MINT-Report: Fachkräftemangel erreicht Höchststand

Wer ein Studium oder eine Berufsausbildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik wählt, hat weiterhin beste Chance im Arbeitsmarkt. Der MINT-Frühjahrsreport 2019 weist rund 311.300 unbesetzte MINT-Stellen in Unternehmen aus. Die Gründe dafür sieht das Nationale MINT Forum (NMF) unter anderem in einer mangelnden Begleitung von Azubis und Studierenden.

Noch immer klafft auf dem MINT-Arbeitsmarkt eine beträchtliche Lücke. Unternehmen in Deutschland fehlen derzeit rund 311.300 Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker. Damit hat sich der Wert in weniger als vier Jahren verdoppelt. Noch im Herbst 2015 blieben 164.400 Stellen unbesetzt. Als Ursache nennt der Report, den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln zweimal jährlich erstellt, die hohen Abbruchraten in Ausbildung und Studium. Jeder vierte Auszubildende (26 Prozent) im MINT-Bereich schließt diese nicht ab. Und auch unter den Studierenden brechen viele ab oder wechseln die Fachrichtung. Ein Lichtblick: Die Zahl neuer Ausbildungsverträge ist zwischen 2010 und 2018 um 14 Prozent auf insgesamt 151.800 gestiegen.

Bayern, Rheinland-Pfalz, Thüringen und NRW gehen voran

Auf Basis des Reports sprach das NMF Empfehlungen aus, die auf dem siebten Nationalen MINT-Gipfel am 27. Juni 2019 in Berlin von 120 Vertretern aus Bundes- und Landespolitik sowie den Mitglieder des Forums diskutiert wurden. "Wir wollen gemeinsam mit Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft eine Nationale Qualitätsallianz auf den Weg bringen", formulierte Nathalie von Siemens, Sprecherin des NMF, die Zielsetzung. Beispiele wie die Landesprogramme zur Förderung von regionalen MINT-Netzwerken in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Reinland-Pflanz und Thüringen zeigten, dass das Thema in der Politik angekommen sei.

Aktionsplan der Bundesregierung soll MINT-Bildung stärken

Christian Luft, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, versprach: "Der MINT-Aktionsplan der Bundesregierung wird die MINT-Bildung stärken. Zusammen mit der MINT-Community starten wir neue Maßnahmen, um vorhandenes Potenzial in Deutschland besser zu nutzen." Der Gipfel mündete in sechs Kernforderungen des NMF, die lauten:

  1. Eine Nationale Allianz zur Stärkung der Qualität und Wirkung von MINT-Initiativen bilden!
  2. Die regionalen MINT-Netzwerke systematisch und koordiniert stärken!
  3. Mit allen Bildungspartnern ein integriertes System von Schule und ihrer Umwelt schaffen!
  4. MINT-Frauen gewinnen und halten – auch für die berufliche Bildung!
  5. Perspektivenwechsel in der Berufs- und Studienorientierung erzielen!
  6. Begleitung von Berufsausbildung und Studium auf die Einzelnen ausrichten!

Zwar bieten viele Unternehmen inzwischen Praktika oder Informationstage für junge Frauen, um diese für einen MINT-Beruf zu begeistern, die Wirkung solcher Maßnahmen scheint bislang jedoch begrenzt. Der Anteil weiblicher Auszubildender ist laut Report zwischen 2012 und 2017 lediglich von 7,8 auf 8,8 Prozent gestiegen. Eine pessimistische Selbsteinschätzung und fehlende Rollenvorbilder führten immer noch dazu, dass sich wenig Mädchen und junge Frauen für ein MINT-Bildungsweg entscheiden, so die Einschätzung des Forums.

MINT-Studierende orientieren sich früh im Jobmarkt

Während der Fachkräftemangel die Suche für Unternehmen nach geeigneten Kandidaten ohnehin erschwert, sollten sich Arbeitgeber außerdem besonders früh um MINT-Studierende bemühen. Das ergab die aktuelle Umfrage "Jobcampus MINT" unter 500 Studierenden an zehn Hochschulen. Knapp zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) gaben an, sich bereits in den ersten beiden Semestern eigeninitiativ über mögliche Arbeitgeber zu informieren. Interessant dabei: Je länger sich Studierende mit der Arbeitgebersuche beschäftigen, desto weniger Einfluss nimmt ihr soziales Umfeld auf die Entscheidung. Während bei der Erstrecherche noch 61 Prozent der Befragten Wert auf die Einschätzung von Familie und Freunden legten, waren es in der Findungsphase nur noch 26 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt setzen viele Studierende auf Informationen von Arbeitgeberbewertungsportalen.

Konzerne als Arbeitgeber präferiert

Ihre berufliche Zukunft sieht ein Drittel (34 Prozent) der Befragten im Konzern und ein Viertel im Mittelstand (26 Prozent). Immerhin 15 Prozent können sich vorstellen, selbst ein Unternehmen zu gründen, 12 Prozent streben eine akademische Laufbahn an. Wie bekannt ein Arbeitgeber ist, interessiert Studierende dabei kaum. Lediglich jeder Fünfte (23 Prozent) lässt sich davon beeindrucken. Stattdessen geben Faktoren wie Tätigkeitsfeld (85 Prozent), Sozialleistungen (84 Prozent), Betriebsklima (83 Prozent) und Weiterbildungsangebote (82 Prozent) den Ausschlag.


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