Corporate Real Estate

Warum Unternehmen Immobilien verkaufen


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Unternehmen verkaufen wieder mehr Betriebsimmobilien, aber sehr selektiv – strategisch wichtige Objekte bleiben in der Bilanz. Was sich am CRE-Markt verändert und welche Assetklassen im Fokus stehen.

Zum Corporate Real Estate (CRE) zählen betriebliche Immobilien, die als Betriebsmittel bei der Produktion eingesetzt werden. Der Marktwert in Deutschland liegt laut ZIA-Frühjahrsgutachten 2026 bei zirka 800 Milliarden Euro – davon knapp die Hälfte investmentfähig, am Markt komme aber nur ein kleiner Teil an. Das könnte sich ändern.

Auf dem deutschen Immobilienmarkt haben Unternehmen im vergangenen Jahr Objekte im Wert von 2,6 Milliarden Euro verkauft. Das entspricht einem Wachstum von 13 Prozent und signalisiere Erholung, analysiert eine JLL-Studie. Preis­erwartungen von Käufern und Verkäufern näherten sich an. Was zum Verkauf steht und was in der Bilanz bleibt.

Welche Immobilien zum Verkauf stehen

Unternehmen gehen laut JLL jedoch sehr selektiv vor und veräußern überwiegend Immobilien, die keine strategische Bedeutung haben oder besonders betriebsintensiv sind. "Objekte, die wichtig für das Kerngeschäft sind, bleiben hingegen in der Bilanz", sagt Martina Williams, Head of JLL Work Dynamics Northern Europe.

Vor allem Immobilien von Produktionsunternehmen standen bei den Transaktionen im Fokus: Der Anteil stieg von 25 Prozent in den Jahren 2015 bis 2019 auf 46 Prozent im Jahr 2025. Diese Entwicklung reflektiert laut Williams die anhaltende Nachfrage nach Logistikflächen und deren operative Relevanz.

Der Anteil von Büroimmobilien ging hingegen im betrachteten Zeitraum von 41 Prozent auf 19 Prozent zurück – Grund dafür sind nach Angaben von JLL die Folgen hybrider Arbeitsmodelle, hohe Sanierungskosten und verschärfte Nachhaltigkeitsanforderungen. Einzelhandelsimmobilien hatten mit 31 Prozent einen relativ stabilen Anteil, während Unternehmen alle Healthcare-Objekte im Bestand hielten.

CRE-Markt: Sale-and-Leaseback-Strukturen dominieren

"Sich vom Eigentum zu trennen und es zugleich als Mieter weiter zu nutzen, ermöglicht deutschen Unternehmen, Kapital – zum Beispiel für Forschung – freizusetzen und gleichzeitig die betriebliche Kontinuität zu wahren", erklärt die JLL-Expertin. Gerade in einem Umfeld höherer Zinsen sei das ein zentraler Aspekt.

Auf Käuferseite konzentrierten sich Investoren auf erstklassige Objekte mit langfristigen Mietverträgen und stabilen Cashflows. Sale-and-Leaseback-Strukturen dominierten der Analyse zufolge im vergangenen Jahr die Transaktionslandschaft.

Die Aussichten für 2026 sind positiv, so JLL, wobei Experten eine weitere Stabilisierung und selektives Wachstum erwarten, insbesondere bei langfristigen Mietverträgen und hochwertigen Objekten.

In der gesamten Region EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) dominierten Industrieimmobilien (35 Prozent Marktanteil), gefolgt von Einzelhandel (25 Prozent) und Büroimmobilien (24 Prozent). Healthcare erreichte sieben Prozent, alternative Assetklassen neun Prozent.

Technologie, Medien, Telekommunikation: Aufschwung in EMEA

Im Vergleich der Immobiliensektoren verzeichnete der Einzelhandel im EMEA-Raum die stärkste Entwicklung in der JLL-Studie. Das Transaktionsvolumen im Retail stieg um 50 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Eine zentrale Rolle spielten Lebensmitteleinzelhändler mit 1,9 Milliarden Euro. In Frankreich und Großbritannien führte diese Sparte mit 23 Prozent beziehungsweise 21 Prozent Marktanteil das Feld an.

Der Technologie-, Medien- und Telekommunikationssektor erlebte derweil einen deutlichen Anstieg um 245 Prozent auf 709 Millionen Euro. Unternehmen der Branche haben die Immobilienbestände neu strukturiert, um sich verändernde Geschäftsmodelle und damit verbundene Kapitalanforderungen zu unterstützen. Hier dominierten die Märkte in der Schweiz (262 Millionen Euro) und in Deutschland (111 Millionen Euro).

Energiewende und Kapitalbedarf: Einfluss auf Immobilien-Deals

"Vor dem Hintergrund der Energiewende und dem damit verbundenen Kapitalbedarf beschleunigte sich die Aktivität im Energiesektor massiv", gibt Williams einen Überblick über eine der wichtigsten Zukunftsbranchen: Die Verkäufe von Unternehmensimmobilien stiegen von 138 auf 421 Millionen Euro – eine Verdreifachung innerhalb eines Jahres. Deutschland führte mit 140 Millionen Euro, gefolgt von Schweden mit 115 Millionen Euro.

Auch der Automobilsektor verbuchte mehr Dynamik und verdoppelte sein Volumen 2025 von 290 Millionen Euro auf 588 Millionen Euro. Polen und die Tschechische Republik gewannen als Transaktionsstandorte an Bedeutung, während Deutschland mit 218 Millionen Euro die führende Position behauptete. Zugleich wuchs der Bildungssektor um 249 Millionen Euro auf 634 Millionen Euro, hier blieb das Vereinigte Königreich dominant.

 

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