Wohnimmobilien: Mieten im Speckgürtel von Berlin explodieren

Im Osten Deutschlands lässt es sich vielerorts noch günstig wohnen. Zumindest auf dem Land ist das so. Im Ballungsraum von Berlin mit seiner Wohnungsknappheit sieht es anders aus – um bis zu 17 Prozent sind die Angebotsmieten dort innerhalb eines Jahres gestiegen, wie Zahlen von Immowelt zeigen.

Auch in der Metropole Berlin selbst steigen die Mieten weiter, wie ein Vergleich der beim Maklerportal Immowelt inserierten Mieten in 76 Stadt- und Landkreisen Ostdeutschlands zeigt: Der Quadratmeterpreis bei Neuvermietungen von Wohnungen mit einer Größe zwiwchen 40 und 120 Quadratmetern hat sich in der Hauptstadt im ersten Halbjahr 2020 (Anfang Januar bis Ende Juni) gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum im Median (mittlerer Wert der Angebotspreise) noch einmal um vier Prozent verteuert.

12,20 Euro Miete nettokalt pro Quadratmeter werden derzeit in Berlin fällig. Zwar gilt seit Ende Februar der Mietendeckel, der nimmt aber Wohnungen mit einem Baujahr ab 2014 aus – in diesem Bereich sind die Mieten nach Berechnungen von Immowelt noch stärker gestiegen.

Im Speckgürtel von Berlin steigen die Preise kräftig

Deutlich stärker als in Berlin steigen die Mieten derzeit im sogenannten Speckgürtel, was Immowelt als Folge der Wohnungsknappheit in der Hauptstadt interpretiert.

"Der angespannte Wohnungsmarkt in Berlin strahlt deutlich auf die umliegenden Landkreise in Brandenburg ab: Im Einzugsgebiet der Hauptstadt findet derzeit eine Preisrallye bei den Mieten statt." Prof. Dr. Cai-Nicolas Ziegler, CEO von Immowelt.

Die inserierten Mietpreise nähern sich vielerorts der Marke von zehn Euro pro Quadratmeter – im Landkreis Dahme-Spreewald, einem der führenden Wirtschaftsstandorte in Brandenburg, liegen die Mieten nach einem Anstieg um satte 17 Prozent mittlerweile sogar bei elf Euro. Auf 9,30 Euro (plus acht Prozent) kletterten die Mieten im Landkreis Oberhavel auf 9,40 Euro (plus sechs Prozent) im Kreis Potsdam-Mittelmark. Auch in den Landkreisen Teltow-Fläming (plus zehn Prozent) und Märkisch-Oderland (plus sieben Prozent) stiegen die Mieten kräftig auf acht Euro pro Quadratmeter. Im Havelland werden im Median 8,50 Euro (plus fünf Prozent) verlangt.

Geplantes Tesla-Werk im Landkreis Oder-Spree dürfte dort die Mieten noch pushen

Eine Ausnahme im Berliner Einzugsgebiet ist Potsdam. Hier geht Immowelt nach zuletzt starken Mietpreisanstiegen von einer Preiskorrektur aus: Die Angebotsmieten in der brandenburgischen Landeshauptstadt sind im Jahresvergleich um neun Prozent gesunken. Zuletzt gab es in Potsdam einen Bauboom, der viele hochpreisige Neubauten auf den Markt schwemmte – nun scheint das Preisniveau aber ausgereizt, sodass sich die inserierten Mieten derzeit bei zehn Euro pro Quadratmeter einpendeln.

Etwas preiswerter ist es derzeit noch im Landkreis Oder-Spree im Südosten von Berlin: 7,70 Euro pro Quadratmeter (plus drei Prozent) werden aktuell verlangt. Doch Immowelt erwartet, dass die Mieten in der Region zwischen Berlin und Eisenhüttenstadt an der polnischen Grenze wohl noch stärker steigen werden. Grund: Dort entsteht derzeit die neue Fabrik des Elektroautoherstellers Tesla mit mehr als 10.000 neuen Arbeitsplätzen. Das dürfte den Zuzug verstärken.

Fehlender Berlin-Einfluss wird durch Universitäten wett gemacht

Abseits des Berliner Speckgürtels müssen Mieter in Ostdeutschland laut Immowelt tendenziell dort die höchsten Preise bei Neuvermietungen zahlen, wo viele Studenten sind. In der Universitätsstadt Jena stieg der Quadratmeterpreis auf 9,20 Euro (plus zwei Prozent) und liegt damit schon nah an der Zehn-Euro-Grenze, in Weimar auf 7,50 Euro (plus drei Prozent).

Leipzig und Dresden sind für Städte dieser Größe noch relativ preiswert: In Leipzig werden Wohnungen derzeit im Median für sieben Euro pro Quadratmeter Mietfläche angeboten (plus vier Prozent), in Dresden liegen sie nun bei 7,70 Euro (plus drei Prozent). In beiden Städten steigen die Einwohnerzahlen seit Jahren konstant. Vor allem junge Menschen ziehen wegen der Ausbildung oder des Studiums aus den ländlicheren Regionen oder aus dem Umland dorthin. In Folge stagnieren dann dort die Preise. Der Landkreis Mittelsachsen zum Beispiel liegt genau zwischen Leipzig und Dresden – dort verharren die Mieten bei fünf Euro pro Quadratmeter.

Mietmarkt in Ostdeutschland zeigt sich zweigeteilt

In den ländlichen Regionen Ostdeutschlands beobachtet Immowelt auch weiterhin niedrige Preise mit allenfalls moderaten Steigerungen. Jenseits von Groß- und Universitätsstädten ist der Wohnungsmarkt in weiten Teilen des Ostens durch ein vergleichsweise günstiges Preisniveau geprägt. In diesen Regionen schrumpft die Bevölkerung. Die Nachfrage nach Wohnungen ist begrenzt, vielerorts gibt es Leerstand. Das sorgt für niedrige Preise.

In 58 der 76 untersuchten Stadt- und Landkreisen in Ostdeutschland liegt der Quadratmeterpreis bei Neuvermietungen unter sieben Euro. In rund 30 Prozent der Regionen sind die Mieten stabil oder leicht rückläufig. Die günstigsten Mietwohnungen werden im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt angeboten: Dort kostet der Quadratmeter unverändert 4,60 Euro.

Obwohl Schwerin und Magdeburg Landeshauptstädte und Oberzentren ihrer Bundesländer sind, bleibt auch dort das Preisniveau derzeit konstant: In Schwerin werden unverändert sieben Euro pro Quadratmeter verlangt, in Magdeburg sechs Euro. Auch in Halle (Saale), der größten Stadt Sachsen-Anhalts, gibt es keine Veränderung: Der Quadratmeter wird für sechs Euro angeboten.

Überblick der Mietentwicklung in 76 ostdeutschen Stadt- und Landkreisen


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