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Wie kann man Agilität lernen? Agilitätsexperte André Häusling (HR Pioneers) erklärt dies in einem Kurzvideo auf Youtube. Bild: YouTube

Agilität ist für viele Mitarbeiter zunächst abstrakt. Um agile Prinzipien und Werte verständlich und praxisnah erlebbar zu machen, empfiehlt sich eine spielerische Annäherung. Im "Praxisbuch Agilität" stellen André Häusling und seine Kollegen von HR Pioneers zahlreiche agile Spiele vor. Ein Auszug.

„Rettet das Spiel!“ So lautet der Titel eines aktuell erschienenen Buches von Gerald Hüther und Christoph Quarch. Was so dramatisch klingen mag, ist im Grunde nichts anderes als der Wunsch, dem Menschen spielerische Leichtigkeit zurückzugeben. Warum sollte spielerische Leichtigkeit im Job wichtig sein, mögt Ihr Euch jetzt fragen. Denn im Job geht es schließlich eher darum, Mehrwert zu schaffen, und weniger darum, sich spielerisch auszutoben. Oder? Dagegen steht die Auffassung von Gerald Hüther und Christoph Quarch: „Wenn wir zu spielen aufhören, hören wir auf, das Leben in all seinen Möglichkeiten zu erkunden. Und damit verspielen wir die Potenziale, die in uns stecken. Wer dem Leben nicht spielerisch begegnet, den erstickt es mit seinem Ernst. Das Leben ist kein Spiel, aber, wenn wir nicht mehr spielen können, dann können wir auch nicht mehr leben.“

Ein entscheidender Erfolgsfaktor spielerischer Auseinandersetzung mit Herausforderungen liegt im Spielraum, der das Spiel umgibt, und dem Ergebnis, das daraus entsteht. Erst dieser Raum ermöglicht kreative Erkenntnisse und Lösungen beim Menschen. [...] Die Neurobiologie belegt, dass Menschen beim Spielen die Angst verlieren und gleichzeitig neuronale Netzwerke aktiviert werden, die zur Lösung von Aufgaben führen. Durch die neue Verknüpfung des in den Netzwerken gelagerten Wissens entfalten sich Kreativität und Ideen. Es fällt uns demnach leichter, spielerisch (und ohne Druck in einem geschützten Spielraum) neue Ideen zu entwickeln und auszuprobieren.

Spielerisches Lernen: Fünf wesentliche Elemente

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen dem bloßen (vor sich hin) Spielen und dem Spiel. Ein Spiel findet in einem (geschützten) Spielraum statt, es ist (zeitlich) begrenzt, es gibt Interaktionsregeln, Spielobjekte sind vorhanden und natürlich darf das Spielziel nicht außer Acht gelassen werden. Wir gehen hier kurz auf die fünf wesentlichen Elemente eines Spiels ein:

  • Spielraum/Erfahrungsraum:
    „In ein Spiel einzutauchen, bedeutet, in einen andersartigen Raum einzutreten, in dem die Regeln des normalen Lebens vorübergehend nicht mehr gelten – die Regeln des Spiels nehmen ihren Platz ein“, schreibt der Innovationsberater Dave Gray in seinem Buch "Game Storming". Bedenkt dabei, dass es sich nur so lange um ein Spiel handelt, wie alle freiwillig teilnehmen und Ihr Euch auf gemeinsame Regeln für diesen Spielraum einigt. Wenn Ihr Euch mit Euren Kollegen also auf eine transformatorische Spielwiese begebt, sollten alle freiwillig mitmachen. Andernfalls solltet Ihr besser dafür sorgen, dass die vorhandenen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden (seien es Hindernisse zeitlicher, emotionaler oder anderer Art).
  • Begrenzung:
    Das Wort Begrenzung zeigt schon auf, worum es geht. Das Spiel hat immer einen Anfang und ein Ende. Es hat aber auch eine räumliche Begrenzung, die Ihr vorher als Spielleiter definiert (Gray et al. 2011).
  • Interaktionsregeln:
    Vor Beginn des Spiels gilt es, Spielregeln festzulegen, an die sich alle gemeinsam halten.
  • Spielobjekte:
    Bei einigen der beschriebenen Spiele müsst Ihr vorab Spielmaterial besorgen wie z. B. Bälle, Papier oder Ähnliches. Manche Spiele funktionieren auch „nur“ mit den Teilnehmern selber.
  • Spielziel:
    Ein Spiel hat nicht nur einen Anfang, sondern auch ein Ende. Allen muss klar sein, wann das Spiel beendet ist, sonst hinterlässt ein Spiel ein unfertiges Gefühl bei den Teilnehmern und verpufft schnell in seiner Wirkung. Zum Ende des Spiels ist es sinnvoll, die Erkenntnisse aus dem Spiel zu hinterfragen.

