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10.02.2014 | Serie Kolumne Talent Management

Gegentrend zur Frauenquote

Serienelemente
Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Die Debatten um die Frauenquote haben die Förderung von Frauen in den Fokus der HR-Arbeit gerückt – doch Talent Manager sollten darüber nicht die männlichen Kollegen vergessen. Das Spiel aus Trend und Gegentrend im Talent Management beschreibt Martin Claßen in seiner heutigen Kolumne.

Die Welt von morgen beschäftigt Menschen seit sie denken können. Ein Megatrend unserer Zeit heißt "Frauen", verraten uns die Zukunftsforscher. Im Grunde handelt es sich dabei natürlich um keinen Megatrend. Denn Frauen sind bereits seit Urzeiten ein Teil der Menschheit, meist ziemlich genau die Hälfte.

Doch hören wir den Trendgurus genauer zu: Jeder Megatrend hätte seinen Gegentrend, der aus menschlichen Sehnsuchtsfeldern erzeugt würde. Das meint zumindest David Bosshart, Präsident des Gottlieb-Duttweiler-Instituts, einem renommierten "Think Tank" in der Schweiz. So entstehe aus dem Megatrend "Urbanisierung" das Sehnsuchtsfeld "Natur", aus "Globalisierung" das Sehnsuchtsfeld "Heimat", aus "Digitalisierung" das Sehnsuchtsfeld "Handwerk".

Grillpartys für männliche Talente?

Der Megatrend "Frauen" besitzt natürlich ebenfalls seinen Gegentrend, der von männlichen Sehnsüchten getragen wird. "Der Aufstieg des Weiblichen", meint Bosshart, "kann dann auch nur im Spannungsfeld mit dem Männlichen verstanden werden". Er bedenkt die Folgen dieses Gegentrends: "Männer suchen ihre Verstecke, ihre Höhlen, wo sie ungeniert unter sich sein können." In den Alltag übersetzt, glaubt er: Tupperpartys für Frauen würden sich zu Grillpartys für aktivitätshungrige Männer entwickeln.

Wenn Sie, liebe männliche Leser, bislang noch niemals auf einer solchen Party gewesen sind, ist dies ein deutliches Indiz für Ihren Rückstand zum (Gegen-)Trend.

Umsetzung im Talent Management

Natürlich haben solche Entwicklungstendenzen höchste Relevanz im Talent Management. Versprochen: Das Thema "Frauenquote" bleibt an dieser Stelle konsequent ausgespart. Hierüber kann man heute als "normaler" Mann nichts Vernünftiges und auch nichts Witziges mehr sagen - allenfalls noch denken.

Blicken wir lieber auf den Gegentrend aus maskulinen Sehnsuchtsfeldern: Wie kann Talent Management männlichen Hoffnungsträgern wieder "Höhlen" bieten und damit mehr Aufmerksamkeit schenken? Wie fördern Talent Manager auch die männlichen Talente? Sollen sie auf solch zweifelhafte Grillpartys zurückgreifen? Wohl eher nicht ...

Alternativen zu den Grillpartys finden

Was aber sonst? Vielleicht ließe sich als Antwort auf die Megatrends "Globalisierung-Urbanisierung-Digitalisierung-Feminisierung" ein maskuliner Retrotrend schnitzen – eine Kombination aus allen Gegentrends: Natur, Heimat, Handwerk. Draußen im Freien mit den eigenen Händen werkeln. Da fühlen sich die meisten Männer am wohlsten. Hiermit könnten sich Unternehmen mit ihrem zielgruppenspezifischen Talent Management für immerhin fünfzig Prozent der Menschheit noch differenzieren. Die Talentmänner würden dem Unternehmen dankbar sein. Und scharenweise kommen. Und mit vollem Einsatz schuften. Und überhaupt nicht an Alternativen denken. Und dabei sogar noch glücklich lächeln. Oder haben Sie noch bessere Ideen?

Nachsatz: Bis diese Kolumne stand, dauerte es eine Weile. Der Kolumnist und die Redakteurin haben sich dann aber doch geeinigt.

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talent Management gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Haufe Online Redaktion

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Talent Management, Frauenquote, Recruiting, Personalentwicklung, Mitarbeiterbindung

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