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03.02.2014 | Serie Kolumne Talent Management

Warum Talent Manager Klatsch und Tratsch brauchen

Serienelemente
Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Der Datenschutz setzt hohe Anforderungen an das Personalmanagement. Und trotzdem werden viele Geheimnisse von Personalern ausgeplaudert. Was daran – zumindest für das Talent Management – positiv ist, erläutert Talent-Management-Experte Martin Claßen in seiner heutigen Kolumne.

In der Flut von Studien im Kern und an den Rändern von Talent Management ist mir neulich eine untergekommen, die behauptet, dass deutsche Personaler besonders oft Vertrauliches an Interne und Externe ausplaudern. Ein gutes Drittel deutscher Personaler – so die Studie – verrate Firmengeheimnisse. Ein knappes Drittel gäbe persönliche Informationen über Führungskräfte und Mitarbeiter weiter.

Schweigezone Talent Management?

Bei solchen Ergebnissen gibt es einen spontanen Reflex: Das geht nun gar nicht, besonders nicht im Talent Management. Berufliche und private „Insights“ über die Guten und Schlechten im Unternehmen sind diskrete, fast intime Informationen. Da müsse das Siegel der Verschwiegenheit drauf.

Es tröstet wenig, dass laut Studie die Personaler anderer Länder offenbar noch weitaus plappermäuliger, schwatzbasiger, plaudertaschiger sind. Kaum weniger Trost bietet es, dass im Marketing deutlich öfter als in der Personalfunktion über „Top Secrets“ geschwätzt wird.

Die meisten Personaler können schweigen?

Mich hat an diesen Studienergebnissen etwas ganz anderes verwundert. Rund ein Drittel Klatschtanten und Tratschonkel in der HR-Funktion würde ja bedeuten, dass zwei Drittel der deutschen Personaler bei sensitiven Themen schweigen können. Aus meiner bisherigen Erfahrung hätte ich diesen Wert eher auf knapp zehn Prozent geschätzt. So kenne ich einige Personalbereiche, die vor allem deshalb keine große Rolle im Performance Management ihres Unternehmens spielen, weil sie in der Vergangenheit allzu redselig gewesen sind.

Diese Eindrücke habe offenbar nicht nur ich gewonnen. Personalabteilungen gelten laut Studie als undichte Informationsquelle Nummer eins. Die meisten Befragten aus dem Business würden sich als Erstes an jemanden aus der Personalabteilung wenden, um an vertrauliche Informationen über Kollegen zu gelangen. So habe ich dies bisher auch gehalten.

Talent Manager können den Tratsch nutzen

Aber ich bin lernfähig. Künftig gehe ich davon aus, dass zwei von drei Personalern, mit denen ich es zu tun habe, eiserne Verschwiegenheit über Unternehmensinterna der Firma sowie Privatangelegenheiten von Dritten konsequent durchhalten.

Nur schade! Bisher hat der immerwährende Klatsch und Tratsch die Personalfunktion interessant gemacht. Das war wie Salz in der Suppe. Gerade im Talent Management, wo es ganz besonders um das menschliche Schwächeln und die vielen kleinen Geheimnisse geht. Nun werde ich ernsthaft überlegen, künftig zum Marketingberater zu mutieren.

Bitte sagen Sie dies in keinem Fall weiter.

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talent Management gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Haufe Online Redaktion

Talent Management, Datenschutz, Personalentwicklung, Recruiting, Mitarbeiterbindung

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