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| Agiles Management

Agilität ist mehr als Flexibilität

Netzwerkstrukturen dominieren in einer agilen Organisation. Hierarchische Strukturen werden dagegen abgebaut.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Agilität - ursprünglich ein Begriff aus der Softwareentwicklung - ist inzwischen auch außerhalb der IT ein Thema: Agiles Management - nicht nur als Projektmanagement-Methode, sondern auch als Führungsprinzip und Organisationsstruktur. Doch oft ist nicht klar, was sich hinter "Agilität" wirklich verbirgt.

Agiles Management ist zweifellos ein Trendthema. Gerade erst hat die Unternehmensberatung Kienbaum ihre Change-Management-Studie 2014/2015 unter dem Titel „Agility – überlebensnotwendig für Unternehmen in unsicheren und dynamischen Zeiten“ veröffentlicht. Jens Bergstein, Autor der Studie und Berater bei Kienbaum, erklärt in der zugehörigen Pressemitteilung Agilität als „die Fähigkeit einer Organisation, rasch auf Veränderungen zu reagieren“.

Was agile Unternehmen ausmacht

Kriterien, die (eher) agile Unternehmen und agiles Management laut der Kienbaum-Befragung ausmachen sind unter anderem moderne Formen der internen Kommunikation – die Verwendung eigener Social Media innerhalb der Firma, die starre Informations- und Abstimmungsstrukturen aufbrechen sollen. Eine weitere Kompetenz agiler Unternehmen sei außerdem, dass das Top-Management wichtige Entscheidungen zügig treffe. Zudem zählt Kienbaum die Förderung durchlässiger Hierarchien zu den agilen Kriterien sowie „atmende“ Systeme und Verfahren, die schnell und flexibel Veränderungen im Markt aufnehmen und darauf adäquat reagieren können.

Wer agiles Management als Führungsprinzip etablieren möchte, dürfe das Thema Unternehmenskultur nicht unterschätzen. Agiles Management braucht eine Vertrauenskultur, "die die Agilität von Unternehmen nach Ansicht der Teilnehmer fördert: Eine solche Vertrauenskultur ermutigt Mitarbeiter, aktiv und schnell individuelle Lösungen an der direkten Kontaktstelle zum Kunden zu entwickeln, anstatt auf zentrale Vorgaben zu warten oder durch zu viele und zu starre bürokratische Planungs-, Kontroll- und Reporting-Aktivitäten gelähmt zu werden“, fügt Achim Mollbach von Kienbaum – ebenfalls Autor der Studie – hinzu.

Kurze Planungszyklen, iteratives Vorgehen, laterale Führung

Im Artikel „Agil anpassen!“ in Ausgabe 11/2014 des Personalmagazins nennen die Autoren der auf agiles Management spezialisierten HR-Beratung „HR Pioneers“ noch weitere wichtige Kriterien: „Das Konzept der Agilität umfasst kurze, überschaubare Planungs- und Umsetzungszyklen mit konkreten Ergebnissen („prototyping“), sodass sofortiges Anpassen auf veränderte Rahmenbedingungen möglich wird („inspect and adapt“). Fehler werden frühzeitig sichtbar und können bereits im Frühstadium korrigiert werden, Prioritäten werden regelmäßig hinterfragt und neu ausgerichtet. Agilität steht für iteratives Vorgehen, laterales Führen, interdisziplinäre und cross-funktionale Teamarbeit sowie organisierte Selbstverantwortung.“

Agiles Management nimmt Kunden und Mitarbeiter in den Fokus

Für die Entscheidungsfindung in Organsiationen bedeute das, dass Entscheidungen dort getroffen werden, „wo das Wissen und nicht die disziplinarische Macht sitzt.“ Das heißt laut den Autoren auch: Kunden werden von Beginn an in die Produktentwicklung eingebunden, sodass kontinuierliches Feedback und sofortiger Lerntransfer prozessimmanent sind. Prozesse werden aus Kundensicht gedacht. „Agile Unternehmen haben zudem verstanden, dass radikale Kundenorientierung einhergeht mit radikaler Mitarbeiterorientierung“, fügen die Autoren hinzu und fassen zusammen: „Bei Agilität geht es um Menschen und die Art und Weise ihrer Zusammenarbeit.“

Für die Organisationsentwicklung bedeute dies, dass sich hierarchisch geprägte Organisationen in Richtung Netzwerkstrukturen entwickeln – auf den Grundlagen Vertrauen, Transparenz, offene Fehlerkultur sowie disziplinierte und leidenschaftliche Selbstverantwortung.

Mehr als ein Trend – ernsthafte Debatte zur Agilität nötig

Mit diesen Kriterien und Definitionen wird klar: Agiles Management ist mehr als Flexibilität. Wer auf eine agile Organisation setzt, muss sich Gedanken machen zu Führungs- und Kommunikationskonzepten. Wer agil arbeiten will, muss die Grundlagen der bisherigen Zusammenarbeit infrage stellen. Darum sollte Agilität auch nicht nur als Trend betrachtet werden, der schnell im Unternehmen umgesetzt wird. Vielmehr ist eine ernsthafte Betrachtung vonnöten, die langfristige Konsequenzen mit sich bringt.

Gerade HR ist dabei gefordert: „HR muss jetzt den Mut aufbringen, bestehende Best Practices im HR-Bereich komplett infrage zu stellen und diese für ihr Unternehmen neu zu denken“, so die HR-Pioneers-Berater.

 

Weitere Informationen zum Thema "agiles Management" finden Sie hier:

Titelthema Personalmagazin: Welchen Beitrag HR zum agilen Management leisten kann

Das agile Manifest für die Softwareeentwicklung

12 Prinzipien agiler Softwareentwicklung


Alle Infos zum Thema "Agilität" finden Sie auf dieser Themenseite.

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