieters mit näheren Angaben zu erwidern und darzulegen, von welchen tatsächlichen Umständen er ausgeht. Mit einem bloßen Bestreiten darf sich der Mieter nur bei pauschalem Vorbringen des Vermieters begnügen.
Die Pflicht zu einem konkreten Gegenvortrag des Mieters setzt aber voraus, dass ein solches Vorbringen dem Mieter zumutbar ist. Das ist der Fall, wenn die behaupteten Umstände in seinem Wahrnehmungsbereich liegen. Unabhängig davon, ob im Mietvertrag eine Wohnfläche angegeben ist, kann der Mieter in aller Regel die Wohnung selbst vermessen und einen abweichenden Flächenwert vortragen.
So war es hier. Auch wenn die Wohnung Dachschrägen und eine Loggia hat und die Berechnung der Wohnfläche nach den Vorgaben der Wohnflächenverordnung schwierig ist, hätte die Mieterin die Wohnung zumindest laienhaft vermessen und das Ergebnis vortragen können. Das hat sie versäumt.
(BGH, Urteil v. 31.5.2017, VIII ZR 181/16)
Lesen Sie auch:
-
Keine Maklerprovision für Hausverwalter
895
-
Befristeter Mietvertrag: Darauf sollten Vermieter achten
827
-
Videoüberwachung im Mehrfamilienhaus: was ist erlaubt?
827
-
Untervermietung: Was der Vermieter dulden muss und was nicht
670
-
Wohnungseigentümer dürfen Klimaanlage einbauen
548
-
Unterjährige Verbrauchsinformation: Fristen für Verwalter
384
-
Grillen: Regeln für Balkon, Terrasse und Garten
364
-
Schließanlage: Wer muss bei Schlüsselverlust zahlen?
329
-
Verwaltungskostenpauschale 2026: Kostenmiete steigt mit Tabelle
321
-
Jahresabrechnung nach Verwalterwechsel
3201
-
Versäumte Auskunft an Vormieter schlägt nicht auf Folgemietvertrag durch
05.08.2026
-
Potenzial von Robotik im Facility Management
05.08.2026
-
Absenkungsbeschluss ist isoliert anfechtbar
29.07.2026
-
Gasheizung nach GModG: Teurer als die Wärmepumpe
27.07.20261
-
Strom-Netzentgelte 2027 mit weniger Entlastung
27.07.2026
-
Ruhestörung durch Nachbarn: Mietminderung bis Kündigung
24.07.2026
-
BEG-Förderung Wärmepumpe 2026: Jetzt berechnen
23.07.2026
-
Die Erlaubnis zum Rumspielen
22.07.2026
-
IT-Projekte scheitern oft – diese Fehler sind der Grund
20.07.2026
-
Warum die Provision jetzt zum Risiko wird
20.07.20261
Manfred Guentsch
17.02.2019 08:55 Uhr
Miet- und Nebenkostenabrechnung nur nach korrekter Wohnfläche gemäß BGH-Urteile
Interessant wäre ein BGH-Urteil über die Folgen in einer WEG. Die Hausverwaltung rechnet ab nach 1000stel. Passt die Wohnungsgröße bei einigen Wohnungen nicht, stimmt die gesamte Betriebskostenabrechnung nicht. Ab wann kann ein Eigentümer von der WEG verlangen die 1000stel der korrekten Wohnfläche in den Wohnungen anzupassen. Oder bleibt das ausschließlich nur ein Problem des betreffenden WE zu seinem Mieter?