Warum Hitzeschutz nicht am Werkstor endet
Ein Unternehmen hat seine Hallen verschattet, die Arbeitszeiten an Hitzetagen angepasst und ausreichend Trinkwasser bereitgestellt. Trotzdem steht die Produktion still, weil die einzige Zufahrtsstraße wegen einer hitzebedingten Fahrbahnschädigung gesperrt ist, ein wichtiger Zulieferer wegen eigener Hitzeausfälle nicht liefern kann oder Beschäftigte den Standort wegen unterbrochener Verkehrsverbindungen gar nicht erst erreichen.
Dieses Beispiel macht die Grenzen betrieblicher Vorsorge sichtbar und zeigt: Viele Hitzefolgen entstehen nicht im Betrieb selbst, sondern an seinen Schnittstellen zu Verkehrsinfrastruktur, Lieferketten, Nachbarunternehmen und Kommunen. Genau deshalb darf Klimarisikomanagement nicht am Werkstor enden.
Vor Ort zusammenarbeiten
Manche Hitzefolgen lassen sich nur gemeinsam lösen. Eine überhitzte Zufahrtsstraße mit geschädigtem Asphalt gehört selten einem einzelnen Unternehmen, ein Gewerbegebiet heizt sich als Ganzes auf, und kommunale Hitzeaktionspläne wirken nur, wenn sie die dort ansässigen Betriebe mitdenken. Der Austausch mit der Kommune lohnt sich deshalb in beide Richtungen: Unternehmen liefern Wissen über Arbeitszeiten, Belegschaftsgrößen und besonders hitzeexponierte Bereiche, Kommunen bringen Planungshoheit über Verschattung, Begrünung und Verkehrswege ein.
Auch mit Nachbarunternehmen im selben Gewerbegebiet lassen sich Themen bündeln, die für ein einzelnes Unternehmen zu groß oder zu teuer wären: eine gemeinsame Notfallplanung für Hitzetage oder die geteilte Verschattung öffentlicher Wege.
Lieferanten zu Partnern machen
Ein Standort kann noch so gut vorbereitet sein – wenn ein kritischer Lieferant unter denselben Hitzebedingungen ausfällt, hilft das wenig. Und auch beim Lieferanten sinkt die Produktivität: Arbeitsschritte dauern länger, Pausen werden häufiger, Qualitätsprüfungen verschieben sich, und das kann sich über mehrere Kettenglieder zu spürbaren Lieferverzögerungen summieren. Wer potenzielle Ausfälle oder Verzögerungen früh erkennen will, muss mit seinen Lieferanten darüber sprechen, bevor der nächste Hitzesommer kommt.
Ein einmaliger Fragebogen reicht dafür meist nicht aus. Sinnvoller ist der direkte Austausch mit den wichtigsten Lieferanten: Welche Standorte sind besonders hitzeexponiert? Ab welcher Temperatur greifen dort Schutzmaßnahmen? Gibt es Alternativen, falls die Lieferung ausfällt? Und wie wird im Ernstfall kommuniziert? Wer umgekehrt sein methodisches Vorgehen, genutzte Datenquellen oder definierte Hitzeschwellen teilt, macht aus einer reinen Abfrage eine Partnerschaft – und sichert sich damit belastbare Antworten für die eigene Risikoplanung. Denn je konkreter diese Antworten ausfallen, desto realistischer lassen sich eigene Lagerbestände, Bestellzyklen und Ausweichoptionen planen, statt im Ereignisfall zu improvisieren.
Gemeinsam analysieren und im Netzwerk informieren
Bevor Unternehmen gemeinsam handeln, hilft es, gemeinsam zu lernen. Denn viele Fragen der Klimarisikoanalyse – welche Datenquellen genutzt werden können, wie Exposition und Vulnerabilität bewertet werden, welche Annahmen realistisch sind – muss nicht jedes Unternehmen für sich neu beantworten. Genau hier setzen Austauschformate an: Unternehmen vernetzen sich, teilen Wissen und lernen im Verbund. Beispielsweise in unseren Peer-Learning-Formaten erarbeiten Unternehmen ihre eigene, vertrauliche Risikoanalyse parallel, tauschen sich aber über Methodik und Erfahrungen aus. Ein solcher Prozess hat bereits vielen Unternehmen geholfen, schneller zu einer belastbaren ersten Einschätzung zu kommen, als es im Alleingang möglich gewesen wäre.
