Rechenzentren: Markt wächst abseits der Hot-Spots
Der deutsche Rechenzentrumsmarkt wächst über die Metropolen hinaus, wie ein Report von JLL zeigt. Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschland gut ab. Frankfurt am Main bleibt mittelfristig der europäische Topmarkt, doch bis 2030 werden demnach andere Städte und nicht-städtische Regionen mit Data Centern nachziehen.
Die Gewinner der Entwicklung werden jene sein, die innovative Energielösungen entwickeln und sich frühzeitig in den neuen Wachstumsregionen positionieren.
IT-Kapazität: Diese Städte und Regionen holen auf
Frankfurt am Main ist mit 997 Megawatt (MW) operativer IT-Kapazität und einer Leerstandsquote von nur vier Prozent derzeit führend in Europa, ebenso mit 128 MW Take-up in den FLAP-D-Märkten – Cluster der Städte Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin, die im Jahr 2025 den Löwenanteil der Investitionen und Infrastruktur bündelten.
"Die Mainmetropole verzeichnete 2025 einen Rekord mit 135 MW neu hinzugekommener Kapazität. Doch die Stadt stößt bei der Energieinfrastruktur an ihre Grenzen", sagt Studienautor Stanislav Kreuzer, Senior Director EMEA Research Data Hub Operations bei JLL. Wartezeiten für Netzanschlüsse größerer Anlagen können mehr als zehn Jahre betragen.
Berlin entwickelt das stärkste Wachstum. Mit 136 MW Bestand und einer Pipeline von 74 MW im Bau sowie 643 MW in Planung soll die IT-Kapazität bis 2030 auf bis zu 853 MW anziehen – ein Anstieg um das Sechsfache. München folgt mit 102 MW Bestand und 122 MW in Planung, während Köln / Düsseldorf mit 55 MW Bestand und 100 MW geplanter Kapazität durch Großprojekte wie Microsofts Investition im Rheinischen Revier profitiert.
Bemerkenswert ist laut JLL der Aufstieg dezentraler Standorte: In Nordrhein-Westfalen plant Blackstone in Hamm ein Rechenzentrum mit bis zu 200 MW Rechenleistung für rund vier Milliarden Euro. Die Schwarz-Gruppe baut in Brandenburg (Lübbenau / Spreewald) eine Anlage mit 200 MW Anschlussleistung für elf Milliarden Euro. Und in Sachsen wird der "Green Power Park" in Rackwitz mit bis zu 500 MW Anschlussleistung geplant.
Rechenzentren: Deutschland führt (noch) in Europa
Mit insgesamt 529 Rechenzentren nimmt Deutschland nach Angaben von JLL europaweit den ersten Platz ein. Der deutsche Markt wird aktuell auf 7,7 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2030 auf rund 12,8 Milliarden US-Dollar wachsen. In diesem Zuge soll die IT-Kapazität von derzeit 1,3 GW auf bis zu 4,85 GW steigen.
"Allerdings verschiebt sich die europäische Landschaft: Der Anteil der etablierten FLAP-D-Märkte an der gesamteuropäischen Rechenzentrumskapazität könnte bis 2035 von 62 auf 51 Prozent sinken", meint Kreuzer. Nordische Länder und Spanien gewinnen durch kürzere Netzanschlusszeiten, günstigere erneuerbare Energien und größere Flächenverfügbarkeit an Attraktivität. Der Strombedarf von Rechenzentren in Dänemark, Norwegen und Schweden soll bis 2030 um das Fünffache steigen.
Künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber
Laut Bitkom soll der Anteil von KI-Anwendungen an der installierten Rechenzentrumsleistung in Deutschland von derzeit 15 Prozent auf 40 Prozent bis 2030 steigen. Die Cloud-Migration der Wirtschaft bildet eine weitere solide Basis: Unternehmen wollen bis 2030 mehr als die Hälfte der IT-Anwendungen in die Cloud verlagern.
Ein dritter entscheidender Faktor ist die digitale Souveränität. US-Hyperscaler kontrollieren laut JLL zwei Drittel des europäischen Cloud-Marktes. Ein Wegfall dieser Anbieter könnte in Deutschland eine Versorgungslücke von zirka 1.200 MW erzeugen. Die im März 2026 beschlossene Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung zielt darauf ab, die Kapazitäten bis 2030 mindestens zu verdoppeln und KI-Kapazitäten zu vervierfachen.
Energie als Wettbewerbsfaktor
Die Energieversorgung entwickelt sich laut JLL zur größten Herausforderung. Erfolgreiche Projekte zeichnen sich durch innovative Energiekonzepte aus – Rechenzentren wandeln sich von passiven Verbrauchern zu aktiven Akteuren im Energiesystem.
Battery Energy Storage Systems (BESS) ermöglichen sogenanntes "Peak-Shaving" und tragen zur Netzstabilisierung bei. Betreiber investieren in eigene Photovoltaik- und Windkraftanlagen oder bauen eigene Kraftwerke, wie Cyrus One in Frankfurt-Sossenheim mit einem 61-MW-Gaskraftwerk.
"Die geografische Diversifizierung ist eine direkte Antwort auf Kapazitätsengpässe und unterstreicht die Notwendigkeit innovativer Lösungen bei Energie und Nachhaltigkeit", fasst Kreuzer zusammen.
"Die neue Geografie des Rechenzentrumsmarktes in Deutschland" (Download)
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