Familien sollen ab 2019 mehr Geld in der Tasche haben. Die finanzielle Entlastung erfolgt durch höheres Kindergeld und eine Anhebung des Kinderfreibetrags. Zusätzlich wird der Grundfreibetrag angehoben und die sogenannte Kalte Progression abgebaut - das betrifft alle steuerzahlenden Arbeitnehmer.

Das von der Bundesregierung Ende Juni 2018 beschlossene Familienentlastungsgesetz setzt entsprechende Vereinbarungen des Koalitionsvertrags Union und SPD um. Im Wesentlichen sind folgende Steuerentlastungen für Familien und steuerzahlende Arbeitnehmer geplant:

Kinderfreibetrag: Entlastung von Familieneinkommen

Der Kinderfreibetrag von aktuell 4.788 Euro steigt im kommenden Jahr auf 4.980 Euro und im Jahr 2020 auf 5.172 Euro - hierdurch bleiben pro Jahr und Kind 192 Euro mehr steuerfrei. Hinzu kommt jeweils der unveränderte Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf in Höhe von 2.640 Euro.

Arbeitnehmerentlastung: Höherer Grundfreibetrag

Zur steuerlichen Freistellung des Existenzminimums steigt der steuerfreie Grundfreibetrag in 2019 auf 9.168 Euro angehoben (+168 Euro) und in 2020 auf 9.408 Euro (+240 Euro). Aktuell beträgt der steuerliche Grundfreibetrag 9.000 Euro.

Weniger Lohnsteuerabzug: Abbau der Kalten Progression

Der Einkommensteuertarif ist so gestaltet, dass die Steuerbelastung bei kleinen und mittleren Einkommen nicht gleichmäßig, sondern überproportional steigt: Eine Lohnerhöhung von einem Prozent kann zu einer Steuermehrbelastung von 1,8 Prozent führen. Dieser Effekt wird als Kalte Progression bezeichnet. Durch Lohnerhöhungen wird oftmals nur die Inflation ausgeglichen, die reale Kaufkraft steigt aber kaum. Der Gesetzgeber nimmt deshalb seit einigen Jahren kontinuierlich immer wieder kleine Änderungen am Einkommensteuertarif vor - und damit auch bei der Lohnsteuer. Das wird auch in den beiden kommenden Jahren so fortgesetzt werden.

Die Änderungen am Einkommensteuertarif sind auch beim Lohnsteuerabzug zu berücksichtigen. Die Steuerentlastung dürfte sich beim einzelnen Mitarbeiter aber nur auf wenige Euro monatlich belaufen. Die erste Entlastungsstufe soll beim Lohnsteuerabzug ab Januar 2019 wirksam werden. Mit einer Verabschiedung des Gesetzes ist deshalb im Herbst 2018 zu rechnen.

Familienförderung: Kindergelderhöhung um 10 Euro

Höhere Kinderfreibeträge wirken sich nur auf den Solidaritätszuschlag und - gegebenenfalls - die Kirchensteuer aus. Deshalb wird regelmäßig mit der Anhebung der Kinderfreibeträge gleichzeitig das von den Familienkassen auszuzahlende Kindergeld erhöht - von diesen Änderungen dürften Familien am meisten profitieren:

  • Zum Juli 2019 wird das Kindergeld für das erste und zweite Kind von derzeit 194 Euro auf monatlich 204 Euro angehoben (+10 Euro). 
  • Für das dritte Kind wird das Kindergeld ebenfalls um monatlich 10 Euro auf dann 210 Euro angehoben (aktuell: 200 Euro);  
  • Ab dem vierten Kind beträgt das monatliche Kindergeld ab Mitte nächsten Jahres pro Kind 235 Euro monatlich (aktuell: 225 Euro). 

Quelle: Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum Familienentlastungsgesetz - FamEntlastG.

Bundesregierung schafft Solidaritätszuschlag ab. Bald ...

Der Gesetzentwurf enthält - erwartungsgemäß - noch nicht die von der neuen Bundesregierung geplante, teilweise Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Zur finanziellen Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen soll der Solidaritätszuschlag in einem ersten Schritt ab 2021 für rund 90 Prozent der Steuerzahler durch eine Freigrenze mit Gleitzone abgeschafft werden.