Zukunftsmacher: Impact-Start-ups, die wirken

Socialbee: Jobvermittlung, die anders rechnet


Socialbee: Jobvermittlung, die anders rechnet

2015 flüchteten tausende Menschen nach Deutschland. Ein Jahr später gründete Zarah Bruhn „Socialbee“. Ihre Idee: Zeitarbeit für Geflüchtete als Non-Profit-Organisation. Die Einnahmen sollten ihre Betreuung und Qualifizierung finanzieren. Das Geschäftsmodell hat sich gewandelt, das Anliegen nicht: eine erfolgreiche Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt. Teil 11 unserer Serie „Zukunftsmacher“.

Einer der ersten Kunden von Socialbee war ein Architekt, der 2015 aus Syrien nach Deutschland geflohen war. Und eines der ersten Unternehmen, dem socialbee Zeitarbeitskräfte vermittelte, war der Essenslieferdienst Foodora. Der Syrer sprach damals kaum Deutsch, doch Englisch reichte, um als Fahrradkurier für Foodora zu arbeiten. Der Mann arbeitete sich hoch, lernte Deutsch und konnte in seinen erlernten Beruf zurückkehren. Als Architekt in einem großen Büro verdiente er schließlich so gut, dass er socialbee mit Spenden unterstützte.

Steckbrief:
socialbee gGmbH, München

Gründer: Zarah Bruhn, Maximilian Felsner
Gründungsjahr: 2016
Teamgröße: 50 Mitarbeiter:innen
Geschäftsidee: socialbee vermittelt Flüchtlinge und Migrant:innen in langfristige, faire Jobs und begleitet Unternehmen bei Recruiting, Qualifikation und Integration – für eine Welt, in der es alle schaffen können.
Zielgruppe: B2B, B2C

socialbee.org

Geschichten wie diese sind es, die Sarah Schilberg, PR-Chefin von socialbee, gerne erzählt. Sie zeigen, wofür das Unternehmen steht: Geflüchtete in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt integrieren, sodass sie wieder ein selbstbestimmtes, zufriedenes Leben führen können.

Die Idee von Socialbee geht zurück auf 2015, als viele Flüchtlinge nach Europa kamen. Angela Merkels Satz „Wir schaffen das!“ prägte eine neue Willkommenskultur. Schilberg half damals ehrenamtlich am Münchener Hauptbahnhof bei der Ankunft neuer Flüchtlinge. Zarah Bruhn, die später gemeinsam mit Maximilian Felsner Socialbee gründete, studierte zu dieser Zeit in Stockholm. Dank einer syrischen Freundin erhielt sie Einblicke in die Lage von Geflüchteten – und in die Brüche, die die Flucht in Biografien reißt.

Zeitarbeit als Kennenlernphase

Bruhn überlegte, wie sie den Menschen helfen könnte. Ihre Lösung: eine Zeitarbeitsfirma für Geflüchtete. Sie unterbrach ihr BWL-Studium und widmete sich ganz dieser Idee. „Für uns war die Frage sehr wichtig, was mit den Geflüchteten passierte, wenn sie einige Monate in Deutschland sind und die ehrenamtliche Hilfe versagt“, erzählt Schilberg. Wie ließen sich die Menschen nachhaltig in die Gesellschaft integrieren? „Zarahs Idee war eigentlich sehr simpel: Wir haben uns das Konzept der Zeitarbeit zunutze gemacht, aber als Non-Profit-Unternehmen. Die Entgelte der Unternehmen flossen in Coaching, Weiterbildung und in die Unterstützung bei administrativen Fragen – genau das, was Firmen bei der Einstellung zurückhielt.“ Ziel war es, die Zeitarbeit als Kennenlernphase zu nutzen, damit Firmen und neue Mitarbeiter:innen sich kennenlernen konnten, um dann schließlich eine Festanstellung zu bekommen.

Das Konzept funktionierte – bis zur Coronakrise. „Die ersten, die in der Krise den Arbeitsplatz verloren, waren Zeitarbeitnehmer“, erzählt Schilberg. Socialbee begann, in die Qualifizierung der Geflüchteten zu investieren. So konnte unter anderem ein großer Partner gewonnen werden, mit dem Socialbee Geflüchtete zu IT-Consultants ausbildete.

Dieses Modell hat sich weiterentwickelt: Heute vermittelt Socialbee keine Zeitarbeitskräfte mehr, sondern arbeitet mit einem Talentpool, in dem sich Kandidat:innen anmelden können. Direkt danach können sie digitale Weiterbildungsangebote nutzen, wie Sprachtraining oder Kurse zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt. Ein KI-basiertes Matching ordnet Stellen und Profile der Bewerber:innen einander zu. Gleichzeitig macht es den Einzelnen sichtbar, wo sich eine Weiterbildung für sie besonders lohnt.

„Die ersten, die in der Coronakrise den Arbeitsplatz verloren, waren Zeitarbeitnehmer.“
Sarah Schilberg

Integrationsquote über 90 Prozent

Für Socialbee endet die Unterstützung nicht mit dem Arbeitsvertrag. „Wir unterstützen die Menschen in der Regel mindestens die ersten neun Monate“, sagt Schilberg. Sie begleiten bei Alltagsthemen, helfen bei der Sprachförderung und sind ein Ansprechpartner für all die Fragen der einstellenden Unternehmen. Dieses Modell zahlt sich aus: „Unsere Integrationsquote liegt über 90 Prozent“, sagt Schilberg nicht ohne Stolz.

Nach eigenen Angaben hat Socialbee bereits 1.800 Menschen in feste Arbeitsverhältnisse vermittelt. Hinter jedem steht ein Schicksal mit Höhen und Tiefen, letzten Endes aber mit einer erfolgreichen Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Neben der Förderung der Talente arbeitet Socialbee mit seinen Partnerunternehmen, gibt Wissen und Integrationserfahrungen weiter, um auch auf diesem Weg noch mehr Menschen bei der Integration zu unterstützen. Unternehmen bezahlen Socialbee für seine Dienstleistungen. In der Anfangsphase unterstützen Stiftungen mit Anschubfinanzierungen, hinzu kommen Spenden zur Finanzierung der Arbeit. Da ist es hilfreich, dass Socialbee als gemeinnützige GmbH anerkannt ist.

Positive Erfahrungen

Dass die Stimmung des „Wir schaffen das“ durch eine Migrationsskepsis verdrängt wurde, merkt auch Socialbee in ihrer Arbeit. Die Organisation will dem vor allem positive Erfahrungen entgegensetzen: „Viele Unternehmen, die mit uns zusammengearbeitet haben, stellen danach schneller Menschen mit Migrationserfahrungen ein“, sagt Schilberg. Sie hält wenig von Abschottungsdebatten und verweist auf die ökonomische Lage: Der Fachkräftemangel verschärft sich, und der Renteneintritt der Babyboomer erhöht den Druck zusätzlich. Aus ihrer Sicht können Geflüchtete Teil der Lösung sein – wenn Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft Integration systematisch unterstützen.

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