06.09.2016 | Union Investment

Renditeorientierung: Immobilieninvestoren schwanken zwischen Risiko und Vorsicht

Strategien: In jedem vierten Unternehmen haben Liquiditätsrisiken in der Risikobetrachtung an Bedeutung gewonnen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

52 Prozent der Immobilieninvestoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien befürchten, dass sie in den kommenden drei Jahren ihre Renditeziele nicht erreichen werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Union Investment. Strategien müssen demnach darauf ausgerichtet werden, eine Balance zu finden zwischen Risiko und Vorsicht. In Deutschland halten sich aktuell die "Rendite- und Sicherheitsorientierung" mit jeweils rund 40 Prozent die Waage.

In UK ist die Ausrichtung auf Rendite der aktuelle Investitionsklimastudie zufolge am stärksten: 84 Prozent der britischen Investoren blicken bei ihre Anlageentscheidung vorrangig auf den Aspekt Rendite. In Frankreich ist jetzt für 56 Prozent der Befragten Rendite vorrangig bei Anlageentscheidungen, das sind noch einmal acht Prozentpunkte mehr als bei der letzten Umfrage im Januar – und der größte Sprung innerhalb der drei befragten Regionen.

Insgesamt nennen 60 Prozent der 161 befragten Investoren "Rendite" als wichtigstes Anlagemotiv, weit vor "Sicherheit" (29 Prozent) und "Liquidität" (neun Prozent). Das bedeutet eine signifikante Steigerung im Vergleich zur letzten Befragung im Januar 2016. Damals gaben noch 55 Prozent an, Immobilieninvestments primär nach Renditegesichtspunkten zu beurteilen. Vor einem Jahr lag die Quote sogar nur bei 52 Prozent.

Höhere Risikoaffinität bei Anlagestrategien nur in Frankreich

Doch trotz gestiegener Renditeorientierung: Folgt man den Einschätzungen der interviewten Investmententscheider, bleiben die Anlagestrategien der europäischen Immobilieninvestoren im Kern noch defensiv.

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Union Investment-Studie: Nur etwa jedes dritte befragte Unternehmen (35 Prozent) setzt explizit auf gleiche Renditen bei höherem Risiko.

Vergleichsweise hoch ist die Risikoaffinität nur in den Anlagestrategien der französischen Investoren. Innerhalb dieser Befragtengruppe bildet "Gleiche Rendite - höheres Risiko" für
46 Prozent der Befragten den strategischen Rahmen. In UK und Deutschland sagen lediglich 32 beziehungsweise 28 Prozent, dass sie explizit höhere Risiken eingehen wollen, um zum Beispiel die Belastung aus sinkenden Ankaufsrenditen zu kompensieren.

Mehrheit der Akteure nimmt Abstriche bei Renditezielen in Kauf

Die Mehrheit der insgesamt befragten Investoren (56 Prozent) ist nicht bereit, höhere Risiken einzugehen und nimmt dafür bei den selbst gesetzten oder vom Kunden vorgegebenen Renditezielen Abstriche in Kauf. Die Anlagestrategie "Gleiches Risiko - geringere Rendite"
verfolgen in Deutschland 56 Prozent, in Frankreich 52 Prozent und in Großbritannien 60 Prozent der Investoren. "Eine Bewegung hin zu risikoreicheren Investments lässt in der Breite weiter auf sich warten", sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilienresearch bei Union Investment.

Die aktuelle Umfrage bestätigt darüber hinaus den Stellenwert, den liquiditätsbezogene Risiken heute bei Europas Immobilieninvestoren einnehmen. In jedem vierten der befragten Unternehmen haben Liquiditätsrisiken in der Risikobetrachtung in den vergangenen drei Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Dieser Umfragewert wurde nahezu identisch in allen drei Befragungsregionen ermittelt.

Hierzu passt die Aussage von 42 Prozent der Befragten, dass dem Liquiditätsmanagement heute eine höhere Aufmerksamkeit gewidmet wird als das etwa noch vor drei Jahren der Fall war. Ein höherer Professionalisierungsgrad lässt sich daraus insbesondere für Frankreich ableiten, wo mehr als jeder zweite Befragte die in den letzten 36 Monaten gestiegene Bedeutung des Liquiditätsmanagements bestätigt.

Unabhängig vom Brexit: Stimmung auf einem Tiefpunkt

Ambivalent zeigt sich auch die Entwicklung des Klimas für Immobilieninvestments in den drei größten europäischen Volkswirtschaften. Während sich der in Frankreich erhobene Klimaindex nach einer längeren Abschwungphase zu stabilisieren scheint, weist die in Deutschland und Großbritannien gemessene Investorenstimmung mit Verlusten von 2,4 beziehungsweise vier Punkten unerwartet starke Dämpfer auf.

Die Befragung wurde Ende Juni abgeschlossen und damit vor dem Referendum in Großbritannien. Die Stimmung unter den britischen Investoren erreicht (abzulesen am nationalen Index mit aktuell 64,3 Punkten) damit bereits vor der Brexit-Entscheidung den tiefsten Stand seit 2012, wie Union Investment ermittelte. Erstmals seit 2010 fällt der Klimaindex in UK sogar hinter die Indizes in Deutschland (67,5) und Frankreich (67) zurück.

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Schlagworte zum Thema:  Immobilieninvestoren, Risiko, Rendite, Investment

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