Erste offene Immobilienfonds schließen

"Ich befürchte, das ist erst der Anfang"

Offenen Immobilienpublikumsfonds machen hohe Mittelabflüsse zu schaffen. Claudius Meyer, Geschäftsführer der CR Investment Management, erläutert, warum sich ohne ein radikales Umdenken deren derzeitige Liquiditätskrise nur schwer bewältigen lassen dürfte.

Claudius Meyer

Herr Meyer, vielen Immobilienpublikumsfonds machen hohe Mittelabflüsse zu schaffen. Erste Fonds mussten die Rücknahme von Anteilen aussetzen. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation ein? 

Ich befürchte, dass die temporäre Schließung einiger Fonds erst der Anfang einer längeren Marktkonsolidierung sein wird. Gerade für viele kleine Fonds ohne einen eigenen starken Vertrieb wird es eng werden. 

Hinzu kommen schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Sollte die Situation eskalieren, ist die Branche nicht wirklich gut vorbereitet. Viele Aktionen erwecken den Eindruck, dass man sich durchlavieren will. 

Offene Immobilienfonds: Zum Verkauf des Tafelsilbers gezwungen

Was meinen Sie damit konkret? 

Die Transaktionsmärkte sind derzeit Käufermärkte. Es ist für Verkäufer schwierig, für Immobilien wie Büros gute Preise zu erzielen, außer wenn sie hochwertig sind. Offene Immobilienpublikumsfonds mit dünner Liquiditätsdecke sind fast schon gezwungen, ihre guten oder sogar die besten Immobilien zuerst zu veräußern. 

Besser wäre es, wenn sie sich zügiger von Problemimmobilien trennen. Sonst sind vor allem die Investoren die Dummen, die den Fonds lange die Treue halten, da sich im Zuge der Verkäufe die Portfolioqualität zusehends verschlechtert. 

"Wir müssen dringend digitaler werden"

Ist es sinnvoll, dass der Gesetzgeber den Fonds mit Liquiditätsmanagementtools ein neues Instrumentarium verschafft hat, solchen Tendenzen entgegenzuwirken? 

Die ändern nichts an vielen grundsätzlichen Schwächen offener Immobilienpublikumsfonds: der hohen Kostenbelastung durch Vertriebsprovisionen und einem häufig zu wenig Cashflow-optimierenden Asset Management des Immobilienbestandes. 

Wenn ihre Performance wenigstens langfristig attraktiv wäre, wären viele Anleger eher bereit, auch mal Schwächephasen durchzustehen. Außerdem müssen sie dringend digitaler werden, insbesondere was ihren Vertrieb betrifft.

Dieses Interview ist Teil des Beitrags "Neue Krise, alte Schwächen" in der Ausgabe 03/2026 der "Immobilienwirtschaft".

 

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