Holzbauprojekte zwischen Hochhausambition und Materialknappheit: Drei Beispiele zeigen, wo Deutschland heute steht.
Projektentwicklungen im Holzbau
Holz-Supermarkt Sölden – Rückbau und Regionalität
Der Edeka-Supermarkt Beckesepp in Sölden im Schwarzwald ist ein Vorzeigemodell für konsequenten Vollholzbau mit heimischen Hölzern. Das Gebäude besteht mit Ausnahme von Bodenplatte und Glasfront vollständig aus dem nachwachsenden Rohstoff.
"Massivholzwände, Brettstapeldecken und eine Fassade aus unbehandelter Weißtanne – alles innerhalb eines 100-Kilometer-Radius gefertigt", erklärt Alexander Engler, Geschäftsführer vom Bauunternehmen Ketterer Holzbau, das den Edeka-Markt gebaut hat. Große Teile des Baus, etwa komplette Wandteile, wurden in Vorbauweise direkt im Betrieb gefertigt, sodass die Montage besonders schnell ging. In nur sechs Monaten war der Markt fertig.
Auf die Fassade ist Engler besonders stolz: "Früher gab es im Holzbau viel importierte sibirische Lärche – wir setzen aus gutem Grund auf die Weißtanne aus der Region. Sie wächst langsam, hat wenig Äste und ergibt eine saubere Oberfläche", zählt er die Vorteile auf. Besonders ist auch die Rückbaufähigkeit des Edekas: Anstelle von Verleimungen wurden beim Bau Holznägel und Schrauben verwendet, was eine sortenreine Trennung der Materialien ermöglicht. "Das ist ein Projekt, das sich vollständig in seine Einzelteile zerlegen lässt", betont Engler.
Projektsteckbrief: Edeka Beckesepp, Sölden
Bauweise | Massivholz, Brettstapeldecken |
Holzarten | Weißtanne, Fichte (regional, aus maximal 100 km Entfernung) |
CO2-Bindung | ca. 800 t CO2 gebunden |
Rückbaubarkeit | Holznägel, Schrauben, keine Verleimung |
Bauzeit | ca. 6 Monate Montagezeit, vorgefertigt |
Roots Hamburg – Hybridhochhaus
Das Roots in der Hamburger Hafencity ist mit 19 Stockwerken und 65 Metern Deutschlands höchstes Holzhaus – jedenfalls noch. Das Hybridhochhaus kombiniert rund 5.500 Kubikmeter Nadelholz mit Stahlbetonkonstruktionen im Sockel und in den Erschließungskernen. Hier sind unter anderem Treppenhäuser, Aufzüge, Trink- und Abwasser weiter verbaut. Alle Decken der Obergeschosse bestehen aus Massivholz. Neben 180 Wohnungen, von denen 53 öffentlich gefördert sind, hat die Stiftung Deutscher Wald eine Fläche bezogen. Büros und Gastronomie befinden sich ebenfalls in dem Gebäude.
Projektsteckbrief: Roots, Hamburg
Bauweise | Hybrid (Brettsperrholz, Trockenbau und Stahlbetonkerne) |
Holzvolumen | 5.500 m³ |
Klimabilanz | gegenüber herkömmlicher Bauweise 3.520 t CO2 eingespart |
Höhe | 65 m (19 Geschosse) |
Bauzeit | 2020 bis 2024 |
Triqbriq – Zirkuläre Massivholzbausteine aus Restholz
Die Triqbriq-Bausteine, auch Briqs genannt, sind kleine massive Holzquader, die ohne Leim oder Metall ausschließlich über Holzdübel verbunden sind. Die Idee: Sie sollen herkömmliche Maurersteine ersetzen. Die Blöcke lassen sich von Hand montieren und demontieren – ohne Spezialtechnik.
Zudem bestehen sie überwiegend aus Kalamitäts- und Rückbauholz, gewissermaßen Restholz, das etwa Borkenkäfern oder Dürreschäden zum Opfer gefallen ist. Damit sind die Briqs besonders ressourcenschonend und zudem vollständig rückbaufähig. Laut Hersteller speichert das System bis zu 200 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter Wandfläche, was rund 13 Kilogramm pro Baustein entspricht. Die Bausteine sind statisch geprüft und kommen bereits in mehrgeschossigen Bauten zum Einsatz.
Steckbrief: Triqbriq
Maße pro Briq | ca. 40 × 12 × 8 cm (variabel je nach Projekt) |
Material | Rückbauholz, Kalamitätsholz (Fichte, Tanne, Douglasie) |
CO2-Bindung | ca. 13 kg CO2 pro Baustein bzw. bis zu 200 kg pro qm Wandfläche |
Rückbaubarkeit | komplett manuell demontierbar |
Einsatzbereich | Ein- und Mehrfamilienhäuser, Anbauten, Gewerbe |
Holzbau im Quartier: Wohnkomplex Prinz-Eugen-Park
Mit dem Prinz-Eugen-Park im Münchner Nord-Osten ist das bislang größte zusammenhängende Holzbauquartier Deutschlands entstanden. Annette Hafner, Professorin an der Ruhr-Universität Bochum, die das Bauprojekt begleitet hat, betont, was das Quartier so herausragend macht: "Wir müssen sehen, dass wir endlich weg von Pilotprojekten, hin zum Standardbau in Holzbauweise kommen."
Beim Prinz-Eugen-Park sei entscheidend gewesen, dass die Stadt München die Holzbauweise forderte. So hing die klimafreundliche Bauweise nicht vom Willen oder Unwillen einzelner Bauherren oder Architekten ab. Eines stand von Anfang an fest: Die geplanten Häuser müssen mindestens 50 Kilogramm nachwachsende Rohstoffe pro Quadratmeter Wohnfläche enthalten – das mussten die Bauherren nachweisen.
570 der rund 1.800 Wohnungen wurden in Holz- oder Holzhybridbauweise errichtet. Die Bauweisen variieren – von klassischem Holzrahmenbau über Brettsperrholzdecken bis hin zu Hybridlösungen mit Beton- oder Stahlkernen. Dieses Experimentieren war explizit erwünscht. Die Stadt förderte ein möglichst breites Spektrum an Technologien und Projektträgern, darunter Baugruppen und Genossenschaften.
Laut Berechnungen der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Hafner wurden durch den Holzbau mehr als 13.000 Tonnen CO2 gebunden. Viele Gebäude sind zudem im Effizienzhausstandard KfW 55 oder besser realisiert. Die Bauzeit lag dank Vorfertigung zwischen zwölf und 18 Monaten. Auch architektonisch bietet der Park eine große Vielfalt. Hier reicht das Spektrum von sichtbar belassenem Holz über vorvergraute Fassaden bis zu klassisch verputzten Außenflächen.