Wirtschaftskrise drückt Inklusion in deutschen Unternehmen
Von der Coronapandemie über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hin zu den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels: Die Herausforderungen der vergangenen Jahre hinterlassen auf dem Arbeitsmarkt deutliche Spuren. Ein Indikator ist die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Behinderung, die Phasen wirtschaftlichen Ab- und Aufschwungs in der Regel später zu spüren bekommen. Sie ist im Jahr 2025 von 11,0 auf 11,6 Prozent gestiegen.
Das geht aus den Zahlen des diesjährigen Inklusionsbarometers Arbeit hervor. Die Studie wird von der sozialen Förderaktion Aktion Mensch in Kooperation mit dem Handelsblatt Research Institute erstellt.
Inklusionsbarometer zeigt deutliches Minus
Das Inklusionsbarometer Arbeit ist ein Instrument zur Messung von Fortschritten von Menschen mit Behinderung auf dem deutschen Arbeitsmarkt und wird im dreizehnten Jahr erhoben. Für 2025 hat es einen Gesamtwert von 107,6 ermittelt – ein Minus im Vergleich zum Vorjahr (108,3).
Dieser Gesamtwert setzt sich aus zehn Indikatoren zusammen, vier davon weisen negative Veränderungen auf. Unter anderem ist die Beschäftigungsquote Schwerbehinderter zurückgegangen. Zugleich ist die Zahl der Anträge auf Kündigung Schwerbehinderter gestiegen. Gleichgeblieben ist der Anteil der Arbeitgeber, die mindestens einen Pflichtarbeitsplatz besetzen.
Menschen mit Behinderung: eine große stille Reserve
Verbessert hat sich die Erwerbsquote von Menschen mit Behinderung: von 48,1 Prozent auf 49,2 Prozent. Von den insgesamt 3,1 Millionen Menschen mit Behinderung im erwerbsfähigen Alter sind demnach rund 1,6 Millionen nicht in den Arbeitsmarkt integriert. "Selbst wenn man berücksichtigt, dass ein Teil der Menschen mit Behinderung dauerhaft arbeitsunfähig ist, hat die ‘stille Reserve‘ eine beträchtliche Größe", schreiben die Autorinnen und Autoren des Inklusionsbarometers.
Der Anteil der Arbeitgeber, die die gesetzlich vorgeschriebene Fünf-Prozent-Quote vollständig erfüllen und alle Pflichtarbeitsplätze besetzen, ist leicht auf 39 Prozent gestiegen. Weitere 35 Prozent erfüllen die Quote zum Teil. Das heißt: 26 Prozent der Unternehmen beschäftigen keinen Menschen mit Behinderung, obwohl sie dazu verpflichtet sind – das sind rund 47.000 Unternehmen.
Beschäftigungsquote sinkt auf neuen Tiefstand
Unternehmen mit 20 Mitarbeitenden und mehr sind gesetzlich dazu aufgefordert, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze an Menschen mit Behinderung zu vergeben. Das betrifft derzeit mehr als 180.000 Unternehmen – mehr als in den Vorjahren. Das heißt auch, dass die Anzahl an Arbeitsplätzen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Behinderung theoretisch angestiegen ist. Die gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsquote ist dennoch auf einen Tiefstand von 4,4 Prozent gesunken.
Aus Sicht der Studienautoren handeln Arbeitgeber kurzsichtig, wenn sie in herausfordernden Zeiten darauf verzichten, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. "Inklusion ist in diesen disruptiven Zeiten nicht etwa eine zusätzliche Belastung – sie ist ein Potenzial, das Unternehmen gerade jetzt widerstands- und zukunftsfähiger macht", kommentiert Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch.
Das komplette "Inklusionsbarometer Arbeit 2025" der Aktion Mensch können Sie hier herunterladen.
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