Inklusionsbarometer: Mehr Lanzeitarbeitslose mit Behinderung

Die Folgen der Pandemie sind für Menschen mit Behinderung noch immer auf dem Arbeitsmarkt spürbar. Zwar sinken die Arbeitslosenzahlen, gleichzeitig verschärft sich jedoch die Langzeitarbeitslosigkeit. Eine Beschäftigung scheitert oft an der Einstellungspolitik der Unternehmen.

Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung ist gesunken – von 11,8 Prozent im Jahr 2021 auf 11,5 Prozent im Jahr 2022. Auch die Anzahl der Tage, die Arbeitslose mit Behinderung länger nach einer neuen Beschäftigung suchen, hat abgenommen – von 96 Tagen im Jahr 2021 auf 85 Tage in diesem Jahr.

Doch das sind wenige positive Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Auf der Minusseite steht unter anderem die Tatsache, dass nahezu die Hälfte aller arbeitslosen Menschen mit Behinderung mindestens ein Jahr ohne Beschäftigung ist – ein Plus von über fünf Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.

Ausgleichsabgabe: Die Mehrheit der Unternehmen kauft sich frei

Das aktuelle Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes zeigt: Erholung und Fortschritt der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt scheitern insbesondere an der Beschäftigungsbereitschaft der Unternehmen.

Etwa 173.000 Unternehmen in Deutschland sind gesetzlich dazu aufgefordert, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze an Menschen mit Behinderung zu vergeben. Während lediglich rund 40 Prozent dieser Unternehmen alle Pflichtarbeitsplätze besetzen, beschäftigen fast 26 Prozent keinerlei Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer mit Behinderung. Sie entziehen sich gänzlich ihrer Verpflichtung und zahlen stattdessen die volle Höhe der sogenannten Ausgleichsabgabe.

Positive Erfahrungen bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung

Die derzeitige Einstellungspolitik ist umso kritischer vor dem Hintergrund der positiven Erfahrungen von Unternehmen zu bewerten, die Menschen mit Behinderung beschäftigen. Laut einer repräsentativen Befragung im Studienkontakt gaben 80 Prozent der Arbeitgeber an, keine Leistungsunterschiede zwischen Beschäftigten mit oder ohne Behinderung wahrzunehmen. "Die Entwicklung der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt hängt entscheidend von der Beschäftigungsbereitschaft der Unternehmen ab. Doch trotz zunehmender Personalengpässe ignorieren viele das Potenzial von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Behinderung", sagt Professor Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institutes.

Gespaltene Situation: Stabile Arbeitsverhältnisse versus Langzeitarbeitslosigkeit

Einmal auf dem Arbeitsmarkt angekommen, bewertet das Gros der Beschäftigten mit Behinderung den Einsatz ihrer Fähigkeiten als adäquat: 89 Prozent bestätigen, dass sie ihren beruflichen Qualifikationen entsprechend eingesetzt werden. Gleichzeitig erweisen sich bestehende Arbeitsverhältnisse als stabil – im Jahr 2021 gab es mit 19.749 so wenig Anträge auf Kündigung von Menschen mit Behinderung wie noch nie seit Erscheinen des ersten Inklusionsbarometers.

Sind Menschen mit Behinderung dagegen arbeitslos, zeigt sich ein anderes Bild: Im vergangenen Jahr gelang lediglich drei Prozent die Rückkehr in den Arbeitsmarkt, während es bei Menschen ohne Behinderung sieben Prozent waren. Arbeitslose ohne Behinderung haben folglich eine mehr als doppelt so hohe Chance, eine Anstellung zu finden als Arbeitslose mit Behinderung. Das verstärkt weiterhin die Gefahr der Langzeitarbeitslosigkeit: Mehr als 80.000 potenzielle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – und damit rund 47 Prozent aller arbeitslosen Menschen mit Behinderung – sind mindestens ein Jahr ohne Beschäftigung.

Das komplette "Inklusionsbarometer 2022" der Aktion Mensch können Sie hier herunterladen.

Weitere Ergebnisse des Inklusionsbarometers 2022 können Sie dieser Infografik entnehmen.


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