Mit digitalen Datenräumen lassen sich Asset-Management-Prozessen vereinfachen Bild: Corbis

Immobilienwirtschaftliche Prozesse sollen durch Datenräume noch besser unterstützt werden. Doch dazu braucht es eine neue Haltung sowohl auf Hersteller- wie auch auf Kundenseite – und künstliche Intelligenz.

"Grundsätzlich muss Digitalisierung noch stärker als gemeinsames Projekt wahrgenommen werden", meint Maurice Grassau, CEO von Architrave.

Maurice Grassau, CEO von Architrave Bild: Architrave

Datenraum als ständiger Begleiter einer Immobilie

"Wir müssen alle über den M&A-Tellerrand hinaussehen und den Datenraum als ständigen Begleiter einer Immobilie sehen", sieht Thomas Deutschmann, CEO der Brainloop AG Handlungsbedarf auf beiden Seiten.

Thomas Deutschmann, CEO Brainloop AG Bild: Brainloop AG

Eine ähnliche Sichtweise vertritt Dr. Christian Westphal, Geschäftsführer Crem Solutions: "Aufseiten der Kunden muss das Bewusstsein über die Wichtigkeit der Daten in sämtlichen Phasen des Immobilienlebenszyklus und deren entsprechendem Nutzwert viel stärker in den Fokus rücken".

Dr. Christian Westphal, Geschäftsführer Crem Solutions Bild: Crem Solutions

Sascha Groß, Business Consultant bei Docurex, hebt hervor: "Erst wenn alle geschäftsrelevanten Prozesse konsequent digitalisiert wurden, kann das Potenzial gehoben werden".

"Mit digitalen Datenräumen lassen sich eine Vielzahl an Asset Managementprozessen deutlich vereinfachen – gerade bei größeren Portfolien", wirft Markus Blonski, Director für DACH und BeNe-Lux bei Intralinks ein. "Auch Projektentwickler nutzen zunehmend Datenräume." Sascha Donner, COO und Co-Founder Evana AG, fordert vonseiten der Kunden "Offenheit und eine ernsthafte Beschäftigung mit der Digitalisierung".

Tatsächlich erlebten wir ja in den letzten beiden Jahren in vielen Firmen, dass häufig eine Position des Central Digital Officers geschaffen wurde. Doch diese Position wurde meist ohne konkretes Anforderungsprofil besetzt. Seit wenigen Monaten allerdings "setzen Unternehmen auch auf eigene interne Digitalisierungs Task Forces, die dann in Zusammenarbeit mit externen IT-Unternehmen und immer mehr auch Startups-Entwicklungen in ihren Unternehmen umsetzen", lobt Donner.

Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck

Große Stücke halten einige der Anbieter dabei auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). Denn die Datenräume sind ein immobilienwirtschaftlicher IT-Bereich, in denen selbstlernende Technologien inzwischen wirksam geworden sind. Alexandre Grellier, Gründer von Drooms, bekräftigt dies: "Unser Übersetzungs-Feature ermöglicht es, Dokumente unmittelbar im Datenraum zu übersetzen. Der Findings Manager schlägt eine automatische Vorauswahl der potenziell relevanten Dokumente zur Risikobewertung vor." Doch Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck.

Alexandre Grellier, CEO und Mitgründer von Drooms. Bild: Drooms

"Es gilt nicht", warnt Grassau, "den komplexesten Algorithmus zu finden, sondern den, der für die Problemstellung maximalen Nutzen erbringt. Bei uns übernimmt KI zahlreiche Routinetätigkeiten – zum anderen sorgt KI für die Datenextraktion aus Dokumenten."

Prozessautomatisierung als Favorit

"Künstliche Intelligenz ist ein Mega-Trend, der sich auf alle Branchen und Industrien ausbreitet", ergänzt Deutschmann. "Brainloop kann sich ihren Einsatz im Bereich der Prozessoptimierung vorstellen." Nicht ganz so euphorisch steht Westphal der KI gegenüber: "Selbst wenn Maschinen mittlerweile über ein enormes Wissen verfügen, fehlt ihnen noch menschliches Bauchgefühl."

Groß fährt folgenden Ansatz, wenn es um KI geht: "Automation und Konnektivität sind zwei zentrale Bausteine, die unseren Kunden sehr wichtig geworden sind." Das Geschäft von Evana gründet ebenfalls stark auf Künstlicher Intelligenz und verschiedenen Methoden der Prozessautomatisierung.

Donner: "Wir wollen uns klar als führendes Künstliche Intelligenz-Unternehmen in der Immobilienwirtschaft etablieren." Verhaltener beurteilt Blonski das Thema Künstliche Intelligenz: "Sie lohnt sich nur dann, wenn es eine regelmäßige Anwendung der Software gibt. Die Tools lernen vom Nutzer und dessen Verhalten. Wenn man es also nur einmal im Jahr anwendet, dann lohnen sich oftmals die Kosten nicht."

Datenraumanbieter setzen auf künstliche Intelligenz

Eigentlich könnten also die Immobilienfirmen wissen, was sie wissen. Sie könnten ihren Datenschatz nicht nur in der Transaktionsphase eines Gebäudes, sondern über seinen gesamten Lebenszyklus nutzen. Doch es ist offensichtlich noch ein gutes Stück des Weges. Der Einsatz von Datenräumen kann dazu führen, das Silodenken einzelner Fachabteilungen zu überwinden. Die meisten der Datenraumanbieter setzen dabei auf künstliche Intelligenz.

Hierbei gilt für Hersteller wie für Kunden: Wer sich früh mit dem Thema beschäftigt, zieht auch früh den Nutzen daraus.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienwirtschaft, Daten, Startup

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