Weihnachtsgeld richtig versteuern

Das Weihnachtsgeld als Sonderzahlung am Jahresende ist voll steuerpflichtig. Für Einmalzahlungen wie das Weihnachtsgeld wird die Lohnsteuer nach der Jahreslohnsteuertabelle ermittelt. Durch diese besondere Art der Steuerberechnung bleibt oft weniger vom Weihnachtsgeld übrig als erwartet.

Das Weihnachtsgeld gehört steuerlich zu den sonstigen Bezügen. Sonstige Bezüge sind alle Lohnzahlungen, die keinen laufenden Arbeitslohn darstellen. Neben Einmalzahlungen fallen unter diesen weiter gefassten Begriff sämtliche Arbeitslohnzahlungen, die nicht regelmäßig anfallen. Sonstige Bezüge sind solche, die nicht für einen bestimmten Lohnzahlungszeitraum gezahlt werden, sondern für längere Zeitabschnitte. Zu den sonstigen Bezügen gehören zum Beispiel auch Urlaubsgeld, Abfindungen, Tantiemen oder Jubiläumszuwendungen.

Weihnachtsgeld: Zuflusszeitpunkt einmaliger Bezüge

Das Weihnachtsgeld wird oft auch als 13. oder 14. Monatsgehalt bezeichnet. Dies ändert jedoch nichts an der steuerlichen Behandlung. Der Arbeitgeber muss die Lohnsteuer für das Weihnachtsgeld im Zeitpunkt des Zuflusses bei den Mitarbeitenden einbehalten, also dann, wann das Weihnachtsgeld ausgezahlt wird. Dies gilt auch, wenn das Weihnachtsgeld zwar für das Jahr 2022 gewährt, aber (versehentlich oder bewusst) erst im Januar 2023 ausgezahlt wird.

Beispiel: Weihnachtsgeld wird erst im Januar ausgezahlt

Der Monatslohn für Dezember 2022 wird zusammen mit dem Weihnachtsgeld am 2. Januar 2023 überwiesen.

Ergebnis: Das Weihnachtsgeld ist in 2023 zugeflossen und muss in die Lohnabrechnung für Januar 2023 einbezogen werden. Der laufende Arbeitslohn gilt 2022 als zugeflossen und ist in der Lohnabrechnung für Dezember 2022 abzurechnen.

Weihnachtsgeld: Berechnung der Lohnsteuer

Das Weihnachtsgeld wird bei der Lohnsteuerberechnung anders behandelt als laufender Arbeitslohn. Um die Lohnsteuer richtig zu berechnen, muss der Arbeitgeber zunächst den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn und die darauf entfallende Jahreslohnsteuer ermitteln. Dann wird die Jahreslohnsteuer nochmals für den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn – unter Einbeziehung des Weihnachtsgelds – ermittelt. Die Differenz zwischen beiden Steuerbeträgen ist die Lohnsteuer, die vom Weihnachtsgeld einzubehalten ist.

Lohnsteuer auf Weihnachtsgeld berechnen

Wie ist Weihnachtsgeld zu versteuern?

Beispiel: Lohnsteuer aufs Weihnachtsgeld berechnen

Ein Arbeitnehmer, Steuerklasse III, erhält im Kalenderjahr 2022 ein monatliches Gehalt von 4.000 Euro brutto. Als Weihnachtszuwendung bekommt er im Dezember 2022 zusätzlich ein volles Monatsgehalt gezahlt.

A) Besteuerung des Monatslohns

Lohnsteuer für den laufenden Arbeitslohn nach Monatstabelle      

   

    325,50 Euro

B) Differenzrechnung für die Jahreslohnsteuer

Voraussichtlicher laufender Jahresarbeitslohn (12 x 4.000 Euro)

Lohnsteuer nach der Jahrestabelle     


48.000 Euro

  3.906 Euro

Voraussichtlicher Jahresarbeitslohn inklusive Weihnachtsgeld (48.000 Euro plus 4.000 Euro)  

Lohnsteuer nach der Jahrestabelle

52.000 Euro
 

  4.774 Euro

Differenzrechnung (4.774 Euro - 3.906 Euro)

 = Lohnsteuer für das Weihnachtsgeld                               

   

    868 Euro

C) Lohnsteuer gesamt für Dezember 2022 (325,50 Euro plus 868 Euro)

= Lohnsteuer laufender Monatslohn und Weihnachtsgeld


  1.193,50 Euro

Praxistipp: Elektronische Lohnabrechnungsprogramme sehen Eingabemöglichkeiten für sonstige Bezüge vor und führen die vorstehende Berechnung automatisch durch.

Steuerfreies Weihnachtsgeld als Inflationsausgleich?

Der Gesetzgeber hat wegen der steigenden Preise kurzfristig die Möglichkeit für Arbeitgeber eingeführt, Leistungen zur Abmilderung der Inflation bis zu einem Betrag von 3.000 Euro steuerfrei an ihre Beschäftigten zu gewähren. Die Neuregelung (§ 3 Nr. 11c EStG) gilt für Arbeitgeberleistungen, die im Zeitraum vom 26.10.2022 (Tag nach der Verkündung des Gesetzes) bis zum 31.12.2024 gewährt werden. Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist aber, dass die Leistungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt, also insbesondere nicht im Wege einer Entgeltumwandlung finanziert werden (vgl. dazu auch § 8 Abs. 4 EStG).

Regelmäßig kann das Weihnachtsgeld deshalb auch nicht in eine steuerfreie Leistung umgewandelt werden. Nur sofern vorher keine vertraglichen Vereinbarungen oder andere rechtliche Verpflichtungen des Arbeitgebers zur Gewährung bestanden, kann in Einzelfällen anstelle der Sonderzahlung auch eine steuerfreie Inflationsausgleichsprämie gewährt werden.