Neuer Rekord: 1,4 Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland
Der Wohnungsmangel in Deutschland hat nach Einschätzung des Pestel-Instituts bereits Ende 2024 einen Rekordstand von bundesweit 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen erreicht. Besserung in den nächsten Jahren ist der Studie zufolge nicht in Sicht, wie Pestel-Chefökonom Matthias Günther sagte.
Für die nähere Zukunft erwartet das Institut den Bau von rund 200.000 neuen Wohnungen pro Jahr: Der Bedarf läge jährlich bei zirka 410.000 Wohnungen. Der Wohnungsmangel ist der Analyse zufolge zur Wirtschaftsbremse geworden. Eine Studie der Forschungsinstitute ARGE und Regiokontext kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Der Wohnungsmangel werde zu einem sozialen, aber auch wirtschaftlichen Risikofaktor.
Wohnungsnot: Auch junge Menschen betroffen
"Die Lösung der sozialen Frage dieser Zeit, wie es die Politik gerne formuliert, ist auch die notwendige Voraussetzung für eine wirtschaftliche Belebung des Landes", so Günther. Auftraggeber der Studie war das Bündnis Soziales Wohnen, ein Zusammenschluss des Deutschen Mieterbunds (DMB), der IG Bau, der Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau und anderer Organisationen. Am stärksten unter der Entwicklung hätte wegen des begrenzten Einkommen mittlerweile auch die junge Generation bis 25 zu leiden.
"Wir müssen junge Menschen heute komplett zu den benachteiligten Gruppen zählen", sagte der Pestel-Chefökonom. Auch viele ältere Menschen in der Großstadt könnten sich nach dem Ende des Arbeitslebens ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten. "Die müssen dort wegziehen, weil sie das Wohnen dort nicht mehr bezahlen können." In den nächsten Jahren werde das Problem nicht kleiner, sondern eher größer.
Wohnungswirtschaft in Ostdeutschland federt Probleme ab
In absoluten Zahlen liegen beim Wohnungsmangel die beiden größten und bevölkerungsreichsten Bundesländer an der Spitze: In Nordrhein-Westfalen (NRW) fehlten Ende 2024 laut Pestel-Studie 376.000 Wohnungen, in Bayern 233.000. Den Gesamtbedarf bis 2030 schätzt das Institut auf bis zu 2,4 Millionen neue Wohnungen.
Den Gesamtbedarf in Bayern von 2025 bis 2030 schätzt das Wirtschaftsforschungsinstitut auf bis zu 470.000 neue Wohnungen. Dafür müssten jährlich etwa 78.000 Wohnungen neu gebaut werden, eine Marke, die auch in den guten Jahren bis 2022 nicht erreicht wurde. Zum Abbau des Mangels in NRW müssten in NRW bis 2030 jährlich etwa 94.000 Wohnungen gebaut werden.
Generell ist das Problem im Westen größer als im Osten. Als Grund nannte Wissenschaftler Günther die starke kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft in den neuen Ländern.
Wohnungsbau: Kritik an Förderpraxis des Bundes
Die Berechnungen basieren auf Daten der Statistischen Ämter. Zwar steht in Deutschland geschätzt eine siebenstellige Zahl von Wohnungen leer, doch deren Wiedervermietung würde nach Einschätzung des Pestel-Instituts das Wohnungsproblem nicht lösen, da der Leerstand – also der Anteil der nicht bewohnten oder vermieteten Wohnungen – in jenen ländlichen Regionen am höchsten ist, in denen auch der Bedarf geringer ist.
Kritisiert wird in der Studie die Förderpraxis des Bundes als Hürde für den Neubau. Problematisch sei für die Bundesländer die gestaffelte Auszahlung der Bundesmittel: Im Jahr 2025 wurden demnach nur 15 Prozent der zugesagten Mittel ausgezahlt, 2026 folgen 25 Prozent und in den Jahren 2027, 2028 und 2029 werden jeweils 20 Prozent ausgezahlt.
Das Bündnis Soziales Wohnen forderte einen Bund-Länder-Pakt für den Wohnungsbau, insbesondere von Sozialwohnungen. DMB-Präsidentin Melanie Weber-Moritz geht von mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen in den kommenden Jahren aus, die fehlen.
Pestel-Institut "Sozialer Wohn-Monitor 2026" (Download)
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Bernd Michalski
Fri Oct 10 17:06:37 CEST 2025 Fri Oct 10 17:06:37 CEST 2025
Teil 2
Was ist zu tun?
Buckminster Fuller hatte das treffend so formuliert:
„Du änderst die Dinge nie, indem du gegen die bestehende Realität ankämpfst.
Um etwas zu ändern, baue ein neues Modell, das das bestehende Modell obsolet macht.“
Und dazu,
gut beraten ist Derjenige, der vorausschauend und strategisch denkt und Investments nicht in Auslaufmodelle tätigt.
