Streicheleinheiten für den Bauturbo
Herr Goldbeck, aufgrund der wirtschaftlichen und geopolitischen Lage wird für die Immobilien- und Bauwirtschaft viel Negatives prognostiziert. Wie schauen Sie auf die aktuelle Situation?
Jan-Hendrik Goldbeck: Die Situation ist so, dass sich vieles noch zum Guten wenden kann. Wir haben Reformen auf der Agenda der Bundesregierung, gleichzeitig sehen wir globalpolitische Verwerfungen, die dazu führen, dass Dinge an der einen oder anderen Stelle nicht so schnell vorangehen. Was bislang fehlt, ist eine klare Kommunikation – also die Antwort auf die Frage, die sich viele stellen: Was wird jetzt eigentlich umgesetzt?
Die komplette L'Immo-Folge mit Jan-Hendrik Goldbeck:
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Viele Bürger das Gefühl, dass noch nicht viel passiert. Ich habe teilweise auch diesen Eindruck. Es sind zwar Themen angestoßen worden, aber es ist schwer zu erkennen: Was wurde konkret beschlossen? Was ist noch Absicht? Was entfaltet bereits Wirkung?
Nehmen wir den Bauturbo: Auf dem Papier kann so ein Turbo schnell verpuffen. Entscheidend ist, dass er in der Realität greift. Dafür braucht es vor allem das Mitwirken der Kommunen – ob das gelingt, wird sich erst noch zeigen.
"Der Bauturbo kann helfen …"
Sie haben den Bauturbo angesprochen. Das Maßnahmenpaket wird sehr kritisch beäugt …
In Deutschland gibt es leider oft reflexartig Widerstand. Da sollte man sich fragen: Warum schreie ich eigentlich sofort auf? Ist das eine Form von Besitzstandswahrung oder bin ich einfach ein Armageddon-Apostel, der grundsätzlich erst mal das Schlimmste erwartet?
Die Grundidee des Bauturbos ist, die oft sehr langen Genehmigungs- und Bauplanungsverfahren zu verkürzen. Also: Wie komme ich schneller vom Grundstück zur Realisierung eines Projekts? Es gibt welche, die weiterhin darauf bestehen, dass alles durch mehrstufige öffentliche Dialoge, Anhörungen und städtebauliche Wettbewerbe laufen muss.
Am Ende geht es aber darum, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – und zwar jetzt. Und genau hier liegt das Potenzial: Der Bauturbo kann helfen, weil er den Ermessensspielraum auf politischer Ebene erweitert und es ermöglicht, auch mal Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Das halte ich grundsätzlich für positiv.
Serielles Bauen als Vorteil
Das Thema bezahlbares Bauen und Wohnen – wie sehr treibt Sie das um? Das ist nicht unbedingt die Kernkompetenz Ihres Unternehmens.
Nein, überhaupt nicht – im Gegenteil. Bei uns galt über Jahrzehnte die Doktrin: Wohnungsbau machen wir nicht. Wir wollten nicht mit privaten Endkunden über Details wie Fugenfarben diskutieren. Das sind Welten, die aufeinanderprallen, wenn es um individuellen Wohnungsbau geht.
Irgendwann haben wir uns aber bewusst neu ausgerichtet. Der Wohnungsmarkt besteht ja größtenteils aus Geschosswohnungsbau mit professionellen Auftraggebern, kommunalen Gesellschaften oder privaten Investoren. Diese Marktteilnehmer kannten wir zwar nicht gut, aber wir wussten: Mit unserem Ansatz des industriellen, seriellen Bauens können wir hier Vorteile bieten – schneller und günstiger.
Vor sechs, sieben Jahren sind wir dann in diesen Markt eingestiegen – von null. Heute haben wir in dem Bereich einen Auftragseingang von rund einer Milliarde Euro. Wir sind jetzt ein ernsthafter Teilnehmer am Wohnungsmarkt. Darauf bin ich schon stolz, gerade weil wir in einer Zeit gewachsen sind, in der viele sagen, Wohnungsbau lohne sich nicht mehr. Ich glaube, wir haben zuvor lange in einer Art spätrömischer Dekadenz gelebt: Der Druck, besser zu werden, war schlicht nicht da. Genau darin lag unsere Chance.
Denn klar ist: Man kann auch heute noch schnell und bezahlbar bauen – wenn man es konzeptionell richtig angeht und eng mit den Kommunen zusammenarbeitet.
Das ist ein redaktionell bearbeiteter Auszug aus dem L'Immo-Podcast mit Jan-Hendrik Goldbeck.
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