Immobilieninvestment: Assekuranz kauft mehr ein

Deutsche Versicherungen wollen 2017 deutlich mehr in Immobilien investieren. Das zeigt das "Trendbarometer Assekuranz 2017" von EY Real Estate. Erwartet wird eine Rekordquote von 10,7 Prozent bis Ende des Jahres. 96 Prozent der Befragten setzen auf deutsche Immobilien, vor allem im Büro- und Einzelhandelssegment. Jeder zweite Befragte (52 Prozent) erwartet, dass sich die Investitionsprozesse infolge neuer digitaler Technologien wandeln werden.

Bereits Anfang des Jahres betrug die Immobilienquote 9,7 Prozent. Auch Nordamerika mit 38 Prozent und Asien (27 Prozent) haben bei den Versicherungen an Attraktivität gewonnen, bleiben aber hinter Deutschland sowie den europäischen Kernregionen auf Rang drei und vier.

"Den Versicherern gehen wegen des anhaltenden Zinstiefs die Alternativen aus", sagt Dietmar Fischer, Partner bei EY Real Estate und verantwortlich für die Studie.

Befragt wurden 35 Unternehmen der Versicherungswirtschaft. Laut Fischer machen die Befragten mehr als vier Fünftel des investierten Immobilienkapitals der Branche aus. Der Wert des durchschnittlich gehaltenen Immobilienbestandes liege bei rund 3,6 Milliarden Euro je Firma.

Trotz steigender Preise zählen Immobilieninvestments der Studie zufolge weiter zu den Anlageklassen, die in der Assekuranz am stärksten ausgebaut werden.

"Fast überall stehen die etablierten Märkte im Fokus. Es ist eine Rückbesinnung auf mehr Sicherheit", so Fischer.

Im Schnitt wollen die Versicherer 369 Millionen Euro in Immobilien investieren. Für direkt gehaltene Immobilien erwarten die Versicherer für 2017 Renditen von 4,4 Prozent, nach 4,3 Prozent im Vorjahr. Für indirekte Anlagen, also etwa über Fonds, werden Renditen von 4,7 Prozent angepeilt, nach 4,9 Prozent im Vorjahr. Fischer hingegen hält eine Drei vor dem Komma eher für realistisch. Ein Rückgang der Anfangsrenditen wird anderen Studien zufolge jedenfalls nicht eintreten – für 2018 wird eine Renditekompression erwartet.

B- und C-Lagen werden EY zufolge weniger nachgefragt, und auch Projektentwicklungen sind nicht mehr so en vogue, während vermietete Core-Immobilien in guten Lagen in der Gunst der Assekuranz gestiegen sind: 88 Prozent wollen hier investieren. Im Vorjahr waren es nur 63 Prozent. Ebenso beliebt sei das immer noch vergleichsweise sichere Core-Plus-Segment (88 Prozent).

Einzelhandel überholt Bürosegment

Die Einzelhandelsimmobilie, die 2016 ihren Spitzenplatz eingebüßt hatte, hat das Bürosegment wieder eingeholt. Beide werden aktuell von jeweils 72 Prozent der Befragten favorisiert.

"Im Einzelhandelssegment sehen die Befragten weiterhin einen gewissen Druck durch den E-Commerce", so Fischer.

Die Wohnimmobilie ist trotz Sorge vor einer schärferen Mietpreisbremse mit 68 Prozent ähnlich attraktiv wie Einzelhandels- und Büroimmobilien. 72 Prozent der Befragten planen laut Studie in diesem Jahr den Kauf eines Bürogebäudes. 2016 waren es noch 75 Prozent. 72 Prozent wollen Einzelhandelsimmobilien kaufen, nach 65 Prozent im Jahr 2016.

Dass eine Verschärfung der Mietpreispolitik Investments in Wohnimmobilien (68 Prozent wollen in diesem Segment investieren) weniger attraktiv macht, befürchten 77 Prozent der Befragten. Auf Rang vier folgen Logistikimmobilien (48 Prozent). Im Vorjahr waren es noch acht Prozentpunkte weniger.

"Logistikimmobilien profitieren vom E-Commerce", so Fischer.

Digitalisierung verändert Investitionsprozesse

Alle Nutzungsarten verändern sich unter dem Druck des digitalen Fortschritts. Der Anspruch an Zuschnitt, Flexibilität und Zukunftsfähigkeit der Flächen wird weiter steigen, meinen 84 Prozent der Befragten. Auch die Investitionsprozesse der Versicherungen wandeln sich infolge neuer digitaler Technologien. Jeder zweite Befragte (52 Prozent) erwartet dies.

"Die Unternehmen rechnen mit mehr Effizienz bei der Diversifikation ihrer Immobilien", so Fischer.

Stichworte seien hier Big Data und eine bessere Informationsgrundlage, sagt Fischer.

Etwa ein mit intelligenten Daten (Smart Data) angereicherter Einkaufsprozess kann laut Nicolai Wendland, Geschäftsführer 21st Real Estate GmbH, selbst scheinbar unpassende Objekte identifizieren.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Versicherung