Und,
die „Immobilisten für das Wohnen“ sollten nicht weiterhin sektenartig auf die Erleuchtungen aus der Bauwirtschaft, sowie aus der Politik warten, bis jemand ein weißes Kaninchen aus dem Hut zaubert, sondern vorausschauend und strategisch denkend Investments eigenständig in disruptive Innovationen der Bautechnik tätigen.
Und,
von selbst geht nichts und Warten auf die Erleuchtung kann lange dauern – und Ewiggestrige und Besitzstandswahrer wird es immer geben
Was wäre eine praktikable Lösung? *
Die provokante Frage von Buckminster Fuller: „Wie viel wiegt Ihr Gebäude, Mr. Foster?“
ist nach wie vor hoch aktuell. Insbesondere zu Zeiten, wo die Ressourcen-Produktivität auch im Bauwesen eine zunehmende Rolle spielt.
Eine Alternative im Mehrgeschoss-Wohnungsbau ist ein Lean-Construction-Paket aus Konstruktion als das Was, Technologie als das Wie und Logistik als das Womit in prozessorientierter Montage.
Weniger Material, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.
Dabei ist Lean Construction im Bauwesen nicht auf Prinzipien des schlanken Managements bei Bauprozessen begrenzt.
Denn die „schlanke Konstruktion“ des Baukörpers ist ebenso bedeutsam, wenn nicht sogar bedeutsamer, weil es sich durch die Qualität der Materialressourcen-Produktivität unmittelbarer auf die Kosten und damit auf dem Gewinn auswirkt.
Und das ist der Sinn von Wirtschaft und damit auch von Immobilienwirtschaft.
Bewährte und modifizierbare Lösungen für die Leichtbauweise, bspw. bei James Hardie - Fermacell, gibt es schon seit Jahren.
Bernd Michalski
Fri Oct 10 17:05:33 CEST 2025 Fri Oct 10 17:05:33 CEST 2025
Warum tun wir häufig das, was wir können, statt das, was wir müssen?
Die Frage: Wer zerstört die Wohnimmobilienwirtschaft kann nicht allein an die Politik gerichtet sein.
Eine Wohnung ist ein Produkt wie jedes andere hergestellte Erzeugnis aber mit der wichtigen Eigenschaft, ein Produkt für die Daseinsvorsorge zu sein.
Ein wesentliches Prinzip in der Wirtschaft ist die Ausgewogenheit von Angebot und Nachfrage.
Wenn ein Produkt nicht mehr nachgefragt wird, bspw. wegen der Kosten, gibt es die Möglichkeit der Anpassung der Eigenschaften des Produktes an die Nachfrager durch den Hersteller bzw. die Firma, das nennt man dann Fortschritt, oder die Einstellung der Produktion dieses Produktes bzw. die Schließung der gesamten Firma.
Wenn die Ewiggestrigen und Besitzstandswahrer im Wohnungsbau mit der Immobilienverwertung allgemein eine EK-Rendite von weniger als 3% erwirtschaften bzw. erzielen können, ist das kein wirklich erstrebenswertes Resultat.
Denn auch in der Bau- und Immobilienwirtschaft ist die Erwirtschaftung von angemessenen Erträgen der Sinn der Tätigkeit.
Und,
die Bauwirtschaft ist keine heilige Kuh, an deren Prozesse nicht gezweifelt werden darf.
Deutschlands bedeutender Projektentwickler Christoph Gröner, hatte dazu sehr polemisch geschrieben:
„Seit fast 50 Jahren hat die Bauindustrie keine Innovationen mehr geliefert. Im Prinzip bauen wir sogar fast noch wie die alten Römer.“
"Der Bauwirtschaft geht es einfach zu gut. Sie habe es versäumt, sich in eine Industrie zu verwandeln. Sie muss viel produktiver werden. Die einfachsten Möglichkeiten der Automatisierung würden in Deutschland nicht genutzt.“
Innovationen kann man nicht aus dem Hut zaubern. Aber man könnte sich mit kreativen Partnern über komplexe Systeme und Gedankenansätze austauschen.
Vor allem, wenn mit einer wesentlich effizienteren technischen Lösung zur Erstellung von Wohnungen, EK-Renditen im zweistelligen Bereich erwirtschaftet werden können.
In der Technikgeschichte war es häufig so, dass Ideengeber und Geldgeber gemeinsam ein wichtiges Thema der Menschheitsgeschichte anpackten und daraus eine beispiellose Entwicklung hervor ging.
Nichts treibt Entwicklung und Fortschritt mehr an, als gesunder Wettbewerb.
Da ist die Bau- und Immobilienwirtschaft nicht ausgeschlossen.
Dabei geht es nicht darum, alles Alte über Bord zu werfen. Aber wer das Bewährte mit dem Vorausschauenden verbindet, muss nicht immer nur reagieren. Der kann den Wandel auch selbst mit gestalten.