Inklusionsbarometer: Mehr Arbeitslose mit Behinderung

Die Arbeitsmarktlage von Menschen mit Behinderung hat sich durch die Coronapandemie stark verschlechtert. Das Inklusionsbarometer zeigt: Von Januar bis Oktober 2021 waren im Durchschnitt 174.006 Menschen mit Behinderung arbeitslos – sogar noch einmal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.

Im Hinblick auf den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember heißt es Bilanz zu ziehen: Wie steht es um die Inklusion in Deutschland? Die Antwort lautet: besorgniserregend. Die Coronapandemie hat die Situation für Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt im zweiten Jahr in Folge erschüttert.

Den traurigen Höchststand seit Beginn der Krise markierte der Januar 2021 mit 180.047 Arbeitslosen mit Behinderung. Zu diesem Ergebnis kommt das Inklusionsbarometer Arbeit 2021 der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes. (Betrachten Sie dazu auch unsere Infografik.)

Fortschritte bei der Inklusion zunichte gemacht

Die Studienergebnisse zeigen zwar, dass sich der seit Beginn vorherrschende negative Trend bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung im Jahresverlauf 2021 etwas verlangsamt hat. Dennoch ist eine Entwarnung aus Sicht der Studienautoren noch nicht gegeben. So waren im Oktober 2021 zwar rund vier Prozent weniger Menschen mit Behinderung ohne Arbeit als im Oktober 2020. Aber das waren immer noch acht Prozent mehr als im Vergleichszeitraum vor der Pandemie.

Insgesamt liegt das Niveau der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt auf dem Stand von 2016. Seitdem hatte sich die Situation kontinuierlich verbessert – bis die Coronapandemie kam. Das heißt: Alle seither erreichten Fortschritte verloren.   

Langzeitarbeitslose mit Behinderung: Vom Arbeitsmarkt vergessen

Auch wenn in Deutschland wieder verstärkt rekrutiert wird: Der Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung ist traditionell weniger dynamisch als der für Menschen ohne Behinderung. Die Negativfolgen der Pandemie werden laut den Studienautoren also länger spürbar sein. Damit steige auch die Gefahr, dass noch mehr Menschen mit Behinderung in die Langzeitarbeitslosigkeit geraten. Schon 2020 waren knapp 70.000 Personen mit Behinderung mindestens ein Jahr ohne Beschäftigung.

"Die Langzeitarbeitslosigkeit ist auch unabhängig von der derzeitigen Krise ein gravierendes Problem", so Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch. "Für Menschen mit Behinderung, die schon lange arbeitssuchend sind, bestehen ohne aktive Unterstützung seitens Wirtschaft und Politik kaum Chancen, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Diese Menschen werden schlichtweg vergessen und durch strukturelle Barrieren auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt."

Flächendeckend mehr Arbeitslose mit Behinderung

Trotz der leicht positiven Entwicklung, die sich seit Anfang 2021 flächendeckend in Deutschland – mit der Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns – abzeichnet, liegt die Anzahl arbeitsloser Menschen mit Behinderung in allen Bundesländern weiterhin über der Vor-Coronazeit. Den höchsten Anstieg der Arbeitslosenzahlen infolge der Pandemie verzeichnen die Bundesländer Hamburg mit fast 16 Prozent sowie Bayern mit rund 14 Prozent (Vergleichszeitraum Oktober 2019 und 2021).

Das komplette "Inklusionsbarometer 2021" der Aktion Mensch finden Sie hier.

Weitere Ergebnisse des "Inklusionsbarometer 2021" finden Sie in dieser Infografik.


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