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Die Freude über das Urlaubsgeld wird häufig wegen der hohen Abzüge wieder etwas getrübt. Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Urlaubsgeld ist steuerpflichtiger Arbeitslohn - unabhängig davon, ob diese Sonderzahlung aufgrund tarif-, einzelvertraglicher oder betrieblicher Regelungen gezahlt wird. Für die Besteuerung ist entscheidend, ob es als Einmalzahlung oder laufender Arbeitslohn einzuordnen ist.

Urlaubsgeld ist steuerrechtlich gerenell als sonstiger Bezug einzuordnen. Dies gilt auch dann, wenn das Urlaubsgeld nicht nur einmal jährlich, sondern für jeden genommenen Urlaubstag im jeweiligen Monat gezahlt wird. Eine Ausnahme gilt nur, wenn das Urlaubsgeld als regelmäßiger Zuschlag monatlich ausgezahlt wird. In diesem Fall ist es als laufender Arbeitslohn zu versteuern.

Urlaubsgeld: Besteuerung als sonstiger Bezug

Ist das Urlaubsgeld als sonstiger Bezug einzuordnen, erfolgt die Besteuerung nach der Jahrestabelle nach einem besonderen Berechnungsschema. Die Lohnsteuer wird im ersten Schritt für den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn ohne den sonstigen Bezug berechnet (hier: das Urlaubsgeld) und dann für den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn inklusive Urlaubsgeld. Der Unterschiedsbetrag zwischen den beiden Jahreslohnsteuerbeträgen ergibt die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug.

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Urlaubsgeld nicht mit Urlaubsabgeltung verwechseln

Urlaubsabgeltung ist die Entschädigung für nicht gewährten oder nicht genommenen Erholungsurlaub. Urlaubsabgeltungen, die wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses gezahlt werden, sind steuerpflichtiger Arbeitslohn und grundsätzlich ebenfalls als sonstiger Bezug zu versteuern.

Urlaubsgeld: Lohnsteuerermittlung durch Vergleichsberechnung

Das Urlaubsgeld wird bei der Lohnsteuerberechnung anders behandelt als der laufende Arbeitslohn; die Lohnsteuer auf das Urlaubsgeld kann nicht direkt aus der Lohnsteuertabelle abgelesen werden. Um die Lohnsteuer richtig zu berechnen muss der Arbeitgeber zunächst den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn und die darauf entfallende Lohnsteuer ermitteln. Dann muss die Jahreslohnsteuer für den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn - inklusive Urlaubsgeld - ermittelt werden.

Der Unterschiedsbetrag zwischen beiden Steuerbeträgen ist die Lohnsteuer, die vom Urlaubsgeld einzubehalten ist. Durch das "zusätzliche" Urlaubsgeld steigt die Steuerprogression. Der Steuersatz und damit auch die Lohnsteuer für das Urlaubsgeld sind deshalb deutlich höher als beim regulären Monatslohn.

Urlaubsgeld: Lohnsteuerberechnung einfach erklärt 

Beispiel: Ein verheirateter Arbeitnehmer mit Steuerklasse 3 verdient im Kalenderjahr monatlich 4.000 Euro brutto. Im Juli 2018 zahlt ihm sein Arbeitgeber zusätzlich ein volles Montagsgehalt von 4.000 Euro als Urlaubsgeld.


1) Lohnsteuer auf den regulären Arbeitslohn ermitteln

Lohnsteuer für den laufenden Arbeitslohn nach Monatstabelle   


403,50 Euro

2) Lohnsteuer auf das Urlaubsgeld ermitteln

Voraussichtlicher laufender Jahresarbeitslohn

(12 Monate x 4.000 Euro)

Lohnsteuer (A) nach der Jahrestabelle    


48.000,00 Euro


4.842,00 Euro

Maßgebender Jahresarbeitslohn einschließlich Urlaubsgeld

(12 Monate x 4.000 Euro plus 4.000 Euro)  

Lohnsteuer (B) nach der Jahrestabelle

52.000,00 Euro


5.754,00 Euro

3) Differenz ausrechnen [Lohnsteuer (B) abzüglich Lohnsteuer (A)]

 = Lohnsteuer auf das Urlaubsgeld     


912,00 Euro

D) Gesamtlohnsteuer für Juli berechnen

Lohnsteuer laufender Monatslohn plus Lohnsteuer Urlaubsgeld

(= 403,50 Euro plus 912 Euro)



1.315,50 Euro

Die gute Nachricht: Bei den gängigen Lohnabrechnungsprogramme können sonstige Bezüge separat erfasst werden; die Lohnsteuer auf das Urlaubsgeld wird dann automatisch berechnet.

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Schlagworte zum Thema:  Urlaubsgeld, Einmalzahlung, Lohnsteuer, Sonstige Bezüge

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