Diese fünf wesentlichen Elemente eines Spiels solltet ihr als Spielleiter oder Moderator in der Vorbereitung und Durchführung der hier vorgestellten Spiele entsprechend beachten.

Agile Prinzipien und Werte spielerisch erleben

Die agile Transformation ist ein Lernprozess für die gesamte Organisation. Dieser Lernprozess ist anstrengend und zuweilen mühsam. In anderen Phasen macht dieser Lernprozess einfach nur Spaß. Es geht vor allem darum, in den Organisationen Erfahrungsräume und Spielräume zu schaffen, um agile Werte und Prinzipien erlebbar zu machen. Wir stellen immer wieder fest, dass sich agile Werte und Prinzipien nur sehr schwer rational vermitteln lassen. Wir müssen sie vielmehr erfahren, ausprobieren und mit ihnen experimentieren. Hierfür benötigen wir Tools und Spiele, um diese Erfahrungen in einem geschützten Raum machen zu können. Nur so können wir erfahren, wann, wo und wie agile Werte und Prinzipien uns in der täglichen Zusammenarbeit einen Nutzen schaffen.

Spielerische Elemente zur Steigerung des agilen Reifegrads

In dieser Serie stellen wir verschiedene Tools und Spiele vor, mit denen Agilität, agile Strukturen und Prozesse sowie agiles Denkweisen spielerisch erlebt und erlernt werden können. Die vorgestellten Spiele sollen die agile Transformation in unterschiedlichster Weise unterstützen. Damit ihr schneller einen Überblick darüber gewinnen könnt, welche Spiele den Weg zur agilen Organisation in welcher Weise unterstützen können, haben wir die Spiele und Methoden den sechs Dimensionen der agilen Organisation aus dem Trafo-Modell zugeordnet: Strategie, Struktur, Prozesse, Führung, HR-Instrumente und Kultur. Manche Spiele zahlen auch auf mehrere der beschriebenen Dimensionen ein.

Mit Agile Games Agilität praxisnah erleben: Agile Spiele in der Übersicht

Zu den wichtigsten Prinzipien der Agilität gehört die radikale Kundenorientierung. Im ersten Teil dieser Serie stellen wir deshalb drei Methoden zur Identifizierung von Kundenwünschen vor: "Kundenpersonas", "Customer Empathy Map" und die "Sweet-Spot"-Methode. Sie helfen Mitarbeitern dabei, einen kundenzentrierte Denkweise zu erlernen.
Mit dem Strategiespiel „Meddlers“ von Jürgen Appelo lernen Mitarbeiter agile, kundenzentriere Organisationsstrukturen zu verstehen und auch selbst zu etablieren. Das Ball Point Game und die Teamübung "Taschenrechner" helfen dabei agile Prozesse praxisnah auszuprobieren und erste Erfahrungen damit zu sammeln.

Mit "Delegation Poker" lernen Führungskräfte agile Führungsprinzipien und den Umgang mit selbstorganisierten Teams. Typisch für agiles Arbeiten in selbstorganisierten Teams ist eine entsprechende Feedback-Kultur. Um eine solche zu erlernen und zu etablieren, wurden die "Pioneer Cards" entwickelt. Sie finden als HR-Instrument Anwendung im Recruiting und in der Mitarbeiter-, Team- oder Führungskräfteentwicklung. 

Die Agilität einer Organisation manifestiert sich auch in der Unternehmenskultur: Das Spiel "Universe of Culture" sensibilisiert für die Kultur-Dimension des agilen Wandels und fördert das gemeinsame Verständnis von agilen Werten.

Tipp: Mehr agile Spiele und Tools im "Praxisbuch Agilität"

Der obige Text ist ein Auszug aus dem „Praxisbuch Agilität“ von André Häusling, Esther Römer und Nina Zeppenfeld, das im Oktober 2017 bei Haufe erschienen ist. Das Buch versteht sich als "Toolbox" und versammelt über 40 agile Tools und Spiele. Es beinhaltet Lernziele, Spielanleitungen sowie Moderations- und Reflexionsfragen, sodass die Tools ganz einfach im Arbeitsalltag angewendet werden können. Arbeitsmaterialen, Praxisbeispiele und Experteninterviews können mit der "Augmented-Reality-App" von Haufe direkt angeschaut und heruntergeladen werden.

Sie können das „Praxisbuch Agilität“ hier im Haufe Shop bestellen.

Schlagworte zum Thema:  Agilität

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