Neben dem direkten Austausch mit anderen Unternehmen bieten auch Plattformen und Netzwerke wertvolles Wissen, Leitfäden und Tools an. In Nordrhein-Westfalen besteht beispielsweise seit knapp fünf Jahren das Netzwerk Klimaanpassung & Unternehmen.NRW (NKU), in dem Anpassungsbedarfe auf Anbieter konkreter Lösungen treffen. Zudem bietet das Netzwerk Best-Practice-Sammlungen zur Klimaanpassung und Materialien zur niedrigschwelligen Einschätzung der eigenen Klimaresilienz.
Aber auch über NRW hinaus lohnt der Blick nach Kooperationsmöglichkeiten: Dabei muss nicht jede Zusammenarbeit groß angelegt sein. Oft reicht ein konkretes, gemeinsames Problem als Einstieg – ein kritischer Lieferant, eine unverschattete Fläche im Gewerbegebiet, eine offene Frage aus der eigenen Klimarisikoanalyse. Was hier am Beispiel Hitze beschrieben ist, funktioniert bei anderen Klimagefahren wie Starkregen oder Hochwasser nach demselben Prinzip: Wo Risiken über die Unternehmensgrenze hinausreichen, muss auch die Antwort darauf gemeinsam entwickelt werden.
Woche der Klimaanpassung – Seien Sie dabei!
Eine gute Gelegenheit sich zu vernetzen, bieten auch die aktuellen (14.09. bis 20.09.2026) Veranstaltungen der bundesweiten Woche der Klimaanpassung (WdKA), die vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gemeinsam mit dem Zentrum KlimaAnpassung (ZKA) veranstaltet wird. Gehen Sie raus, tauschen Sie sich aus, denn Klimaanpassung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die es alle braucht – von den Unternehmen über die Kommunen, den Verbänden bis hin zur Wissenschaft.
Hier geht’s zu den Veranstaltungen:
Veranstaltungen | Woche der Klimaanpassung - Zentrum KlimaAnpassung
Der Hitzesommer 2026 endet
Damit schließt sich der Kreis unserer Reihe: von den Kosten des Nichtstuns über die Steuerung im Unternehmen und die Auswahl wirtschaftlicher Maßnahmen bis zur Erkenntnis, dass Klimaanpassung dort am wirksamsten ist, wo Unternehmen sie nicht allein bewältigen müssen. Der Hitzesommer 2026 hat diese Reihe angestoßen, er wird aber nicht der letzte seiner Art gewesen sein. Wer jetzt beginnt, die eigenen Abhängigkeiten zu verstehen und die richtigen Partner einzubinden, ist für den nächsten besser gerüstet.
Takeaways für Ihr Unternehmen
Schauen Sie über das Werkstor hinaus.
Prüfen Sie nicht nur die Widerstandsfähigkeit des eigenen Standorts, sondern auch Zufahrten, Lieferketten und Arbeitswege. Nur so werden Abhängigkeiten sichtbar, die im eigenen Risikomanagement sonst fehlen.
Suchen Sie Verbündete.
Sprechen Sie mit Kommunen, Nachbarunternehmen und wichtigen Lieferanten nicht erst im Ereignisfall. Ein konkretes gemeinsames Problem – etwa eine gefährdete Zufahrt – ist der beste Ausgangspunkt.
Lernen Sie, bevor Sie investieren.
Peer-Learning-Formate und regionale Netzwerke ersparen Ihnen, Methodik und Lösungen allein zu entwickeln, und bringen Sie mit Unternehmen mit ähnlichen Herausforderungen zusammen.