Versicherer investieren immer mehr Geld in Immobilien

Deutsche Versicherer investieren mehr Geld denn je in Immobilien. Trotz Krise und hohem Preisniveau wollen sie die Quote im Gesamtportfolio ausbauen, zeigt eine Umfrage der Beratungsgesellschaft EY. Die Pandemie wirbelt nur präferierte Assetklassen durcheinander: Wohnen löst Büro und Logistik ab.

Die deutschen Versicherungen wollen ihr Geld verstärkt in Immobilien investieren. Schon jetzt liegt die Quote in den Anlageportfolios mit 11,5 Prozent so hoch wie nie, heißt es im "Trendbarometer Immobilienanlagen der Assekuranz 2021" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Deutlich mehr als die Hälfte (63 Prozent) der befragten Versicherungsunternehmen haben demnach vor, weiter einzukaufen – die übrigen 37 Prozent wollen die Immobilienquote konstant halten. Eine Trendumkehr ist trotz Coronakrise nicht festzustellen. Allerdings hat die Pandemie laut EY die präferierten Assetklassen durcheinander gewirbelt: Wohnungen haben als beliebtestes Anlageobjekt Logistikimmobilien und Büros abgelöst. Wohnimmobilien gelten als risikoärmer und krisenresistent.

"Immobilienanlagen mit stabilem Cashflow sind für die Assekuranz im Niedrigzinsumfeld unabdingbar, um Garantiezinsversprechen weiterhin einhalten zu können", erklärt Dietmar Fischer, Partner bei EY Real Estate und Autor der Studie, die jährlich erscheint.

Anlagestrategien: vom Renditedruck beherrscht

Alle Umfrageteilnehmer erwarten, dass die Immobilienwirtschaft stabil bleiben wird – doch die Mehrheit (86 Prozent) der Versicherer klagte, dass das hohe Preisniveau den Unternehmen zu schaffen mache. Um die Garantiezinsversprechen erfüllen zu können, fokussieren die meisten (95 Prozent) der Versicherer auf mögliche Renditen.

Der Immobilienbestand der Versicherungen wird derzeit zu 60 Prozent direkt, zu 40 Prozent indirekt gehalten. Die erwartete Rendite für direkt gehaltene Bestände liegt bei durchschnittlich 4,7 Prozent – das sind 1,5 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2020 mit 3,2 Prozent. Die Renditeerwartung für indirekt gehaltene Immobilien liegt wie in den Vorjahren bei 5,6 Prozent.

Geschlossene Immobilienspezialfonds sind die beliebteste Anlageform der Befragungsteilnehmer (82 Prozent). Auch Investitionen in den Direktbestand werden weiterhin als attraktive Anlageform wahrgenommen (67 Prozent), gefolgt von Projektentwicklungen (63 Prozent) sowie offenen Immobilienfonds (55 Prozent).

Anlageindikator: Krisenresistenz ist gefragt

Bei den präferierten Nutzungsarten hatte sich die Assekuranz bereits im ersten Krisenjahr 2020 umorientiert. Zuvor war das Hauptinvestitionsziel das Büroimmobiliensegment, dann kam Logistik und nun haben Wohnimmobilien die früheren Spitzenreiter überholt. Einzelhandels- und Hotelimmobilien hatten bereits zuvor massiv an Beliebtheit verloren. Diese Verschiebungen setzen sich fort.

Das Wohnimmobiliensegment ist bei 96 Prozent der befragten Unternehmen in den Fokus gerückt – versus 75 Prozent im Jahr 2020. Logistikimmobilien haben nur noch um einen Prozentpunkt zugelegt auf aktuell 84 Prozent, nach 83 Prozent im Vorjahr.

Demgegenüber haben Büroimmobilien weiter verloren. 62 Prozent der Versicherer haben sie noch im Blick. Im Jahr 2020 waren es 73 Prozent. Sogar Infrastrukturinvestments erhalten mittlerweile mehr Zulauf (2021: 79 Prozent; 2020: 42 Prozent). Während auch Gesundheitsimmobilien beliebt sind – 46 Prozent der Versicherer haben sie im Investitionsfokus –, verlieren Hotelimmobilien weiter stark (2021: 14 Prozent; 2020: 45 Prozent). Auch Einzelhandelsimmobilien bleiben abgeschlagen, haben sich jedoch im Vergleich zum Vorjahr stabilisiert (2021: 37 Prozent; 2020: 35 Prozent).

Nachhaltigkeit: ohne Digitalisierung geht nichts

Die Relevanz von ESG (Environmental, Social und Governance)-Kriterien steht für 95 Prozent der Teilnehmer an der aktuellen EY-Umfrage außer Frage. Sie denken unisono, dass sich nachhaltige Investments auch finanziell beim Wiederverkauf auszahlen werden. Bemängelt wurde allerdings unisono, dass immer noch Bewertungsstandards und valide Daten fehlen.

"Bei der Nachhaltigkeit scheiden sich Theorie und Praxis. Was in der Theorie erkannt wurde – die absolute Notwendigkeit und Vorteilhaftigkeit nachhaltigen Wirtschaftens und Investierens –, führt in der Praxis zu konkreten Problemstellungen, die nun angegangen werden", sagt Fischer. Eine entscheidende Rolle nehme die Etablierung digitaler Technologien ein. Nur damit ließen sich ressourceneffizient valide Daten erheben, auf deren Basis belastbare Entscheidungen getroffen und Strategien umgesetzt werden könnten.

Der Nachholbedarf bei der Digitalisierung von Geschäftsmodellen und Betriebsprozessen ist laut 95 Prozent der Befragten groß. 81 Prozent der Versicherer wollen deshalb "mehr denn je" in die Digitalisierung der Unternehmen investieren, heißt es im Trendbarometer. Im Mittelpunkt steht dabei die Realisierung von Automatisierungspotenzialen, unter anderem in der Bestandsverwaltung, im Transaktionsbereich und im Rechnungswesen.

EY hat das "Trendbarometer Immobilienanlagen der Assekuranz" zum 14. Mal auf Basis einer Umfrage im Mai 2021 unter 30 führenden Unternehmen der Versicherungsbranche erstellt.


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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Versicherung